HPV-Vierfachimpfstoff: Der erste Impfstoff zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und weiteren durch humane Papillomaviren verursachten Erkrankungen erhält eine positive Bewertung von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA)

Brunn am Gebirge (OTS) - Nur sieben Monate nach Antragstellung im Dezember 2005 hat der HPV - Vierfachimpfstoff den wichtigsten Meilenstein vor der Marktzulassung in der Europäischen Union erreicht. Wird die Zulassung erteilt, wird der HPV-Vierfachimpfstoff in Kürze verfügbar sein, um Frauen vor Gebärmutterhalskrebs und weiteren Erkrankungen zu schützen, die durch humane Papillomaviren der Typen 6, 11, 16 und 18 verursacht werden. Zurzeit sterben jedes Jahr Tausende Frauen in Europa an Gebärmutterhalskrebs, und bei Hunderttausenden werden Läsionen des Gebärmutterhalses sowie der Vulva oder der Vagina diagnostiziert, die sich zu einem Karzinom entwickeln können.

Der HPV-Vierfachimpfstoff von Sanofi Pasteur MSD, der sich gegen die vier humanen Papillomavirustypen 6, 11, 16 und 18 richtet, hat eine positive Bewertung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP a) erhalten. Die Europäische Kommission könnte nun innerhalb weniger Wochen eine Marktzulassung für den HPV-Vierfachimpfstoff erteilen. Mit der Zulassung wird der HPV-Vierfachimpfstoff der erste Impfstoff gegen humane Papillomaviren in Europa sein. Der HPV-Vierfachimpfstoff ist indiziert für die Prävention von Gebärmutterhalskrebs, hochgradigen Zervixdysplasien (CIN b 2/3), hochgradigen Dysplasien der Vulva (VIN c 2/3) sowie Genitalwarzen (Condylomata acuminata), die durch die humanen Papillomvirustypen 6, 11, 16 und 18 verursacht werden. Der HPV-Vierfachimpfstoff ist indiziert zur Impfung von Kindern und Jugendlichen von 9 bis 15 Jahren sowie von Frauen zwischen 16 und 26 Jahren.

Mike Watson, Executive Director Clinical & Epidemiology Europe bei Sanofi Pasteur MSD, kom¬mentierte: "Diese positive Bewertung ist eine wirklich großartige Nachricht. Sie rückt den Tag in Reichweite, an dem es in Europa den einzigen tetravalenten Impfstoff gegen die vier Typen 6, 11, 16 und 18 des humanen Papillomvirus zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs und weiterer durch humane Papillomaviren verursachten Erkrankungen geben wird. Wir stehen heute kurz vor einem Durchbruch, der die Welt und unser Leben verändern wird, der Bekämpfung von Krebs durch Impfung."

Prävention von Gebärmutterhalskrebs und weiterer
durch humane Papillomaviren verursachten Erkrankungen

In Europa d ist Gebärmutterhalskrebs nach Brustkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache junger Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Jedes Jahr wird in Europa bei rund 33.500 Frauen Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, und 15.000 Frauen sterben an dieser Erkrankung. Das entspricht 40 Frauen täglich oder fast einer Frau alle 30 Minuten, die an Gebärmutterhalskrebs sterben.1

Außer Gebärmutterhalskrebs gibt es noch weitere Erkrankungen, die durch humane Papillomaviren verursacht werden können: Als Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs kann es zu präkanzerösen Läsionen niedrigen Grades (CIN1) kommen. Diese Läsionen führen zu auffälligen Ergebnissen in der Krebsvorsorgeuntersuchung und erfordern eine ärztliche Überwachung, bis sie sich entweder zurückbilden oder zu präkanzerösen Zervixläsionen höheren Grades (CIN2/3) progredieren. Diese höhergradigen Läsionen können sich dann zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Sobald eine solche Krebsvorstufe erreicht wird, ist ein operativer Eingriff zu ihrer Entfernung erforderlich. Frauen können durch die Vorsorgeuntersuchungen beunruhigt werden, diese als unangenehm oder schmerzhaft empfinden. Das Warten auf die Ergebnisse kann die Patientinnen verunsichern, und die Mitteilung eines auffälligen Ergebnisses oder die Wiederholung der Untersuchung, bis eine klare Diagnose gestellt werden kann, vergrößern die emotionale Belastung.2,3 Schätzungen zufolge werden in Europa jedes Jahr 554.000 neue Fälle4,5 von CIN1 und 163.000 neue Fälle5,6 von CIN2/3 diagnostiziert, die durch humane Papillomaviren verursacht sind.

