FGV-ÖGB: Mobile Pflege-Angebote müssen vervierfacht werden

Pflege- und Betreuungsnotstand ist schon seit Jahren bekannt

Wien ((FGV-ÖGB)) - "Das strukturelle Angebot in der mobilen Pflege und Betreuung ist österreichweit etwa um 400 Prozent auszubauen", fordert die Vorsitzende der Fachgruppenvereinigung Gesundheitsberufe im ÖGB (FGV-ÖGB), Gerda Mostbauer. Erst dann werde es möglich und ratsam sein rigoros gegen die illegale Beschäftigung vor allem im Bereich der Alltagsbetreuung vorzugehen. Mostbauer: "Alles andere würde zu einem Systemzusammenbruch führen."++++

Die wesentlichen Kritikpunkte der FGV-ÖGB sind:
O Die derzeit in Österreich herrschende pflegepolitische Konzeption ist vor allem langfristig mehr als fragwürdig.
O Die Versorgung wird nicht in ganz Österreich flächendeckend und Gemeindenahe angeboten.
O Schwarzarbeit - zumal in einem im Rahmen des Gesamtarbeitsmarktes immer bedeutender werdenden Arbeitsmarktsektor - ist auf Dauer aber nicht hinzunehmen.
O Es gibt kaum eine Betreuung und Beratung der Angehörigen.

Mostbauer: "Langfristig muss die Betreuung und Pflege vor allem älterer Menschen in legaler Weise sichergestellt werden.
Dabei ist primär von den Bedürfnissen der betreuten Personen und deren Angehörigen auszugehen, was einen Vorrang der Betreuung in der vertrauen Umgebung der betreuten Person, also in der Regel in deren Wohnung, bedeutet". Das bedeutet, dass die für die Dienstleistungen zuständigen Bundesländer eine Betreuung aufbauen müssen, welche im Sinne ganzheitlicher Betreuung vor allem auch die Beaufsichtigung von Demenzkranken sowohl in den Nachtstunden als auch am Wochenende umfassen muss. Die Länder müssen in Zukunft auch diese Art der Betreuung in ihre sozialen Dienstleistungspakete aufnehmen und eine flächendeckende Versorgung sicherstellen.

Die FGV-ÖGB-Vorsitzende kritisiert, dass der Pflegenotstand im dem Sinne, das das Betreuungssystem nur durch illegal und schlecht bezahlte ausländische Kräfte aufrecht erhalten wird, schon seit Jahren bekannt sei und nichts getan wurde. Mostbauer: "Vor einer Wahl werden plötzlich auch jene fleißig - mit Versprechungen - die sonst eher ihr politisches Schlafbedürfnis befriedigen. Die FGV-ÖGB hat ein konkretes Strategiepapier erarbeitet und bringt das gerne in die Neukonzeption der mobilen Pflege und Betreuung ein."

Die Forderungen der FGV-ÖGB:

Um in Zukunft die mobile Pflege und Betreuung bedürfnisorientiert und leistbar in Österreich sichern zu können sind folgende Maßnahmen unumgänglich:
O Aufbau von gemeindenahen Versorgungsstrukturen wie Gesundheitssprengel bzw. Gesundheitszentren, um Tag- und Nachtbetreuung gewährleisten zu können.
O Alternative Angebote wie Tagesbetreuungszentren und betreutes Wohnen flächendeckend in allen Regionen.
O Beim Pflege- und Betreuungsangebot muss klarer differenziert werden zwischen Pflegetätigkeiten und Unterstützung zur Alltagsbewältigung (Haushaltsführung, Kochen, Waschen, ...).
O Die Pflege im eigenverantwortlichen wie im interdisziplinären Bereich muss von den Sozialversicherungsträgern bezahlt werden.
O Betreuungstätigkeit und Tätigkeiten zur Alltagsbewältigung sollen über Pflegegeld und Sozialleistungen gesichert werden.
O Die Finanzierung ist sicherzustellen, wobei ein Mehrsäulenmodell die Lasten verteilen soll.(ff)

ÖGB, 13. August 2006, Nr. 534

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