"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Hoffnungsschimmer, kein Sieger, aber viele Verlierer" (Von Charles A. Landsmann)

Ausgabe vom 14.08.2006

Graz (OTS) - Noch nie hat ein Krieg in Nahost so viele zivile
Opfer gefordert.

Der zweite Libanon-Krieg geht zu Ende. Sieger gibt es keinen, Verlierer sind alle. Vielleicht lehrt es die politischen Verantwortlichen und die Oberkommandierenden nicht nur der involvierten Parteien, dass auch im Nahen Osten Konflikte nicht mehr mit Waffengewalt zu lösen sind. Hoffentlich. Die Hisbollah kann, wenn es tatsächlich gelingt, den Waffenstillstand gemäß der UNO-Resolution 1701 vollständig umzusetzen - was allerdings zweifelhaft scheint -, Israel nicht mehr mit seinem gewaltigen Raketenarsenal bedrohen.

Die äußerst kampfkräftige pro-iranische Schiiten-Miliz sollte ihre militärische Stärke weitgehend verlieren und von den jeweils 15.000 Mann der UNIFIL und der libanesischen Armee im Südlibanon kontrolliert werden. Israel hat weder seine beiden entführten Soldaten mit seiner militärischen Macht befreien noch die Hisbollah zerstören können - was zu Beginn der Kampfhandlungen ja als Ziel galt.

Auch nach einem Monat Krieg sitzen hunderte Hisbollah-Mitglieder in grenznahen Stellungen. Die Gefahr für den Landesnorden ist insgesamt - mittels des Waffenstillstandes - nur vermindert, keinesfalls aber garantiert beseitigt worden. Beide Seiten haben einen gewaltigen Preis bezahlt für die menschenverachtenden Provokationen der Hisbollah und die vielfach als überzogen empfundenen israelischen Reaktionen. Noch nie hat ein Krieg im Nahen Osten so viele Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert wie dieser. Von 500 Toten auf Seiten der Hisbollah gehen selbst die Israelis aus.

Beide haben ihre Glaubwürdigkeit weitgehend verloren - sofern sie solche zuvor besaßen. Israel zudem im Kampfverlauf, nicht nur wegen der gewählten Taktik, Ansehen und unzählige Freunde.

Dass die Hisbollah diesen Krieg provoziert hat, wurde vielfach beiseite geschoben. Dass sie als Stellvertreter des Iran kämpft, von diesem hoch gerüstet wurde und damit als Speerspitze eines aggressiven Islams dient, wurde verdrängt. Dass sie vielerorts die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilder missbrauchte, fand kaum in die Schlagzeilen.

Noch kann die Opferbilanz auf israelischer Seite nicht gemacht werden: Intensiver denn je nahm die Hisbollah gestern Nordisrael ins Visier. Und dass unter dem Strich bis heute 5500 israelische Häuser durch Hisbollah-Raketen beschädigt oder gar zerstört worden sind, sollte auch erwähnt werden. Und sei es nur, um zu beweisen, dass auch dieser Krieg auf beiden Seiten Opfer forderte, Leid brachte, Not auslöste.****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001