Über Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen hinaus kann es auch zu äußeren Genitalläsionen kommen, einschließlich Läsionen der Vulva und der Vagina sowie Genitalwarzen. Höhergradige Präkanzerosen der Vulva und der Vagina (VIN 2/3 bzw. VaIN f 2/3) können jeweils zu einem Vulva- bzw. Vaginalkarzinom führen.7,8 Die Behandlung von Läsionen der Vulva und der Vagina zur Vorbeugung der potenziellen Progression zum Vulva- bzw. Vaginalkarzinom ist anspruchsvoll. Wenn ein chirurgischer Eingriff zur Entfernung der Läsionen erforderlich wird, kann das für die betroffene Frau gravierende Auswirkungen haben. Man schätzt, dass in Europa jedes Jahr 27.000 neue Fälle von VIN2/3 bzw. VaIN2/39,10,11,12,13 diagnostiziert werden, die auf humane Papillomaviren zurückzuführen sind.

Genitalwarzen können erhebliche Ängste auslösen, die möglicherweise auch die persönlichen Beziehungen der Betroffenen beeinflussen. Die zurzeit verfügbaren Therapiemöglichkeiten zu ihrer Entfernung sind schmerzhaft, und die Rezidivrate kann hoch sein, da nur die sichtbaren Läsionen entfernt werden, während die Infektion weiter besteht.14,15 Schätzungen zufolge werden jedes Jahr in Europa 250.000 neue Fälle von durch humane Papillomaviren verursachten Genital¬warzen bei Frauen diagnostiziert. ,16

Die humanen Papillomvirustypen 6, 11, 16 und 18
beeinträchtigen die Gesundheit von Frauen am häufigsten

In Europa sind die humanen Papillomavirustypen 16 und 18 zusammen jedes Jahr für 25.000 neue Fälle von Gebärmutterhalskrebs1,6 (75%) und für 1.900 neue Fälle eines Vulva- oder Vagi¬nalkarzinoms verantwortlich.11,17,18 Des Weiteren verursachen sie jedes Jahr in Europa 112.000 neu auftretende höhergradige Präkanzerosen des Gebärmutterhalses (CIN2/3)5,19 und 24.000 neue Fälle von höhergradigen Präkanzerosen der Vulva oder der Vagina (VIN2/3 bzw. VaIN2/3).9,10,11,13 Außerdem sind sie jedes Jahr für 200.000 Fälle potenziell präkanzeröser Zer¬vixläsionen niedrigen Grades (CIN1)4,5 in Europa verantwortlich.

Humane Papillomaviren der Typen 6 und 11 sind für 80.000 neue Fälle potenziell präkanzeröser Zervixläsionen niedrigen Grades (CIN1) verantwortlich.4,5 Bei der Vorsorgeuntersuchung kann man nicht zwischen Läsionen, die durch die normalerweise nicht onkogenen Typen 6 und 11 verursacht wurden, und den durch die onkogenen humanen Papillomavirustypen 16 oder 18 verursachten Läsionen unterscheiden. Die durch nicht onkogene Typen verursachten Läsionen müssen ebenso ärztlich überwacht werden, einschließlich wiederholter Krebsabstriche, Kolposkopien und diagnostischer Biopsien . Die humanen Papillomavirustypen 6 und 11 können zusätzlich jedes Jahr in Europa bei Frauen 225.000 neue Fälle von Genitalwarzen verursachen8,16 (90% aller Fälle von Genitalwarzen).

