WirtschaftsBlatt Kommentar vom 17. 8. 2006: Mauerblümchen Bratislava - von Arne Johannsen

Nichts reagiert empfindlicher auf Störungen als internationales Kapital

Wien (OTS) - Ausländer raus. Diesen Schlachtruf aller Populisten möchten sich die Slowaken ersparen. Sie wollen die Ausländer daher erst gar nicht hereinlassen. Erst waren es nur Terminverschiebungen und andere Hinhalteübungen, doch das Ende war absehbar: Nur absolute Optimisten gingen in den vergangenen Tagen noch davon aus, dass der Wiener Flughafen wirklich in Bratislava ans Ziel kommen würde.

Für die Österreicher ist das eine Enttäuschung, ein Drama ist es nicht. Im Gegenteil: Das Nicht-Zustandekommen der Übernahme des Airports Bratislava durch den Wiener Flughafen schadet den Slowaken mehr als den Österreichern.

"Rechtssicherheit" ist ein sperriger Begriff, aber ein sensibles Gut. Wiens Flughafen-Manager haben rechtsgültige Verträge. Dass diese jetzt nichts mehr wert sind, wird ausländische Investoren nicht gerade ermutigen, in der Slowakei zu investieren. Nichts reagiert empfindlicher auf seismografische Störungen als internationales Kapital. Und was sich jetzt unter der neuen Regierung Fico in der Slowakei abspielt, sind gröbere Erschütterungen.

Schon jetzt fragt sich die slowakische Wirtschaftszeitung "Hospodarske noviny" besorgt, was aus dem Flughafen Bratislava werden soll. Die Antwort ist einfach: nichts. Denn ohne die Millionen, die die Österreicher dort investiert hätten und ohne professionellen Betreiber wird Bratislava über ein Mauerblümchen-Dasein nicht hinauskommen.

Zur Schadenfreude ist das kein Anlass, denn das Platzen des Airport-Deals versetzt auch allen fantasievollen Twin-City-Konzepten einen kräftigen Dämpfer. Wien und Bratislava bleiben, was sie waren:
zwei konkurrierende Städte in konkurrierenden Ländern, die zufällig eine gemeinsame Grenze haben.

Für den Flughafen Wien haben Aktien-Analysten bereits im Vorhinein Entwarnung gegeben: Käme die Bratislava-Übernahme nicht zustande, wäre das kein Malheur. Das ist beruhigend, aber doch nur die halbe Wahrheit. Denn es belegt umgekehrt, dass der Wiener Airport trotz aller strategischen Alternativ-Bemühungen - und eine solche wäre der Bratislava-Ausbau gewesen - auf Gedeih und Verderb mit dem Schicksal der AUA verbunden ist. Gelingt es dieser, Wien zur Osteuropa-Drehscheibe zu machen, hebt der Flughafen mit ab. Spitzt sich die wirtschaftliche Lage der AUA dagegen weiter zu, wird es auch für den Flughafen kritisch - ob mit oder ohne Bratislava.

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