Fairer Wettbewerb, Menschenrechte und Globalisierung am Prüfstand in Alpbach

Ex-EU-Kommissar Fischler kritisiert "Unfairness" im Welthandel, aber Gleichschaltung von unterschiedlich entwickelten Ökonomien wäre eine "Katastrophe"

Wien (PWK532) - Der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler, der
heute als selbständiger Berater tätig ist, diskutierte eingangs die These "Free Trade = Fair Trade". Da das internationale Handelssystem in der WTO nach wie vor jede Menge Unfairness enthält, könnten Verbesserungen in der Handelsliberalisierung manche Probleme im Welthandel lösen. Aber auch das Abschaffen aller Handelsbarrieren würde Entwicklungsländern nicht fairere Chancen bringen. "Liberaler Handel ist nur fair, wenn die Startvoraussetzungen der Mitbewerber gleich sind. Hier besteht aber noch immer ein weltweites Ungleichgewicht", so Fischler: "Die Gleichschaltung von Ökonomien, die sich in unterschiedlichem Entwicklungszustand befinden, wäre eine Katastrophe." Beispielsweise würde eine Gleichschaltung der Steuersysteme in Europa den schwächeren Ökonomien, die gerade im Aufbau begriffen sind, ihre Chancen nehmen.

Lakshmi Bhatia, Leiterin der Abteilung "Global Partnerships / Social Responsibility" des weltweit größten Textilhandelsunternehmens "GAP" beschrieb in ihrem Referat die soziale Verantwortung, die ihr Unternehmen in den Herstellungsländern übernimmt. "GAP" bekenne sich zu fairem Wettbewerb und versuche, die Realitäten in den Herkunftsländern der Rohstoffe zu verstehen. Man habe einen Dialog mit NGOs ins Leben gerufen und versuche, mit Gewerkschaften in den Lieferantenländern strategische Partnerschaften zu erarbeiten.

Neal Kearney, Generalsekretär der internationalen Textilgewerkschaft, kritisierte, dass für viele Unternehmen "Corporate Social Responsibility" nur ein PR-Gag sei. Besonders Unternehmen der Textilindustrie, die Produktionsstätten in China unterhalten, würden - seiner Ansicht nach - dortige Missstände tolerieren. Kearney sprach sich für eine weltweite Gewährleistung universeller Standards aus. Multi- und bilaterale Abkommen sollten erarbeitet werden, um die Ausbeutung von Arbeitern in Ländern, wo die Menschenrechtsgesetze ignoriert werden, zu verhindern. Weiters appellierte der Gewerkschafter auch an die Konsumenten, Mitverantwortung zu übernehmen.

"Sicherheit gibt es in der freien Marktwirtschaft nicht. Die Mitarbeiter eines Unternehmens müssen sich täglich neu beweisen, um die Zufriedenheit der Kunden zu erreichen.", stellte Andreas Meier, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des österreichischen Feuerfestunternehmens RHI, in seinem Referat fest. "Das Management eines Unternehmens", so Meier weiter, "muss sich nach dem Markt richten. Die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und dem Umfeld des Unternehmens, muss aber unbedingt berücksichtigt werden." Abschließend griff er das Thema "Standortwettbewerb" auf: Europa solle die Kreativität seiner multikulturellen Gesellschaft als Wettbewerbsvorteil nützen. Weiters müsse man in Europa noch mehr in Bildung, Forschung und Entwicklung investieren. Bestqualifizierte Mitarbeiter und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen seien für Europas Wirtschaft von höchster Wichtigkeit. (TB)

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