ÖGJ-Eder: Mehr als 20.000 Jugendliche auf der Suche nach Ausbildungsplatz

Jugendschutzmaßnahmen sind nicht schuld, dass es zu wenig Lehrstellen gibt

Wien (ÖGJ/ÖGB) - "Als Nationalratsabgeordnete sollte Silvia Fuhrmann einmal die Gesetze lesen, mit denen sie sich zu befassen hat. Schutzbestimmungen für jugendliche ArbeitnehmerInnen sind keine Blockade, sondern notwendig, um Sicherheit und Leben der Lehrlinge nicht zu gefährden", sagt der Vorsitzende der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ), Jürgen Eder. Die Aussagen von Fuhrmanns deutschem Parteifreund Philipp Mißfelder ("fast traumhafte Verhältnisse" in Österreich im Bereich der Jugendarbeitslosigkeit) bezeichnete Eder als "Schlag mitten ins Gesicht der tausenden Jugendlichen, die Jahr für Jahr vergeblich auf der Suche nach einer Lehrstelle sind."++++

Fuhrmanns Aussage, Dachdecker-Lehrlinge dürften erst im dritten Lehrjahr aufs Dach steigen, entspricht nicht den Tatsachen. Einschränkungen gibt es, zum Beispiel auf extrem steilen Kirchendächern mit mehr als 60 Grad Neigung. "Auf normalen Dächern gelten nach 12 Monaten die gleichen Sicherungsvorschriften wie für erwachsene ArbeitnehmerInnen - und das ist auch gut so!"

Wo es spezielle Regelungen für jugendliche Beschäftigte gibt, beispielsweise ein Nachtarbeitsverbot, ist das im Interesse der Sicherheit notwendig; Ausbildung wird dadurch nicht verhindert. "Doch auch notwendige Beschränkungen wie das Nachtarbeitsverbot in der Gastronomie wurden von der schwarz-blau-orangen Bundesregierung aufgeweicht, obwohl niemand erklären kann, welche Ausbildungsinhalte erst nach 22 Uhr vermittelt werden können", sagt Eder.

"Für Jugendliche wird es von Jahr zu Jahr schwerer einen Lehrplatz zu finden. Trotz intensiver Schulungstätigkeit und massiver finanzieller Förderung für Lehrbetriebe hatten Ende Juli insgesamt 20.447 Jugendliche keine Lehrstelle im Betrieb", bringt der ÖGJ-Vorsitzende aktuelle Zahlen in die Diskussion.

Erfreut zeigt sich Eder, dass Fuhrmann endlich wohldurchdachte ÖGJ-Forderungen aufgreift: "Die Schaffung von Ausbildungsverbünden ist eine langjährige Forderung der Gewerkschaftsjugend, aber die Umsetzung ist uns die Regierung schuldig geblieben", so Eder. Fuhrmann solle diese Vorschläge einmal in der eigenen Koalition durchsetzen: "Am besten auch gleich den überfälligen Ausbildungsfonds, damit auch die nicht ausbildenden Unternehmen einen gerechten finanziellen Beitrag leisten."(fk)

ÖGB, 16. August
2006
Nr. 537

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Florian Kräftner
Tel.: (++43-1) 534 44/290 DW
Fax: (++43-1) 533 52 93
http://www.oegb.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0002