"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Wie man mehr als eine Bank ruiniert" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 04.08.2006

Wien (OTS) - Gerade war er noch da, demnächst wird er weg sein und in zwei Jahren vielleicht doch wieder da: Diesmal geht es nicht um die Politik und um Jörg Haider persönlich, sondern um die Wirtschaft und um Wolfgang Kulterer, den Chef der Kärntner Landesbank. Der hat am Dienstag verkündet, dass er den Job des Generaldirektors an den Nagel hängt und künftig vom Aufsichtsrat aus die Geschicke der Hypo Alpe-Adria lenken wird.
Eine spätere Rückkehr ins Management hat Kulterer am Vormittag bei einer Pressekonferenz ausgeschlossen, am Abend war er sich da nicht mehr so sicher. Wer weiß schon, was in zwei oder drei Jahren sein wird, argumentierte er locker vom Hocker des ZiB-2-Studios. Dafür wollte er seinen Vorstandsvertrag bis zum Auslaufen Ende 2010 voll ausbezahlt haben.
Solche Ansagen schätzt wiederum Jörg Haider nicht. "Mit mir nicht", verkündete er am Mittwoch Vormittag als Vertreter des Hauptaktionärs der Hypo Alpe-Adria: Die Bank gehört zu 49,9 Prozent dem Land Kärnten. Am Abend war Kulterer gnädig bereit, schon ab 2008 auf die Vorstandsgage zu verzichten. Dafür verlangt (und bekommt) er die volle Abfertigung und eine "angemessene" Entschädigung für die Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender.
Allein diese Bocksprünge zeigen, dass die Finanzmarktaufsicht ihn offenbar völlig zu Recht für ungeeignet hält, eine Bank zu führen. Begonnen hat ja alles damit, dass die Hypo vor zwei Jahren mangels ausreichender Kontrollsysteme 328 Millionen Euro verspekuliert hat. Der Bank-Chef sieht das bloß als "Betriebsunfall" und wollte den "event" - so Kulterer wörtlich - durch Aufteilung des Schadens auf zehn Jahre vertuschen. Als die Finanzmarktaufsicht nachfragte, "vergaß" Kulterer auf den Verlust.
Wer in so vielen Fällen nicht weiß, was er sagt (oder gar bewusst lügt), ist als Bankdirektor nicht nur moralisch, sondern auch fachlich untragbar. Kulterers Verdienste um den Aufbau der Hypo sind zwar unumstritten, zur Führung einer Bank gehört aber mehr als Pioniergeist und Abenteurertum. Wäre das Vertuschen der Spekulationsverluste vor der Aufsicht ein einmaliger Ausrutscher gewesen, hätte man vielleicht nach einer Abkühlphase darüber hinwegsehen können.
Jetzt hat sich Kulterer endgültig selbst disqualifiziert. Einzig Jörg Haider glaubt noch, dass dieser Mann geeignet ist, die Hypo durch die heikle Phase der bevorstehenden Kapitalerhöhung und des Börsegangs zu führen.
Überraschend ist, dass die Grazer Wechselseitige Versicherung (Grawe), der immerhin knapp 46 Prozent der Hypo gehören, dem wilden Treiben tatenlos zusieht. Immerhin geht es auch um ihr Geld, wenn die Bank auf den internationalen Kapitalmärkten wegen ihrer kuriosen Personalpolitik als Risikofall eingestuft wird.
Mehr noch: Österreichs Bankenszene kommt einmal mehr negativ ins Gerede. Klare Worte seitens der Finanzmarktaufsicht, des Finanzministers und der Notenbank nicht bloß zum überfälligen Rücktritt, sondern zu den "Zukunftsplänen" des Noch-Generaldirektors und Demnächst-Aufsichtsratspräsidenten sind deshalb überfällig. Haider und Kulterer müssen schleunigst daran gehindert werden, noch mehr kaputt zu machen als das Image der Hypo Alpe-Adria.

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