Greenpeace: Krieg und Umweltzerstörung im Nahen Osten müssen beendet werden

Ölpest bedroht bereits mehr als 100 Kilometer Küste

Libanon/Wien (OTS) - Greenpeace fordert mit Nachdruck eine
sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und ein Ende von Gewalt und Umweltzerstörung im Libanon. "Nur so kann dringend benötigte humanitäre Hilfe alle Teile des Libanon erreichen. Neben all dem menschlichen Leid bringt Krieg immer auch langfristige Umweltschäden mit sich", so Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin.

Derzeit strömt aus fünf zerbombten Tanks des direkt an der Küste gelegenen Jiyeh-Ölkraftwerkes, 25 Kilometer südlich von Beirut, Schweröl ins Meer. Durch ungünstige Winde hat sich der Ölteppich bereits auf einer Länge von 100 Kilometern ausgebreitet. Schätzungen gehen von einer Menge von bis zu 35.000 Tonnen Öl aus - solange die Tanks immer noch brennen, ist die Quelle des Öls noch nicht gestoppt. Greenpeace befürchtet, dass sich der Ölteppich weiter ausbreitet: Die Strömungs- und Windverhältnisse in diesem Teil des Mittelmeeres sind nach Norden gerichtet und können so für eine Ausbreitung des Ölteppichs bis nach Zypern, Syrien, der Türkei und Griechenland sorgen.

"Man muss von einer ökologischen Katastrophe für das ganze östliche Mittelmeer sprechen", beschreibt Helms die Lage. "Es handelt sich um schweres Heizöl, eine dunkle, zähe, klebrige Masse, die zum Teil mit Teer vergleichbar ist. Wie ein erstickender Teppich tötet das Öl alles, was sich darunter befindet. Es ist zudem schwer krebserregend und wirkt erbgutverändernd. Jeder Tropfen der ins Wasser gelangt, hat negative Folgen."

Das ausfließende Öl verseucht nicht nur Strände und Küsten, sondern gefährdet auch die Laichgründe wichtiger Fischarten. Den Fischern in der Region wird auf lange Zeit ihre Existenzgrundlage genommen. Im ihrem Bestand bedroht ist auch die bereits jetzt auf der Roten Liste der Bedrohten Tierarten als "stark gefährdet" eingestufte Grüne Meeresschildkröte: Sie legt an den Sandstränden im Norden des Libanons ihre Eier ab. Erreicht das Öl diese Strände, bedeutet dies für die derzeit schlüpfenden Jungschildkröten den sicheren Tod.

Wenn sich das klebrige Öl an Sand, Stein und Geröll absetzt, ist es äußert schwierig, es zu entfernen. "Dann muss zu simplen Mitteln gegriffen werden: Das Öl muss mit Schaufeln und Kübeln mühsam entfernt werden. Die Aufräumarbeiten, um mehrere hundert Kilometer verseuchter Küste zu reinigen, werden mindestens sechs bis zwölf Monate andauern. Je länger wegen der anhaltenden Kämpfe nicht unternommen werden kann, umso mehr verschärft sich das Ausmaß der Ölkatastrophe." befürchtet Helms.

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Thomas Hohenberger, Pressesprecher, 0664-5308186
Dipl.-Biol. Antje Helms, Greenpeace-Meeresexpertin, 0664-2148952

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