Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Verantwortung der Gesellschaft (von Eva Weissensteiner)

Ausgabe 18. August 2006

Klagenfurt (OTS) - Kaum ein politisches Thema der vergangenen
Wochen und Monate trifft so sehr den Lebensalltag der Menschen wie die Pflegedebatte. Praktisch jeder kennt das Problem aus seinem persönlichen Umfeld. Eine Großmutter, die im Heim lebt; ein behindertes Kind, das rund um die Uhr betreut werden will; ein kranker Mensch, der nicht mehr für sich sorgen kann - sie alle brauchen Pflege.
Die aktuelle Debatte wird hoffentlich zu der Erkenntnis führen, dass es die Gesellschaft ist, die für pflegebedürftige Menschen die Verantwortung zu übernehmen hat, und nicht der Einzelne. Noch immer werden Frauen, die ihre betagten Mütter oder Schwiegermütter nicht zu Hause betreuen, stigmatisiert. "Ins Heim abschieben" lautet die dazu passende Phrase. Als wäre professionelle Pflege unter ärztlicher Aufsicht in einer gut ausgestatteten Einrichtung etwas geradezu Anstößiges.
Pflege ist Arbeit. Psychisch und physisch fordernde, harte Arbeit. Zehntausende Menschen verrichten tagtäglich diese Arbeit. Die einen erwerben damit Anspruch auf Lohn, auf Urlaub, auf geregelte Dienstzeiten, sind pensions- und krankenversichert. Die anderen erhalten maximal ein Dankeschön. Private Pflege ist unserer Gesellschaft nichts wert. Weil sie sich nicht verantwortlich fühlt.

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