Bartenstein: Größter Beschäftigungszuwachs seit August 1992

Ende Juli 55.086 mehr Beschäftigte als im Vorjahr - Beschäftigung steigt auf 3,38 Milionen

Wien (BMWA-OTS) - "Die Beschäftigung ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 55.000 angestiegen. Das ist der höchste Anstieg seit August 1992", sagte Arbeitsminister Martin Bartenstein zu den vom Hauptverband veröffentlichten Beschäftigungszahlen. Ingesamt waren Ende Juli 3.380.193 Menschen Beschäftigung, um 55.086 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Plus von 1,66 Prozent. Der Anstieg der Beschäftigung ist damit deutlich stärker ausgefallen als in der gestern veröffentlichen Schätzung des BMWA, die von einem Beschäftigungsplus von 49.000 ausgegangen war.

Daraus ergibt sich für Österreich eine Beschäftigungsquote von 5,5% (nach der traditionellen nationalen Berechnungsmethode. Gemäß EUROSTAT-Methode beträgt die Arbeitslosenquote 4,8%). Von den einzelnen Bundesländern liegen nach nationaler Berechnung die Werte in Wien (8,4%), Burgenland (6,4%), und Niederösterreich (5,8%) über diesem Österreich-Durchschnitt, die Steiermark trifft ihn genau (5,5%), Kärnten (5,1%). Vorarlberg (5,0%), Oberösterreich (3,4%), Tirol (3,4%) und Salzburg (3,1%) bleiben darunter.

Weitere Daten zum Arbeitsmarkt

Die 196.699 mit Ende Juli als arbeitslos vorgemerkten Personen bedeuten im Jahresvergleich einen Rückgang von -14.196 bzw. -6,7%. Das zeigt wie im Vormonat eine deutliche Abnahme der Arbeitslosigkeit und ist eine Bestätigung der im März dieses Jahres angelaufenen Trendwende.

Mit 21.618 (+ 882 bzw. + 4,3%) haben 11,0% der vorgemerkten Personen eine Einstellzusage für einen neuen Arbeitsplatz. Wie bereits in den Vormonaten ist auch Ende Juli der Rückgang der vorgemerkten Personen in allen Bundesländern zu beobachten. Mit -9.258 (- 8,5%) fällt die Abnahme bei Männern etwas stärker aus als bei Frauen (- 4.938; -4,9%). Die Zahl der vorgemerkten inländischen Arbeitskräfte liegt um 11.737 (- 6,6%) und jene der ausländischen Staatsangehörigen um 2.459 (- 7,6%) unter dem Vorjahreswert.

Für die anhaltend günstige Entwicklung sind vor allem folgende Ursachen zu nennen:

- Das stabile Wirtschaftswachstum (das WIFO hat wie das IHS die Prognosen für 2006 auf 2,6% bzw. 2,5% nach oben revidiert) führt im Sachgüterbereich (- 11,9%) und auch im Bau (- 11,0%) zu überdurchschnittlich rückläufigen Arbeitslosenzahlen. Die günstige Entwicklung hat zudem nunmehr alle wichtigen Branchen erfasst. Auch im Tourismus ist die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen Ende Juli um 3,5% zurück gegangen.

- Obgleich der Zustrom von Arbeitskräften aus Deutschland nach wie vor anhält (Ende Juni 2006 waren gegenüber dem Vorjahr um 8.580 mehr Personen aus dem westlichen Nachbarland am österreichischen Arbeitsmarkt), bleibt der Anstieg des gesamten Arbeitskräftepotentials unter den Zuwächsen des Vorjahres.

- Mit Anfang Jänner startete die große Qualifizierungs- und Beschäftigungsinitiative "Unternehmen Arbeitsplatz". Die Bundesregierung hat im Rahmen des Beschäftigungsförderungsgesetzes Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahmen für mehr als 60.000 Personen zusätzlich eingerichtet. Dafür werden aus dem Budget 285 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Aufgrund dieser Initiative ist die Zahl der Personen in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice gegenüber dem Vorjahreswert um 9.219 (+ 22,9%) auf 49.542 angestiegen.

