"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Jörg Haider gibt nichts auf, ausgenommen vielleicht Briefe" (Von Reinhold Dottolo)

Ausgabe vom 01.08.2006

Graz (OTS) - Sage einer, Jörg Haider würde alle Gesetze dehnen wie alpine Hosenmacher ihr Hirschleder. Geht es um das Gesetz des Handelns, steht der Kärntner Landeshauptmann fest auf dem Boden der (persönlichen) Rechtsordnung. Und die heißt: Niemals und nichts aufgeben - Briefe vielleicht ausgenommen.

Sein Prinzip heißt Agieren. Es bedurfte nicht der Windungen und Wendungen im Zusammenhang mit der durch Spekulationsverluste in die Bredouille geratenen Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank, um zu realisieren, dass Jörg Haider auf für ihn Unangenehmes stets mit Winkelzügen antwortet, die anderen erst einfallen müssen.

Da sind Haider und die ihm Getreuen in ihrer damals noch als Gesinnungsgemeinschaft betrachteten FPÖ einflussmäßig im Eck - flugs wird eine neue Partei gegründet. Auf Teufel komm raus und mit dem Risiko, dass nicht nur die zurückgelassene Altpartei, sondern auch die neue Gruppierung über den Jordan geht. Eine Art Bungeejumping ohne Seil. Da stellt der Verfassungsgerichtshof den Landeshauptmann mit einem Erkenntnis zur Ortstafel in Bleiburg-Pliberk vor anscheinend vollendete Tatsachen - daraufhin trickst dieser die Höchstrichter mit einer Ortstafel-Verrückung aus.

Und auch jetzt, wo die Finanzmarktaufsicht dabei ist, unangenehme Post an die Adresse Hypo Alpe-Adria zu verschicken, zeigt Haider, dass nicht nur Arnie Schwarzenegger etwas von "Äktschn" versteht. Er verzichtet zwar darauf, die erwartete Absetzung des lange sehr erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden - wie angekündigt - in allen Instanzen bis zum Verwaltungsgerichtshof zu bekämpfen. Das wäre für die Bank, die zum Börsensprung ansetzt und für ihren Haupteigentümer, das Land Kärnten, problematisch gewesen. So weit, so gut. Stattdessen will Haider nun den unfreiwillig freiwillig zurücktretenden Banken-Chef im Aufsichtsrat des Instituts als Vorsitzenden zwischenparken - damit dieser bald wieder operativ an die Spitze der Hypo Alpe-Adria zurückkehren könne.

Dies ungeachtet der Tatsache, dass die vermutlich nicht ganz vergessliche Finanzmarktaufsicht die Qualifikation des Bankers bei einer Wiederbestellung erneut beurteilen müsste. Eine "absurde Idee" nannte gestern ein renommierter Banken-Boss die Volte aus Kärnten. Jörg Haider ficht das nicht an. Wissend, dass seine Hyperaktivität bei einem Teil der Wähler ankommt, hat "Magic Jörg" sicher schon den nächsten Trick im Zylinder parat. Mag die politische Szene des Landes auch zu einer Art Varieté verkommen.****

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