WirtschaftsBlatt Kommentar vom 4.8.2006: Sommertheater am Wörther See: Da ist mehr drin - von Herbert Geyer

Die Inszenierung ist jedenfalls lustiger als im Jahr 2002

Wien (OTS) - Was wäre ein Sommer ohne -theater? Eben. Deshalb blicken wir gerade alle fasziniert nach Klagenfurt. Beim Sommertheater gibt es ja zwei unterschiedliche Denkschulen: Die einen - Salzburg, Berndorf, Reichenau - engagieren namhafte Künstler, die an ihren angestammten Bühnen ohnehin Sommerpause haben und locken damit das zahlende Publikum. Das garantiert zwar Qualität, kostet aber auch.

Die anderen setzen auf heimische Laiendarsteller und sparen sich dadurch grosse Gagen. Weil das aber in der Regel nicht genügt, um grosse Publikumsmassen zu fesseln, wird diese Art von Sommertheater eigentlich nur noch von Passionsspielen gepflogen. Das berühmteste ist Oberammergau, wo seit einem im Pestjahr 1633 abgelegten Gelübde alle zehn Jahre das Leiden Jesu nachgespielt wird.

Welches Gelübde Jörg Haider dazu veranlasst, alle vier Jahre eine grosse Laieninszenierung auf die Beine zu stellen, wissen wir nicht. Vielleicht hängt es ja auch damit zusammen, dass der Versuch, mit gekauften Stars Klagenfurter Sommerspiele zu veranstalten, nicht so recht geklappt hat - Stichwort Seebühne.

Jedenfalls wird heuer in Kärnten ein Lustspiel gegeben, das auf dem beliebten "Bin schon weg - bin wieder da"-Motiv aufbaut. Die Darsteller sind allesamt Laien - vielleicht ausgenommen Jörg Haider selbst, aber der führt Regie und spielt ausserdem noch zwei, drei Hauptrollen (den gütigen Landesvater, den strengen Bankaufseher, den Rächer der Enterbten), da zahlt sich ein Profi schon aus.

Ganz ohne Gage tritt freilich auch der Hauptdarsteller des Schwanks nicht auf - zumindest sieht es derzeit noch so aus, aber die Inszenierung ist ja noch nicht zu Ende.

Logik ist in einem Lustspiel ja nicht wirklich gefragt, aber unsere Ansprüche sind hoch: Dass ein Bankdirektor, der einen Vertrag bis Ende 2010 hat, das dafür ausgehandelte Salär auch dann kriegt, wenn er sich für die Bank aufopfert und in den Aufsichtsrat wechselt, hätten wir ja noch verstanden. Dass er die Gage verliert, sobald er abgesetzt wird, auch - nur wie macht uns der Regisseur plausibel, dass der Arleccino seinen Job zwar sofort verliert, die dazugehörige Gage aber erst Anfang 2008?

Lustiger als 2002, als das Kärntner Laienspiel mit dem Sturz der Regierung endete, ist die heurige Inszenierung allemal. Jetzt warten wir nur noch auf einen Deus ex Machina, wie damals die Alk-Kontrolle Reinhart Gauggs. Denn so viel ist sicher: In dem Stück ist noch mehr drin.

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