"Die Presse" Kommentar: Iran: Der lachende Dritte (von Thomas Seifert)

vom 07.08.2006

Wien (OTS) - Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte: Das Mullah-Regime in Teheran ist der Hauptnutznießer im Krieg Israels gegen die Hisbollah.

Vor zwei Wochen erreichte mich das E-Mail eines Freundes aus Teheran:
Er wollte mit seiner Rockband "127" in der Slowakei auftreten. Doch zwei der Bandmitglieder durften nicht ausreisen, weil die Regierung über Nacht einige Militärgesetze geändert hat und die beiden theoretisch jeden Tag eingezogen werden könnten. Tour abgesagt, alle müssen zuhause bleiben.
"Zu dumm", schrieb Sohrab, ein "LID" - "Leben-im-Iran-Dilemma"."Ich sehe keine besonders rosige Zukunft für diesen Planeten", schreibt Sohrab in seinem Mail aus Teheran. Ich könnte ihm nicht widersprechen. Noch weniger rosig ist die Zukunft für Leute wie Sohrab, Iraner, die denken, wie junge Menschen in Europa zwischen Lissabon und Lwiw (Lemberg).
Denn Teherans Konservative sind seit dem Krieg im Libanon im Aufwind:
Präsident Mahmoud Ahmadinejad sieht sich durch die Ereignisse in seiner konfrontativen Außenpolitik bestätigt. Jene Mitglieder der Reformbewegung, die für eine Annäherung an den Westen eintreten, sind verstummt, seit die Waffen in Nahost sprechen.
Die iranische Regierung hätte es aus Angst vor internationalen Protesten vor dem Konflikt wohl auch nicht gewagt, das Büro der Friedensnobelpreisträgerin von 2003 und Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi zu schließen.
Für den Atomstreit verheißt das nichts Gutes: Ein Einlenken Teherans ist derzeit so gut wie undenkbar.

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