Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Ein Unwort entlarvt sich (von M. Geistler-Quendler)

Ausgabe 5. August 2006

Klagenfurt (OTS) - Gegen Unwörter, die jede Humanität vermissen lassen, ist man machtlos. Gegen ihr jahrelanges Kampagnisieren auch; unwidersprochen stehen bleiben dürfen sie nicht. Ein verletzender Bruch mit der Menschenwürde im "Wohlfahrtsstaat" war, das Stigma "Sozialschmarotzer" im Polit-Diskurs generell hinzunehmen, das heute zur Wahlkampfprogrammatik gewisser Gruppierungen avanciert ist. Implizit angeprangert werden, verkürzt gesagt, die Verlierer der Gesellschaft, also die, die etwas verloren haben: die Arbeit, einen Menschen, einen Halt, Sicherheit, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, Boden unter den Füßen, Selbstwertgefühl oder alles auf einen Schlag. Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst, die Arbeitslosigkeit steigt, auch die Zahl der "Working poor", jener, die mit ihren "Jobs" kaum den Lebensunterhalt bestreiten können.
Sie werden mit verspekulierten Riesensummen und Supergagen gescheiterter Finanzhaie konfrontiert. Ein solches Jahresgehalt reicht aus, um einen von ihnen geraume Zeit die Furcht vor dem Monatsletzten zu nehmen. Doch wer am Drücker ist, lässt sich nicht "Sozialschmarotzer" schimpfen. Nicht von jenen, die einst gegen Privilegien zu Felde zogen und daraus ersehen müssten: Echte Umverteilung garantiert nur ein lückenloses Sozialnetz, Stigmata -oben und unten - ändern nichts.

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