Nach wie vor Arbeitslosigkeit steigernd wirkt allerdings die sozialpolitische Verbesserung für Personen, die auf Grund eines zu hohen Partnereinkommens keinen Anspruch auf Notstandshilfe haben und sich zur Wahrung von Pensionsversicherungszeiten beim Arbeitsmarktservice vormerken lassen können. Da dieser Personenkreis vor dieser Änderung zum Großteil auf eine Vormerkung verzichtete, erhöht diese Maßnahme die statistisch erfasste Arbeitslosigkeit um rund 1.000 Personen.

Position Österreichs im internationalen Vergleich

EUROSTAT weist für den Juli 2006 noch keinen aktuellen Wert für die Arbeitslosenquote Österreichs aus. Die vorläufige Fortschreibung des AMS Österreich zur Arbeitslosenquote gemäß EUROSTAT-Methode beträgt für den Juli 4,8%.

Die österreichische Arbeitslosenquote lag im Juni 2006 mit 4,9% nach den Niederlanden (3,8%), Dänemark (3,9%), Irland (4,4%) und Luxemburg (4,7%) im Spitzenfeld der Europäischen Union. Die Arbeitslosenquote der EU-25 beträgt 8,1% und liegt damit weiterhin deutlich über dem österreichischen Wert. Der Jahresdurchschnittswert 2005 für Österreich beläuft sich nach der neuen Berechnungsmethode auf 5,2%.

Offene Stellen

Der positive Trend bei der Entwicklung der offenen Stellen hält weiter an: Ende Juli 2006 liegt die Zahl der beim Arbeitsmarktservice gemeldeten offenen Stellen mit einem Bestand von 37.493 um + 32,9% (+ 9.272) über dem vergleichbaren Wert des Vorjahres. Deutliche Zuwächse verzeichnen vor allem die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+ 4.926; + 48,1%) sowie die Sachgütererzeugung (+ 1.090; + 35,3%). Einen Anstieg gibt es auch im Fremdenverkehr (+ 1.029; + 32,4%), im Bauwesen (+ 906; + 34,7%) und im Handel (+ 652; + 18,7%).

Verweildauer

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeitsepisode lag Ende Juli 2006 bei 102 Tagen. Die aktuelle Verweildauer liegt somit um 8 Tage unter dem Wert vom Juli 2005.

Langzeitarbeitslosigkeit

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Vormerkdauer über einem Jahr ist Ende Juli 2006 gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres mit - 2.892 bzw. - 26,8% auf 7.916 kräftig zurückgegangen.

Entwicklung in den Bundesländern

Ende Juli 2006 ist die Arbeitslosigkeit in allen Bundesländern rückläufig. In Salzburg ging der Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen um - 14,2% (- 1.224) gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres auf 7.422 zurück, in Oberösterreich um - 10,8% (- 2.520) auf 20.743, in Vorarlberg um - 9,1% (- 766) auf 7.668, in der Steiermark lag der Rückgang bei - 6,2% (- 1.785) auf 27.163, in Wien bei - 5,9% (-4.449) auf 71.214, und in Tirol konnte eine Abnahme von - 5,5% (-610) auf 10.500 verzeichnet werden. In Niederösterreich hat sich der Bestand an vorgemerkten Arbeitslosen um - 5,3% (- 1.907) auf 34.315, in Kärnten um - 5,1% (- 616) auf 11.440 und im Burgenland um - 4,9% (- 319) auf 6.234 verringert.

Jugendliche

Die Jugendarbeitslosigkeit hat im Juli 2006 um - 9,1% (- 3.248 auf 32.580) gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres abgenommen. Sowohl in der Altersgruppe der bis 19-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit mit - 6,9% (- 637 auf 8.642) als auch bei den 20-bis 24-Jährigen (- 9,8% bzw. - 2.611 auf 23.938) gesunken.

