Landau: "Menschen in Nordkenia brauchen nach der Dürre Hilfe!"

Caritas unterstützt mit Wasserprojekten und Aufstockung der Herden

Wien (OTS) - Der Norden Kenias ist eines jener
Katastrophengebiete, in denen die Caritas-Nothilfe Leben rettet: Mit Wassertransporten und Lebensmittelverteilung konnte verhindert werden, dass eine große Zahl von Menschen den Folgen der Dürre zum Opfer fällt. Die Situation ist aber weiterhin dramatisch: Die nächsten Regenfälle werden frühestens Ende Oktober erwartet. "Die Menschen brauchen weiterhin unsere Hilfe!", schildert Caritasdirektor Michael Landau, der soeben aus Nordkenia zurückgekehrt ist, seine Eindrücke. "Jeder Euro zählt, um die Menschen mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen!"

Seit fünf Jahren warten die Menschen im Grenzgebiet Kenias, Äthiopiens und Somalias vergeblich auf lebensspendenden Regen, die Niederschlagsmengen sind zu gering. Doch wenn die Weiden verdorren, stirbt das Vieh, die Lebensgrundlage der Nomaden im Norden Kenias. Schon zu Jahresbeginn haben Hilfsorganisationen, die UNO und auch die kenianische Regierung vor einer Dürrekatastrophe gewarnt. Rund elf Millionen Menschen in der Gesamtregion sind betroffen. Der unzureichende Regen im April, der Hauptregenzeit, lässt befürchten, dass die Situation sich in den kommenden Monaten verschärft.

Die Caritas hilft etwa in Marsabit, einer Provinz von 66.000 Quadratkilometern, fast so groß wie Österreich. Gemeinsam mit ihren Partnern vor Ort, der lokalen Caritas und der PISP (eine lokale Hilfsorganisation für die Nomadenvölker), hat sie im Frühjahr Wassertransporte und Lebensmittelverteilung organisiert, um das Schlimmste zu verhindern: dass Menschen an den Folgen der Dürre sterben. "Die Versorgung der Menschen mit Wasser ist bis August gesichert", so Landau. "Bitte helfen Sie uns, die Menschen bis zur nächsten Regenzeit im Oktober, November zu versorgen!"

Mit Wassertankwägen von 8000 Liter Fassungsvermögen, die täglich mehrere Orte in der Region Marsabit ansteuern, und mit unterirdischen Wassertanks, in denen jeweils bis zu 150.000 Liter Regenwasser gespeichert werden, kann das Überleben für bis zu 40.000 Menschen gesichert werden. Jede Familie erhält zurzeit etwa 20 Liter Wasser pro Tag. "Ohne diese Hilfe könnten wir nicht überleben", bringt einer der Dorfältesten die Dramatik der Situation klar auf den Punkt.

Zum Wassermangel kommt der Verlust des Viehs: Bis zu 70 Prozent des Viehbestandes - Ziegen, Schafe, Kamele - sind in der schlimmsten Dürrekatastrophe, an die sich die Menschen in der Region erinnern können, zugrunde gegangen. Jetzt fehlt auch die Milch, die für die Nomaden, und ganz besonders für die Kinder, Hauptnahrungsmittel ist. Auch Lebensmittelhilfe ist nach wie vor lebens- und überlebenswichtig.

Das internationale Caritasnetzwerk versorgt in Kenia über 170.000 Menschen mit Essenspaketen für Familien, Zusatznahrung für Kinder, Saatgut, Vieh und Bewässerungssystemen. Diese Hilfe wurde bisher von der Caritas Österreich mit 85.000 Euro unterstützt. Weitere Hilfe ist dringend nötig!

"Ziel unserer Arbeit ist, dass die Menschen nicht langfristig von dieser Hilfe abhängen, sondern wieder auf eigenen Beinen stehen. Dazu brauchen sie ihre Lebensgrundlage, genügend Vieh", so Landau nach Gesprächen mit den Nomaden. Die Caritas wird daher den Menschen auch mit der Aufstockung ihrer Ziegen- und Schafbestände wieder auf die eigenen Beine helfen. Das erste so genannte Restocking-Programm, die Verteilung von Schafen und Ziegen, wird derzeit in Turbi, einem Ort nahe der äthiopischen Grenze durchgeführt. Dort sind die Menschen besonders von der Dürre betroffen und haben auch durch Überfälle zum Teil alles verloren. Die am schlimmsten betroffenen Familien erhalten durch die Caritas 25 Ziegen und Schafe, damit ein Neuanfang gelingen, das Leben weiter gehen kann.

"Jeder Euro hilft und rettet Leben! Mit 15 Euro kann eine Familie einen Monat lang mit Nahrung versorgt werden. 20 Euro kostet eine Ziege, 200 Euro ein Kamel", sagt Landau. "Jede Spende ist wichtig, um das Überleben der von Hunger und Dürre betroffenen Menschen zu sichern!"

"Zehn Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Hunger, alle fünf Sekunden stirbt ein Kind", unterstreicht Christoph Petrik-Schweifer, Generalsekretär der Caritas für die Auslandshilfe, die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen den Hunger. 825 Millionen Menschen sind laut FAO weltweit chronisch unterernährt. Doch Hunger ist kein Naturereignis:
"Neben dem Ausbleiben des Regens sind es die Armut, unzureichende politische Strukturen, Missmanagement und Verschuldung, die zur Katastrophe führen können."

Die Caritas-Augustsammlung ist die wichtigste Sammlung im Rahmen der Auslandshilfe der Caritas. Im vergangenen Jahr wurden weltweit 572 Projekte mit einem Gesamtvolumen von über 23 Millionen Euro umgesetzt, ein großer Teil davon in Afrika. Die Caritas engagiert sich einerseits in akuten Katastrophenfällen: Dabei geht es um die akute Lebenssicherung von Menschen durch die Verteilung von Lebensmitteln, Wasser, Errichtung von Übergangsunterkünften. Durch ihre Projektarbeit trägt die Caritas aber auch zur nachhaltigen Entwicklung in den Schwerpunktländern bei. "Unser Anliegen ist, jene Gruppen zu unterstützen, die besonders von schwierigen Lebenssituationen betroffen sind. Das sind Kinder, Menschen mit Behinderung, alte Menschen und Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten", so Petrik-Schweifer.

Die Bekämpfung des Hungers ist eine Herausforderung, der sich die internationale Gemeinschaft stellen muss: "Ernährungssicherheit muss Ziel der internationalen Agrar- und Handelspolitik werden", fordert der Caritas-Generalsekretär. Der bislang nur nominell dotierte Katastrophenfonds der österreichischen Bundesregierung braucht nach Ansicht der Caritas ein fixes Budget, damit auch bei stillen Katastrophen rasch und damit rechtzeitig geholfen werden kann. Außerdem fordert die Caritas die Erhöhung der Ausgaben für öffentliche Entwicklungszusammenarbeit: "Rechnet man die Entschuldungsmaßnahmen heraus, ist Österreich noch immer weit entfernt von den zugesagten 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens. Wichtig ist es, die Ziele für 2010 bzw. 2015 durch zusätzliche Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit zu erreichen."

Caritas-Augustsammlung
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