WKÖ-Präsident Christoph Leitl: "Spirit des Positiven" für zukünftige Fragen der Globalisierung mitnehmen

Eröffnung der WKÖ-Reformgespräche beim Europäischen Forum in Alpbach: Ökonomen diskutieren über Ängste und Sorgen der Gesellschaft in einer globalisierten Welt

Wien (PWK531) - Bei der Eröffnung der Reformgespräche der Wirtschaftskammer Österreich beim Europäischen Forum in Alpbach, die heuer unter dem Motto "Veränderungen in Europas Wirtschafts-, Lebens-und Arbeitsraum. Hoffnungen, Ängste, Zuversicht" stehen, gab WKÖ-Präsident Christoph Leitl in seiner Eröffnungsrede einen kurzen Einblick in das Empfinden der österreichischen Bevölkerung zum Thema Wirtschaft und Globalisierung.

Einer Fessel-GfK Studie zufolge empfinden rund 60% der österreichischen Bevölkerung, dass sich die Globalisierung positiv auf Österreich ausgewirkt hat, 73% bescheinigen ihr sogar einen direkten Einfluss auf die positive Entwicklung der österreichische Wirtschaft.
"Wir müssen uns mehr auf diese positive Grundeinstellung in der Bevölkerung konzentrieren und diesen Spirit des Positiven mitnehmen um besser an zukünftige Fragestellungen betreffend Wettbewerbsfähigkeit, Globalisierung und dem Wunsch nach Sicherheit" herangehen zu können" so Leitl.

Zusätzlich ist es laut Präsident Leitl aber auch notwendig, sich Gedanken über neue Wege und Modelle zu machen, die möglicherweise zu Beginn etwas unbequem und visionär erscheinen. In diesem Zusammenhang spricht Leitl das von der Wirtschaftskammer definierte Ziel an, in 10 Jahren die Vollbeschäftigung zu erreichen. "Die WKÖ ist die einzige Interessensvertretung Europas, die sich zugetraut hat ein solches Ziel zu definieren. Es ist zugegebenermaßen ein ambitioniertes Ziel, aber durchaus ein erreichbares Ziel", so Leitl abschliessend.

Eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde versuchte im Anschluss an die Eröffnung eine wissenschaftliche Analyse und politische Antworten auf die Fragen betreffend Ängste und Sorgen um Existenz, Arbeitsplatz, und Ressourcen zu geben.

Vaclav Klaus, Präsident der tschechischen Republik, stellte in seinen Ausführungen die grundsätzliche Frage der Definition nach Sorge. "Für mich beginnt das Problem schon beim Wort Sorge. Wenn wir von Sorgen sprechen, handelt es sich dann um Sorgen eines einzelnen Individuums, die Sorgen eines Landes oder die Sorgen einer ganzen Gesellschaft?" so Klaus.

Wenn von der Sorge um Existenz gesprochen wird, so ist Klaus überzeugt, dann wird der Mensch in seiner Existenz nur von der Absenz der Freiheit bedroht. Die Sorge um den Arbeitsplatz im heutigen Europa ist ein wirkliches Problem mit weitgehenden gesellschaftlichen Auswirkungen. Um es lösen zu können bedarf es einer richtigen Diagnose der Ursachen. "Denn nur wenn wir Angst vor dem wirtschaftlichen Liberalismus haben, dann können wir Angst um unseren Arbeitsplatz haben. Sonst nicht".

Bezüglich der Ressourcenknappheit sieht Klaus relativ positiv in die Zukunft: "Ich bin überzeugt, wenn man das System des freien Marktes, des Privateigentums und der unregulierten Preise wirken lässt, dann wird das gesellschaftliche System im Stande sein, den langfristigen, optimalen und rationalen Verbrauch von Ressourcen zu organisieren, der dann letztendlich nicht zu ihrer Erschöpfung finden wird" so Klaus abschließend.

Für Thomas Held, Direktor von Avenir Suisse in Zürich, ist die Vorstellung von absoluter Sicherheit, generellen staatlichen Renten sowie staatlicher Überregulierung das Konzept einer Schlaraffenlandökonomie. Mit einer solchen Haltung kann Westeuropa seine ökonomische Zukunft nicht absichern. Regulierungen alleine sind nicht das geeignete Mittel zur Lösung von Problemen. Für Held liegt die Chance in der Ungewissheit: "Die Ungewissheit der Zukunft ist die Chance der Unternehmer, tätig zu werden".

Für Joachim Würmeling, Staatssekretär vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Berlin, sind die ökonomischen Voraussetzungen für die Globalisierung eigentlich relativ gut. Allerdings sind die psychologischen Vorraussetzungen in der Bevölkerung sich den Herausforderungen zu stellen, denkbar schlecht, da es der Politik nicht gelungen ist, den Bürgern glaubwürdige Antworten auf die Fragen der Globalisierung zu geben. Diese Schere zwischen gefühlter Globalisierung einerseits und den realen wirtschaftlichen Fakten andererseits führte laut Würmeling in der Vergangenheit zu vielen politischen Fehlern. "Solange diese Fehler nicht behoben werden und der Bevölkerung keine plausible Antworten auf ihre Fragen sowie die Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung gegeben werden können, solange wird es keine Lösung in dieser Thematik geben" so Würmeling.

Für Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft geben die internationalen Kapitalmärkte Takt und Tempo vor. Im Gegensatz zu den Unternehmen kann aber die Politik als Agent gesellschaftlicher Meinungs- und Mehrheitsbildung diesem Tempo nicht folgen. Der Wunsch nach allumfassender staatlicher Zuständigkeit und Absicherung wird daher gerade in der Globalisierung zur Belastung. Diese unterschiedlichen Geschwindigkeiten gelten für Hüther ebenso für unterschiedliche Aktionsebenen. Hüther abschliessend: "Während sich ökonomische Prozesse deutlich beschleunigt haben, liegen mentale Veränderungen weit zurück, was in der Folge zur Sorge um Existenz, Arbeitsplätze und Ressourcen führt". (NL)

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