Die Jugendarbeitslosenquote (15 bis 24 Jahre) nach EUROSTAT liegt mit 9,6% (Juni 2006) nach wie vor deutlich unter dem europäischen Durchschnitt (EU-25) von 17,4% (Juni 2006). Österreich liegt damit nach den Niederlanden, Dänemark, Irland und Litauen weiterhin im Spitzenfeld der Europäischen Union.

Lehrstellenmarkt

Im Juli 2006 liegt im Vergleich mit Juli 2005 ein Rückgang der Lehrstellensuchenden von - 56 (- 0,5% auf 10.642) vor. Bei den gemeldeten offenen Lehrstellen ist mit + 1.509 bzw. + 57,5% auf 4.132 eine deutliche Zunahme zu verzeichnen.

Im Auftrag des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit werden bis zu 8.000 Ausbildungsplätze für Jugendliche, die keinen entsprechenden Lehrplatz bzw. Arbeitsplatz finden, zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus werden im Rahmen des so genannten "Blum-Bonus" Lehrstellen, die von Betrieben zusätzlich geschaffen werden, mit einem pauschalierten Zuschuss zu den Kosten der Lehrausbildung gefördert. Vor allem auf Grund dieser Initiative steigt nunmehr die Zahl der Lehrlinge und Lehranfänger erstmals seit Ende der 90er-Jahre wieder deutlich an. Ende Dezember 2005 waren in der Folge mit 122.378 um 3.307 (+ 2,8%) mehr Lehrlinge in Beschäftigung als im Vorjahr. Mit 38.552 haben um 7,3% mehr Personen mit einer Lehre begonnen.

Entwicklung der Altersarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der über 49-Jährigen beträgt im Juli 2006 37.659 und ist im Vergleich zum Juli 2005 um 1.801 bzw. - 4,6% gesunken. Die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der 50- bis 54-Jährigen ist um 778 bzw. - 4,0% zurückgegangen, bei den 55- bis 59-Jährigen ist diese um 368 bzw. - 2,3 % gesunken. Rückgängig ist weiterhin die Arbeitslosigkeit bei den über 59-Jährigen (- 655 bzw. - 15%).

Entwicklung nach Branchen

Rückläufig ist die Arbeitslosigkeit vor allem im Sachgüterbereich (- 4.492; - 11,9%), im Handel (- 2.773; - 6,9%), im Bau (- 2.567; -11,0%), bei den sonstigen Dienstleistungen (- 995; - 7,4%) und im Tourismus (- 918; - 3,5%).

Arbeitslosigkeit nach Ausbildungskategorien

Ende Juli 2006 ist bei den vorgemerkten Arbeitslosen mit höherer Schulbildung (- 5,2%; - 1.106), mit akademischer Ausbildung (- 1,4%; - 138), mit Lehrausbildung (- 7,8%; - 5.432) sowie mit Pflichtschulabschluss (- 7,4%; - 6.269) ein Rückgang zu verzeichnen. Anteilsmäßig entfallen rund 77% des Bestandes aller Arbeitslosen auf Personen ohne abgeschlossene Schule sowie Personen mit Pflichtschulabschluss oder Lehrabschluss (ohne Meisterprüfung).

Schulungen und Förderungen des Arbeitsmarktservice

Mit 49.542 liegt die Zahl der Personen in Schulungen im Juli 2006 um + 9.219 über dem Vorjahresniveau. Die Schulungsaktivitäten steigen in allen Altersgruppen und in allen Bundesländern im Vergleich zum Vorjahr deutlich an.

Die stärksten absoluten Zuwächse an Schulungsteilnahmen verzeichnet die Steiermark mit + 2.357 (+ 43,5%), gefolgt von Wien mit + 2.235 (+ 15,2%), Niederösterreich mit + 1.987 (+ 30,6%) und Oberösterreich mit + 944 (+ 13,9%).

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