"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die wirklichen Probleme löst der Bürger, nicht die Politik" (von Johannes Kübeck)

Ausgabe vom 08.08.2006

Graz (OTS) - Fast ungläubig sehen unsere Staatslenker in die Gazetten und erfahren, dass ein Herzstück unserer Gesellschaft, die Pflege älterer Mitbürger, fest in der Hand von illegal arbeitenden Ausländern ist. Das offizielle Österreich, das sich so gerne als Vorbild und Vorzeigeland sieht, muss auf einem so wichtigen Gebiet öffentlich den Notstand eingestehen.

Das viel wichtigere Eingeständnis aber unterbleibt. Unsere Politiker sind immer weniger in der Lage, für echte Probleme ebensolche Lösungen anzubieten. Das hat nicht nur mit Versagen zu tun, sondern damit, dass die komplexe Gesellschaft und ihre Mechanismen Lösungskompetenz in völlig neuer Dimension erfordern.

Im Pflegebereich geht es etwa schlicht darum, dass sich der Sozialstaat gewissermaßen selber in den Schwanz beißt. Die hohen Sozialstandards machen nämlich Pflege mit voll angestellten Fachkräften so teuer, dass sich der Normalbürger das nicht mehr leisten kann. Hier sind wirksamere Lösungsinstrumente gefragt als Kommissionen oder Runde Tische.

Echte Lösungskompetenz hingegen zeigt gerade heute wieder der Bürger. Das Berufsumfeld einer ganzen Generation - Viereinhalb-Tage-Woche, weitgehende Unkündbarkeit und die Delegation von Verantwortung an Staat und Verbände - ist für die Jungen kaum erreichbar. Aber sie kritisieren das nicht und hadern nicht mit dem Schicksal, sondern nehmen die Herausforderung an und schaffen sich ihre eigene Berufswelt. In dieser gelten Leistungsbereitschaft und Mobilität als Tugend und nicht als Ausbeutung und es ertönt kein Ruf nach dem Staat.

Diese Flexibilität der Bürger ist nicht den Jungen vorbehalten, wie gerade das Beispiel Pflege zeigt. Hunderttausende Familien sind seit jeher damit konfrontiert, dass ein Angehöriger der liebevollen und handfesten Pflege bedarf. Generationen von Frauen haben Eltern und Schwiegereltern schon aufs Beste gepflegt und dabei kaum oder wenig Unterstützung erfahren.

Aber seit der politischen Wende Osteuropas vor bald 20 Jahren sind plötzlich in der Pflege ausgebildete Frauen verfügbar, die zu Konditionen, die für unsere Begriffe erschwinglich sind, private Pflegeleistungen anbieten. Hier trifft Angebot auf Nachfrage und auch der sonst gesetzestreue Bürger greift erfreut zu.

Der Umstand, dass das schlicht Schwarzarbeit und damit ungesetzlich ist, belastet kein Gewissen. Viel wichtiger ist, dass bürgerliche Initiative ein Problem gelöst hat, bei dem die Politik schlicht versagt hat. ****

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