FGV-ÖGB: Beim Pflegenotstand ist grundsätzliche Lösung gefragt

Klares Konzept und neue Finanzierungsbasis müssen erstellt werden

Wien (FGV-ÖGB) - "Der Notstand bei der Hauskrankenpflege kann nur durch ein klares Konzept und eine neue Finanzierungsbasis behoben werden. Die bisher angebotenen Lösungen sind Flickwerk und helfen weder den Betroffenen noch tragen sie zu einer grundsätzlichen Lösung bei", stellt die Vorsitzende der Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe im ÖGB (FGV-ÖGB), Gerda Mostbauer, fest. "Der Notstand sei schon lange bekannt, allerdings haben die politisch Verantwortlichen bisher weggeschaut", so die FGV-ÖGB-Vorsitzende.++++

"Die öffentliche Hand hat die 'Schwarzarbeit' in der Hauskrankenpflege akzeptiert und es gibt ein offizielles Wegschauen. Die Pflege in der Familie wird von bestimmten Seiten zwar propagiert, dass diese Pflege aber zu Armut führen kann wird vorsorglich verschwiegen", kritisiert Mostbauer. Die in den vergangenen Tagen vorgelegten Lösungsansätze seien, so die FGV-ÖGB-Vorsitzende, offensichtlich schon vom Wahlkampf geprägt.

Das vom Seniorenbund vorgeschlagene Au-Pair-Modell sei nichts anderes als die Legalisierung der Ausbeutung und die Forderung des BZÖ nach Einführung eines Lehrberufes für Pflege ist unverantwortlich, da junge Menschen dadurch vollkommen überfordert würden. Wenig realistisch ist auch der Vorschlag von Arbeitsminister Bartenstein, die Einkommensgrenze für ausländische Schlüsselkräfte auf 1.200 Euro zu senken.

Mostbauer: "Es fehlen leistbare und alternative Angebote. Es fehlen reale Möglichkeiten für eine 24 Stunden Betreuung und Pflege zu Hause, die leistbar sind. Offen ist auch die Frage, was die Gesellschaft sich grundsätzlich leisten will.
Es wird im Rahmen der Finanzierung nicht zwischen Pflegeleistungen und Leistungen der Alltagsbewältigung ausreichend differenziert".

Die Forderungen der FGV-ÖGB:

Um in Zukunft die mobile Pflege bedürfnisorientiert und leistbar in Österreich sichern zu können sind folgende Maßnahmen unumgänglich:
O Aufbau von gemeindenahen Versorgungsstrukturen wie Gesundheitssprengel bzw. Gesundheitszentren um Tag- und Nachtbetreuung gewährleisten zu können.
O Alternative Angebote wie Tagesbetreuungszentren und betreutes Wohnen flächendeckend in allen Regionen.
O Beim Pflege- und Betreuungsangebot muss klarer differenziert werden zwischen Pflegetätigkeiten und Unterstützung zur Alltagsbewältigung (Haushaltsführung, Kochen, Waschen, ...).
O Die Pflege im eigenverantwortlichen wie im interdisziplinären Bereich muss von den Sozialversicherungsträgern bezahlt werden.
O Betreuungstätigkeit und Tätigkeiten zur Alltagsbewältigung sollen über Pflegegeld und Sozialleistungen gesichert werden.
O Die Finanzierung ist sicherzustellen, wobei ein Mehrsäulenmodell die Lasten verteilen soll.(ff)

ÖGB, 7. August
2006
Nr. 526

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