"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ölmultis: Wo Schlamperei mit Mega-Gewinnen belohnt wird" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 10.08.2006

Graz (OTS) - Die USA, einst das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sind heute vielfach das Land der unbegrenzten Vorschriften. Das merken nicht nur Raucher, sondern praktisch alle Einreisenden, das liest man auf unzähligen Warnhinweisen, die angeblich dem Schutz der Verbraucher dienen, das weiß man in den Ölkonzernen. Wie zum Beispiel bei BP. Wo Buchhalter angehalten sind, immer eine Hand aufs Geländer zu legen, wenn sie die Treppe hinunter-gehen.

Bei den Pipelines von BP hingegen dürfte man es mit den Vorschriften nicht ganz so genau nehmen. So sind schon im März tausende Barrel Rohöl aus den verrosteten Rohren zwischen der Prudhoe Bay im Norden Alaskas und dem Ölhafen Valdez ausgelaufen, was nach 29 Jahren auch nicht allzu sehr wundert. Es ist also kein Schicksalsschlag, der den drittgrößten Ölkonzern der Welt jetzt getroffen hat, sondern schlichte Schlamperei. Zurückzuführen auf jahrelange Nachlässigkeit, mangelnde Investitionen - ob in Pipelines oder Raffinerien - und Missmanagement.

Für die Verbraucher weit gravierender als dieses Missmanagement wirkt sich ein anderes Versagen der Topmanager in den Ölkonzernen aus: Im Schlepptau der Alaska-Probleme ist der Ölpreis praktisch rund um den Globus wieder einmal in die Höhe gesprungen. Das liegt aber nicht am Ausfall der Pipeline beziehungsweise der Förderkapazitäten in Alaska, ganz im Gegenteil. Die ungenützten Förderkapazitäten von Saudi-Arabien sind derzeit um ein Vielfaches höher als das Minus in Alaska. Im Gegensatz zu dem Öl aus dem Norden fördern die Saudis aber zähes, sehr schwefelreiches Öl, das in den veralteten Raffinerien der USA nicht verarbeitet werden kann. Das, hat sich in den letzten Monaten immer wieder gezeigt, ist eine der wesentlichen Schwachstellen im System, das ist das preistreibende Nadelöhr.

Im Gegensatz zu den möglichen Umweltschäden durch austretendes Öl in Alaska, wo dem BP-Management ordentliche Strafen drohen, wird das Versagen im Verarbeitungsbereich in den USA "natürlich" nicht bestraft. Die Konsequenzen für den Konzern sind vielmehr sehr erfreulich. Nicht nur BP, auch Exxon oder Shell haben in den letzten Jahren kaum Geld in die eigene Infrastruktur gesteckt. Die aus dem Ölgeschäft sprudelnden Gewinne blieben in den Kassen, statt etwa in Pipelines, neue Ölfelder oder Raffinerien investiert zu werden. Geld dafür wäre vorhanden. Exxon-Mobil hat heuer im ersten Quartal 100 Millionen Dollar netto verdient. Pro Tag, wohlgemerkt. ****

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