Hundstorfer: Wollen die modernste Gewerkschaftsbewegung Europas werden

VertreterInnen der Teilprojekte zum Reformprozess präsentierten Schwerpunkte

Wien (ÖGB) - Der ÖGB befinde sich nach den Vorgängen in der BAWAG in einer Vertrauenskrise, aber die Gewerkschaftsbewegung sehe die Krise als Chance, eröffnete ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer die heutige Pressekonferenz zur ÖGB-Reform. "Unser Ziel ist eine echte Erneuerung des ÖGB, wir wollen eine der modernsten Gewerkschaftsbewegungen Europas werden", sagte Hundstorfer. Den Prozess der Erneuerung verdeutlicht auch der neue Slogan des ÖGB:
"Frische Kraft. Neue Richtung", lautete das Motto, symbolisch wird der Aufbruch mit einem Glas frischen Wassers dargestellt. "Denn Österreich ohne Wasser wäre wie die Arbeitswelt ohne Gewerkschaft", sagte Hundstorfer. Geteilt wird diese Aussage auch von der Mehrheit der Bevölkerung: Laut einer - ebenfalls bei der Pressekonferenz vorgestellten IFES-Umfrage - sagen 78 Prozent der ÖsterreicherInnen, Gewerkschaften seien heute wichtiger denn je.++++

Der ÖGB müsse neu positioniert werden, um Veränderungen in der Arbeitswelt nachzuvollziehen und bestimmte Gruppen wie zum Beispiel die atypisch Beschäftigten besser anzusprechen und zu vertreten. "Wir brauchen dazu eine Erneuerung von innen und außen", erklärte Hundstorfer. Dazu seien sechs Teilprojekte gegründet worden. "Wir wollen aber auch die volle Einbindung der Mitglieder. In der Septemberausgabe unserer Mitgliederzeitschrift 'Solidarität' wird deshalb ein Fragebogen enthalten sein und auch auf der ÖGB-Homepage wird es ab Ende August eine Diskussionsplattform geben", sagte der ÖGB-Präsident. Ab September finden zudem weitere Regionalkonferenzen zur ÖGB-Reform in ganz Österreich statt.

Neue Glaubwürdigkeit und neue Zielgruppen

VertreterInnen der sechs Teilprojekte zur ÖGB-Reform stellten im Rahmen der Pressekonferenz ihre Schwerpunkte dar. Erich Gumplmaier, Landessekretär des ÖGB-Oberösterreich leitet das Teilprojekt "Neue Glaubwürdigkeit". Gumplmaier: "Unsere Mitglieder brauchen einen nachhaltigen Nachweis, dass derartige Vorgänge im ÖGB nicht mehr passieren können." Dazu gehörten Richtlinien für die Kontrolle ebenso wie Orientierungskriterien für zukünftige Personalentscheidungen, aber auch eine neue politische Kultur. Renate Lehner, Zentralsekretärin der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst, leitet das Teilprojekt "Zielgruppen". Lehner: "Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir verschiedene Gruppen wie zum Beispiel die Frauen, mit den herkömmlichen Mitteln nicht so ansprechen können, wie wir das gerne hätten. Wir wollen deshalb die verschiedenen Zielgruppen verstärkt in ihrer Vielfältigkeit ansprechen und vertreten." Im Speziellen nannte Lehner MigrantInnen der zweiten Generation, atypisch Beschäftigte, junge EinsteigerInnen ins Berufsleben und gut qualifizierte Frauen, die Beruf und Familie vereinbaren wollen.

Markus Wieser, niederösterreichischer Landessekretär der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung, leitet das Teilprojekt "Organisation". Wieser: "Die regionale, flächendeckende Betreuung der Betriebe ist ein Kernstück der Gewerkschaftsbewegung. Wir wollen das verbessern und erweitern." Ein Schwerpunkt des Teilprojekts beziehe sich deshalb auf das Leistungsangebot für BetriebsrätInnen und PersonalvertreterInnen, diskutiert wird in der Gruppe auch die Aufgabenverteilung zwischen ÖGB und Gewerkschaften. Josefine Rasztovits, ÖGB-Bezirkssekretärin in Mattersburg und Burgenland skizzierte die Schwerpunkte der Teilprojektgruppe "Kommunikation". Beginnend von der Mitgliederverwaltung über die Kommunikation mit ArbeitnehmerInnen und BetriebsrätInnen wird dabei die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des ÖGB und der Gewerkschaften analysiert. Thomas Maurer-Mühlleitner, Referatsleiter im ÖGB, ist im Umsetzungsprojekt aus der Steuerungsgruppe tätig, das sich unter anderem mit der Organisation der Verwaltung befasst. Ziel des Teilprojekts sei die Verschlankung und Professionalisierung der Verwaltung, um die Kräfte frei zu machen zur Betreuung der Mitglieder, so Maurer-Mühlleitner. Das Teilprojekt "Mitsprache und Mitbestimmung" stellte Sandra Steiner, Genderbeauftragte der Gewerkschaft der Privatangestellten, vor. Diskutiert würden herkömmliche und neue Formen der Einbindung, aber auch wie bestimmte Gruppen, neben Fraktionen zum Beispiel auch parteiunabhängige Mitglieder eingebunden werden könnten, so Steiner.

Bis Anfang Dezember müssten alle Ergebnisse aus den internen Projektgruppen, den Befragungen und Regionalkonferenzen zusammengefasst sein. Im Jänner 2007 findet dann der ÖGB-Bundeskongress statt. Und der ist, so Hundstorfer, "die erste Zwischenetappe der ÖGB-Reform". (mf)

ÖGB, 1. August
2006
Nr. 515

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