Greenpeace: Kernschmelze im AKW Forsmark auch nach Aussagen der schwedischen Atomaufsichtsbehörde möglich

Richtige Reaktion des Sicherheitspersonals - und Containment - verhindern zweites Tschernobyl

Wien/Stockholm (OTS) - Greenpeace verlangt die sofortige Überprüfung aller 443 AKW weltweit sowie die sofortige Schließung jener Reaktoren, die den gleichen Konstruktionsfehler aufweisen wie das ostschwedische AKW Forsmark. "Nach diesem Beinahe-Tschernobyl in einem westlichen Hochtechnologieland muss die Atom-Renaissance weltweit gestoppt werden", fordert Greenpeace-Atomexperte Erwin Mayer.

Obwohl der schwedische Siedewasserreaktor einige technische Unterschiede zu dem Typ Tschernobyl aufweist und unter anderem ein Containment (Schutzhülle) aufweist, war eine Kernschmelze und eine radioaktive Wolke im Ausmaß des Supergaus von Tschernobyl möglich. "Nur die richtige Reaktion des Personals hat die Geisterfahrt des Reaktors nach 20 Minuten beendet und die Kernschmelze verhindert", erklärt Mayer.

Die Kombination aus einem bis dato unbekannten Konstruktionsfehler und der Tatsache, dass das Personal kein Szenario für diesen Vorfall erlernt hatte, keine Daten am Computer hatte und auch die Hörverbindung zwischen den Technikern gestört war, hat die Situation besonders gefährlich gemacht.

Der Schwedische Regulator (Atomaufsichtsbehörde) SKI hat in seinem aktuellen Report (www.ski.se) in Widerspruch zu Aussagen des finnischen AKW-Betreibers TVO nicht ausgeschlossen, dass eine Kernschmelze jederzeit möglich gewesen sei. Im Falle einer Kernschmelze behaupten die Betreiber des AKW, dass durch das Containment - eine Schutzhülle um den Reaktor - und die installierten Filter, einen "Großteil" des radioaktiven Fallouts aufhalten würden. Wie viel des radioaktiven Materials dann doch ins Freie gelangen würde und in einer radioaktiven Wolke über Europa sich verteilen würde bleibt offen.

"20 Jahre nach dem Supergau in Tschernobyl in der ehemaligen Sowjetunion und 27 Jahre nach der Kernschmelze in Three Miles Island in den USA hat es nun eine Beinahe-Kernschmelze in Europa gegeben", vergleicht Mayer. Er fordert Österreichs Bundesregierung auf, an alle Atomstaaten heranzutreten und eine Überprüfung der AKW nach ähnlichen Konstruktionsfehlern und allenfalls die sofortige Schließung zu verlangen.

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Mag. Erwin Mayer, Greenpeace-Atomexperte, 0664-2700441

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