WirtschaftsBlatt Kommentar vom 10.8.2006: Ein guter Start von Alfred Ötsch - von Peter Muzik

Der neue Boss bringt der AUA viel Power

Wien (OTS) - Die Schonfrist für Alfred Ötsch, die ich im WirtschaftsBlatt-Leitartikel am 1. Juni gefordert habe, ist in diesen Tagen abgelaufen. Jetzt ist es an der Zeit, eine erste Zwischenbilanz seiner Tätigkeit zu ziehen. Und die sieht für den neuen AUA-Boss gar nicht so schlecht aus. Ötsch hat in seinen ersten 100 Tagen mehrfach den Nachweis erbracht, dass seine Bestellung eine gute Entscheidung war. Während etwa ÖBB-Chef Martin Huber, wochenlang im Kreuzfeuer der medialen Kritik, bei der Bahn nicht wirklich etwas weiterbringt, konnte Ötsch dank seiner erfrischenden Dynamik ziemlich rasch beeindrucken.

Klar ist: Dieser Mann ist ein cleverer Draufgänger mit enorm viel Power. Im Gegensatz zum eher umgänglichen Vorgänger Vagn Sørensen, der sich in zahlreichen internen Konflikten automatisch verheddern musste, erweist sich der in der harten Siemens-Schule gestählte Neue als mutiger Macher, der sich auf die grosse Linie konzentriert. Ötsch geht es zuallererst darum, einzementierte Strukturen aufzubrechen und zu Gunsten der Airline zu verbessern.

Er hat beispielsweise mit der OMV zunächst endlos um niedrigere Kerosinpreise gestritten, ehe er schlussendlich gegen den Ölmulti wegen Missbrauchs der Monopolstellung und mutmasslicher Preisabsprachen eine EU-Klage einbrachte. Seither befindet er sich mit OMV-Boss Wolfgang Ruttenstorfer in einer Art Kriegszustand. Und hat dabei keine schlechten Karten: Sollte er es schaffen, sich auf diese Weise pro Jahr 35 Millionen Euro zu ersparen, wäre das jedenfalls ein Segen für die Fluglinie.

Einen knallharten Konflikt trug Alfred Ötsch auch mit der Austro Control aus, von der er nach dem letzten Fluglotsen-Streik 5,8 Millionen Euro Schadenersatz forderte. Keiner der bisherigen AUA-Chefs wäre wohl jemals auf so eine Idee gekommen, jeder ist bei solchen misslichen Situationen stets zerknirscht untätig geblieben. Ötsch hat's zumindest versucht. Und das war eine ebenso richtige Entscheidung wie die von ihm verordnete Einstellung der unrentablen Langstrecken-Flüge nach Australien oder die Straffung der Organisation. Ein Pluspunkt ist ihm auch für die Wiedereinführung des Gratis-Caterings in der Economy Class sicher. Einziger Einwand: Ob es klug ist, die Marke Lauda verschwinden zu lassen, muss bezweifelt werden.

Fazit: Ötsch ist sicher kein Zauberer. Die AUA-Zahlen sind nach wie vor rot und werden es vorläufig auch bleiben. Das Match ist für ihn noch längst nicht gewonnen. Aber der Start ist gelungen.

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