Arbeitsklimaindex Tourismus: Frauenbranche, kaum Karrierechancen

AK, GPA, HGPD und IFES präsentierten eine Umfrage zur Arbeitszufriedenheit

Wien (HGPD/GPA/ÖGB/AK) - "Der Tourismus ist eine typische Frauenbranche, wird aber für viele Frauen zur beruflichen Sackgasse" - das ist eines der wichtigsten Ergebnisse des "Arbeitsklimaindex Tourismusbeschäftigte", der heuer zum zweiten Mal vom Institut für empirische Sozialforschung (IFES) erstellt wurde. Auftraggeber waren die Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) und die AK-Wien. ++++

"Der Tourismus ist eine typische Frauenbranche mit hohem Teilzeit-und ArbeiterInnenanteil", fasste IFES-Experte Georg Michenthaler die Ergebnisse der Studie zusammen: "Nur 20 Prozent der Beschäftigten verfügen über einen Pflichtschulabschluss." Tourismus-Beschäftigte weisen eine geringfügig höhere Arbeitszufriedenheit auf als andere, erklärte Michenthaler: "Das hängt mit höheren subjektiven Arbeitsmarktchancen und geringeren Innovationsbelastungen zusammen." Denn insgesamt betrachtet gibt die Situation der Tourismusbeschäftigten kaum Anlass zur Zufriedenheit: Weder Existenz sichernde Löhne noch Aussicht auf Existenz sichernde Pensionen, dazu geringe Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten.

"Der Tourismus ist eine typische Frauenbranche, wird aber für viele Frauen zur beruflichen Sackgasse, weil Frauen kaum berufliche Perspektiven geboten werden", ergänzte Gerlinde Hauer von der Abteilung Frauen und Familie der AK Wien: "Frauen im Tourismus schätzen ihre Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten bedeutend schlechter ein als ihre männlichen Kollegen. Nur gut ein Drittel der Frauen ist mit seinen Karrieremöglichkeiten sehr zufrieden bzw. zufrieden, bei den Männern sind es immerhin 60 Prozent. Wir fordern daher einen Ausbau der Möglichkeiten zur beruflichen Weiterbildung. Insbesondere sollen auch verstärkt gering Qualifizierte, Teilzeitbeschäftigte und geringfügig Beschäftigte in eine betriebliche Aus- und Weiterbildung eingebunden werden. Frauen sollen die Möglichkeit zur aktiven Karriereplanung haben." Die AK tritt auch für flexible Arbeitszeitmodelle ein, die die Interessen der ArbeitnehmerInnen, insbesondere jener mit Kinderbetreuungspflichten, berücksichtigen. Hauer: "Zwar wird den Beschäftigten kontinuierlich hohe Arbeitszeitflexibilität abverlangt, aber nur selten bemühen sich die Betriebe um familienfreundliche Arbeitszeitgestaltung für MitarbeiterInnen. Die Branche braucht dringend Kinderbetreuungsmöglichkeiten für die Beschäftigten, z.B. durch Schaffung von Betriebskindergärten durch überbetriebliche Zusammenschlüsse oder Öffnung der Gästekindergärten für Beschäftigte."

Paul Prusa, Wirtschaftsbereichssekretär der GPA, stören vor allem die großen Unterschiede in den verschiedenen Bundesländern und die niedrigen Einkommen: "Bei der Bedürfnisabdeckung sagen nur 47 Prozent der Männer und 27 Prozent der Frauen, in der Mehrzahl Angestellte, dass das Gehalt vollkommen ausreichend ist. Für 53 Prozent der Männer, aber nur für 73 Prozent der Frauen ist das Gehalt gerade ausreichend bzw. nicht ausreichend. Von der Altersversorgung möchte ich da schon gar nicht reden. Von einer Branche, die erfolgreich wirtschaftet und laufend neue erfreuliche Zahlen liefert, kann eine ordentliche Bezahlung der Angestellten erwartet werden."

Das kritisierte auch HGPD-Vorsitzender Rudolf Kaske. Er fordert von den ArbeitgeberInnen "mehr Investition in Morgen": "Wir brauchen bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Ich denke da an Ausbildungs- und Karrierepools. Denn über Karriere wird viel geredet, die wenigsten haben aber die Chance eine zu machen." Finanzielle Anreize müssten geschaffen werden, meinte auch Kaske: "Wir müssen aber auch durch die Schulung von ArbeitgeberInnen und Führungskräften ein besseres Arbeitsklima schaffen. Rahmenbedingungen - wie die Arbeitszeit - müssen verändert werden. Es bedarf einem Bündel an Maßnahmen, damit die Tourismusbranche national und international als Arbeitgeberin interessant bleibt - denn nur so können wir Qualitätstourismus erwarten."(kk)

ÖGB, 16. August
2006
Nr. 536

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