AK: Bereits 50 Prozent aller Erkrankungen arbeitsbedingt - Regierung säumig

Stillstand bei Gesundheit und Sicherheit, Arbeitsbelastungen nehmen zu, Forschung wird abgedreht

Wien (OTS) - "Der derzeitige Stillstand bei Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz ist ein Rückschritt. Arbeitsbedingte Ausfälle steigen wieder, die Arbeitsbelastungen nehmen zu", sagt Alexander Heider, Arbeitnehmerschutzexperte die AK Wien, und kritisiert, dass seit 2003 die Zahl der Arbeitsunfälle wieder ansteigt. Mehr als 120.200 anerkannte Fälle waren es 2005, 2002 betrug die Zahl rund 113.800. "Das verursachte zusätzliche betriebs-und volkswirtschaftliche Kosten von rund 303 Millionen Euro. Dazu kommt, dass bereits mehr als die Hälfte aller Erkrankungen arbeitsbedingt verursacht sind. Allein diese Kosten be-laufen sich jährlich auf mehr als 3 Milliarden Euro", rechnet Heider vor. Die Gründe - so Heider - liegen auf der Hand: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die die Gesundheit und die Sicherheit verbessern, finden keinen Eingang in das ArbeitnehmerInnenschutzrecht. Neue Gesundheitsbelastungen entstehen, jetzt soll aber die Forschung für Arbeitsmedizin gegen Null gefahren werden. Die Regierung hob das Pensionsantrittsalter an, hat aber nicht dafür gesorgt, dass die Betroffenen auch länger gesund in Arbeit sein können. "Viele müssen krank das Handtuch werfen. Allein bei den Arbeitern sind es 57 Prozent, die wegen berufsbedingter Schäden aus dem Beruf vorzeitig ausscheiden, weil es keine Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit älterer ArbeitnehmerInnen gibt", sagt Heider. Minister Bartenstein hat es versäumt, wichtige Maßnahmen im Arbeitnehmerschutz zu veranlassen; Ministerin Gehrer hat die Universitäten ausgegliedert, ohne ihnen ausreichende Budgetmittel zur Verfügung zu stellen und ohne eine bundesweite Entwicklungsplanung für künftige Lehr- und Forschungsschwerpunkte gemeinsam mit den Universitäten zu erarbeiten, ein Ergebnis ist wohl die geplante Schließung des Lehrstuhls und der Universitätsklinik für Arbeitsmedizin; Ministerin Rauch-Kallat hat seit 2001 kein Präventionsgesetz zustande gebracht, das die Bekämpfung arbeitsbedingter Erkrankungen durch einem gesetzlichen Präventionsauftrag an die Unfallversicherungsträger ermöglicht hätte.

"In allen modernen Industriestaaten ist man sich neben dem menschlichen Leid auch über die enormen Kosten arbeitsbedingter Ausfälle im Klaren und steuert dagegen. In Österreich warten wir seit 2001 auf ein Präventionsgesetz, warten wir auf eine Lasten-handhabungsverordnung und auf Verbesserungen bei den Arbeitsplatzgrenzwerten sowie einen verstärkten Einsatz der Arbeitsmediziner und verstärkte begleitende Forschung", sagt Heider.

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