Hohe Wirksamkeit in Bezug auf die wichtigsten Endpunkte
in großen klinischen Studien der Phase II und IIIA

In klinischen Studien zeigte der HPV-Vierfachimpfstoff eine 100%-ige Wirksamkeit in der Prävention durch humane Papillomaviren der Typen 16 und 18 bedingter zervikaler Präkanzerosen höheren Grades (CIN2/3) j . CIN2/3 ist der klinisch relevanteste Endpunkt für die Zulassungsbehörden und die Weltgesundheitsorganisation (WHO), um die Wirksamkeit bei der Prävention von Gebärmutter¬halskrebs nachzuweisen. Die Wirksamkeit des HPV-Vierfachimpfstoffes in der Prävention von durch humane Papillomaviren der Typen 16 und 18 bedingten höhergradigen Präkanzerosen der Vulva (VIN2/3) k lag ebenfalls bei 100%. Auch wenn die Ergebnisse bezüglich der Prävention höhergradiger Präkanzerosen der Vagina (VaIN2/3), die durch die humanen Papillomvirustypen 16 und 18 verursacht werden, keine statistische Signifikanz erreicht haben, so wurden doch in der Impfstoffgruppe kein Fall und in der Placebogruppe fünf Fälle beobachtet.

In der so genannten Future I-Studie, in der Zervixläsionen sämtlicher Schweregrade (CIN1 bis CIN3) koprimäre Endpunkte waren, zeigte HPV-Vierfachimpfstoff(R) eine 100%-ige Wirksamkeit in der Prävention potenziell präkanzeröser, durch humane Papillomaviren der Typen 6, 11, 16 oder 18 bedingter Zervixläsionen niedrigen Grades (CIN1) l sowie eine Wirksamkeit von 93,1% in der kombinierten Analyse verschiedener klinischer Studien . In der Future I-Studie, in der auch äußere Genitalläsionen ein koprimärer Endpunkt waren, zeigte HPV-Vierfachimpfstoff(R) hinsichtlich der Prävention von durch die humanen Papillomvirustypen 6, 11, 16 oder 18 verursachten Genitalwarzen n eine ebenfalls 100%-ige Wirksamkeit und eine Wirksamkeit von 98,9% in der kombinierten Analyse verschiedener klinischer Studien o.

Das klinische Entwicklungsprogramm des HPV-Vierfachimpfstoffes für Phase II und III umfasst ca. 27.000 Probandinnen aus 33 Ländern weltweit.

Informationen zum HPV-Vierfachimpfstoff

Der HPV-Vierfachimpfstoff wurde von Merck & Co. Inc. und Sanofi Pasteur MSD entwickelt. In Österreich wird der Impfstoff durch Sanofi Pasteur MSD GmbH, Brunn am Gebirge, vertrieben werden. Der HPV-Vierfachimpfstoff wurde am 1. Juni 2006 in Mexiko zugelassen, am 8. Juni in den USA, am 16. Juni in Australien, am 18. Juli in Kanada und am 20. Juli in Neuseeland. Am 29. Juni empfahl der Beratungsausschuss für Impfungen ACIP (Advisory Committee on Immunization Practices) der US-Bundesbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) die Routineimpfung 11- bis 12-jähriger Mädchen mit dem HPV-Vierfachimpfstoff und eine Impfung 13- bis 26-jähriger Mädchen und Frauen, die noch nicht geimpft wurden.

