WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.8.2006: Wenn das Vertrauen flöten geht - von Arne Johannsen

Hätte Magna mit offenen Karten gespielt, hätten sie sogar gepunktet

Wien (OTS) - Aus einem aufgelegten Elfer ein Eigentor zu machen -das ist ein Kunststück, das nicht jedem gelingt. Doch weil derzeit praktisch jede bemerkenswerte Leistung im Schatten des Salzburger Sing-Spektakels und der Klagenfurter Bank-Komödie untergeht, wollen wir hier den eindrucksvollen Kunst-Schuss des Magna-Konzerns würdigen: Unnötiger ins eigene Netz hat noch kaum jemand getroffen.

Bestechungsaffären sind heikel, sie erschüttern das Vertrauen in die Integrität eines Unternehmens. Dass ohne Schmiergeld in etlichen Branchen und Ländern nichts geht, ist ein offenes Geheimnis. Ebenso, dass etliche Einkäufer von grossen Unternehmen einen Lebensstil führen, der mit ihrem regulären Gehalt nicht finanzierbar ist. Diese Angelegenheiten werden meist stillschweigend geregelt. Bloss nicht anstreifen, lautet das gängige Motto.

Das wird man auch beim Magna-Konzern gedacht haben und mehrmals nach Mariazell gepilgert sein, in der Hoffnung, dass die Verbindung zu den Bestechungsaffären bei mehreren deutschen Automobilherstellern verborgen bleibt. Das war naiv - und vor allem nicht notwendig.

Denn Magna hat in der Causa durchaus vorbildlich agiert. Von dem betreffenden Mitarbeiter, der BMW-Manager mit Bargeld-Zahlungen dazu animiert haben soll, Aufträge an eine Magna-Tochter zu vergeben, hat man sich getrennt. Mit den deutschen Behörden werde voll kooperiert, heisst es aus dem Unternehmen. Umso unverständlicher, warum noch vor wenigen Tagen bei Magna ausdrücklich dementiert wurde, in die Affäre verstrickt zu sein. Die Erklärung, das Dementi habe sich nur auf die Fälle VW und Audi bezogen, aber nicht auf die länger zurückliegende Causa BMW, ist, milde ausgedrückt, kindisch.

Hätte Magna mit offenen Karten gespielt, hätte der Konzern punkten können: Auf das Fehlverhalten eines Mitarbeiters ist rasch und konsequent reagiert worden. Bravo, mehr kann man von einem Unternehmen nicht verlangen.

Jetzt ist genau der Eindruck entstanden, der durch die Schweigeaktion vermieden werden sollte: Bei Magna werden Dinge gezielt vertuscht. Gerade in Zeiten von Bawag- und Hypo Kärnten-Affäre ist das verheerend. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Wirtschaft ist angeschlagen. Wer da nicht absolut ehrlich agiert, findet sich schnell in einem Atemzug mit den Helmut Elsners der Chefetagen genannt. Das ist in den meisten Fällen zutiefst ungerecht. Aber es ist selber verschuldet.

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