Merck hat die Zulassung des HPV-Vierfachimpfstoffes auch in einer Reihe weiterer Länder in der ganzen Welt beantragt, darunter Argentinien, Brasilien und Taiwan. Darüber hinaus ist Merck bestrebt, die Verfügbarkeit des HPV-Vierfachimpfstoffes in den Entwicklungsländern zu beschleunigen: Im Dezember 2005 kündigte Merck eine Partnerschaft mit Indiens Council of Medical Research in Bezug HPV-Vierfachimpfstoff-Studien an. Merck arbeitet außerdem mit der internationalen Organisation PATH (Program for Appropriate Technology in Health) und der Gates-Stiftung zusammen, um Impfprogramme gegen das humane Papillomvirus zu entwickeln, die die Einführung des HPV-Vierfachimpfstoff in den ärmsten Ländern erleichtern sollen.

Im Jahr 1995 ist Merck eine Lizenzvereinbarung und Kooperation mit CSL Limited hinsichtlich der bei dem HPV-Vierfachimpfstoff verwendeten Technologie eingegangen. Der Impfstoff unterliegt auch noch weiteren Lizenzvereinbarungen mit Dritten.

Einzelheiten zu Studien

A Die Wirksamkeit des HPV-Vierfachimpfstoffes wurde in vier plazebokontrollierten, doppelblinden, randomisierten klini¬schen Studien der Phase II und III bewertet. Die erste Phase II-Studie untersuchte die HPV 16-Kom¬ponente des HPV-Vierfachimpfstoffes (Protokoll 005, n=2.391) und die zweite bewertete sämtliche Komponenten des HPV-Vierfachimpfstoffes (Protokoll 007, n=551). Die Phase III-Studien untersuchten den HPV-Vierfachimpfstoff bei 5.442 (FUTURE I bzw. Protokoll 013) und 12.157 Probanden (FUTURE II bzw. Protokoll 015). Zusammengenommen wurden in diesen vier Studien 20.541 Frauen im Alter zwischen 16 und 26 Jahren (bei Studien¬einschluss) bewertet, die in drei Studien 3 Dosen des tetravalenten Impfstoffs gegen das humane Papillomavirus (Typen 6, 11, 16, 18) am Tag 1 der Studie sowie nach 2 und 6 Monaten erhalten hatten und in einer Studie 3 Dosen des monovalenten Impfstoffes gegen den humanen Papillomavirustyp 16 am Tag 1 der Studie sowie nach 2 und 6 Monaten erhalten hatten. Zu bestimmten festgelegten Zeitpunkten während der Studie wurden die Frauen untersucht und Tests durchgeführt, um das Vorhandensein humaner Papillomaviren bzw. von Zervixläsionen zu prüfen. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug für Protokoll 005 4,0 Jahre, für Protokoll 007 3,0, für FUTURE I 2,4 und FUTURE II 2,0 Jahre.

Future: Females United To Unilaterally Reduce Endo-/ectocervical disease

Sanofi Pasteur MSD GmbH ist das einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die Herstellung und den Vertrieb von Impfstoffen spezialisiert hat. Dabei kann der Impfstoffexperte auf die Produktinnovationen und die Forschungserfahrungen von Sanofi Pasteur (Frankreich) und Merck & Co. Inc. (USA) zurückgreifen. Beide Anteilseigner halten je 50 Prozent am Gemeinschaftsunternehmen Sanofi Pasteur MSD. Weltweit arbeiten Forscherteams an der Entwicklung neuer Impfstoffe für Europa. Dabei stehen zwei Ziele im Vordergrund: Zum einen die Ausdehnung des Impfschutzes auf Krankheiten, gegen die es bisher keinen Impfstoff gibt. Zum anderen die Verbesserung bestehender Impfstoffe, um die Verträglichkeit, Wirksamkeit und die Akzeptanz von Impfungen zu optimieren.

a) Das CHMP ist der Wissenschaftliche Ausschuss der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMEA), der die Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln in der Europäischen Union bewertet.

b) Zervikale intraepitheliale Neoplasie

c) Vulväre intraepitheliale Neoplasie

d) Europäische Union (25) sowie Island, Norwegen und die Schweiz

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