Macht man das so? Malik warnt vor der Komplexitätsfalle

Malik-OTS-Nachricht_11 über den nötigen Umgang mit komplexen Problemen und Systemen

St.Gallen (OTS) - Was wie Mobbing, Intrigen oder Verschwörungen aussieht, kann völlig andere Ursachen als diese haben und verlangt dann auch fundamental andere Lösungen. Dasselbe gilt u.a. auch für das sich immer weiter ausbreitende Burnout-Syndrom. Das schreibt die österreichische Management-Kybernetikerin Maria Pruckner in ihrem Buch über DIE KOMPLEXITÄTSFALLE - ein neues Dilemma unserer Zeit. Dieses Buch basiert auf ihrer jahrelangen Studie über die Auswirkungen von Komplexität auf den Menschen, die Folgen für das Management, die Wirtschaft und Gesellschaft. Die Komplexitätsfalle entsteht nicht - wie man meinen könnte - durch einen Overload an Information. Pruckner macht darauf aufmerksam, dass das Gegenteil der Fall ist. Durch Komplexität ausgelöste Dilemmas entstehen durch fehlende, relevante Information. Kann eine entscheidende Informationslücke nicht aufgefüllt werden, führt dieser Informationsmangel in einer unaufhaltsamen Eigendynamik zu immer mehr Informationsmangel bis hin zu bedenklichem Realitätsverlust. Die Folgen können mitunter ganze Existenzen zerstören.

Die Komplexitätsfalle wirkt sich, so Pruckner, auf mögliche Handlungsspielräume, die Gesundheit und wirtschaftliche Existenz belastend bis verheerend aus. Gefährdet bzw. betroffen können Einzelne, Paare, kleine bis sehr große Gruppen, Teams, ganze Organisationen, Unternehmen und Gesellschaften sein. Das Phänomen führt zu Verlusten von Humanressourcen und wirtschaftlichem Kapital. In ihrer Publikation zeigt sie die daher notwendige Unterscheidung zwischen den bereits bekannten Phänomenen wie etwa Mobbing oder Burnout von den speziellen Problemen in der Komplexitätsfalle auf. Diese Unterscheidung hält sie insbesondere in der Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung, aber auch im Privatleben für hoch relevant.

Als generelle Ursache der Komplexitätsfalle beschreibt Pruckner die jeweiligen Grenzen des menschlichen Gehirns, Information zu erfassen und zu verarbeiten. Das ist ein naturbedingtes Hirnproblem, das mit der anwachsenden Komplexität in unserer Zeit immer öfter und stärker wirksam wird. Als individuelle Ursachen, die der Mensch ändern kann, nennt sie u.a. Defizite an erforderlichem Interesse, notwendigem Wissen, nötiger Aufmerksamkeit, Erfahrung und Konzentration. Was passiert, wenn solche Voraussetzungen fehlen, zeigt Maria Pruckner in ihrem Buch anhand eines kybernetischen Modells: Durch Informationsmangel entstehenden Probleme, die zu Konflikten und Stress führen. Zwischen dem wirksamen Informationsmangel und Stress entwickelt sich in der Folge ein sich aufschaukelnder Teufelskreis. Können die wirksamen Informationslücken nicht rechtzeitig aufgefüllt werden, löst sich die Komplexitätsfalle erst durch Eskalation und Zusammenbruch.

Pruckner charakterisiert die Komplexitätsfalle vor allem durch ein dysfunktionales, kontraproduktives Verhalten, das aber nicht durch absichtliche Böswilligkeit sondern ausschließlich durch Informationsmangel entsteht. Dabei weist sie darauf hin, dass nur schwer zu unterscheiden ist, wer in einem Konflikt jeweils Opfer oder Täter, Freund oder Feind ist. Die ersten Stadien der Komplexitätsfalle werden ihrer Erfahrung nach daher meist mit Mobbing, Intrigen oder heimtückischen Verschwörungen verwechselt, fortgeschrittene Stadien mit dem Burnout-Syndrom, Posttraumatischen Belastungs-Syndrom oder Erschöpfungsdepressionen.

Pruckner warnt vor den Gefahren, wenn Mobbing und andere Hinterhältigkeiten nicht sorgfältig von der unzureichenden Realitätswahrnehmung in der Komplexitätsfalle unterschieden werden, die nicht durch böse Absicht, sondern durch fehlende Information entstehen: Vorschnelle und falsche Urteile provozieren stressbedingt zunehmende Aggressivität und unangebrachte Angriffe. Diese steigern ihren Beobachtungen nach bei einem Teil der Betroffenen den Stresslevel, die Gewaltbereitschaft und ziehen dadurch alle(!) beteiligten Konfliktgegner tiefer und tiefer in die Komplexitätsfalle und damit verbundene, konkrete Dilemmas - also sowohl die Angreifer als auch die Angegriffenen. Menschen, die an sich Aggression und Gewalt ablehnen, entziehen sich dem Problem hingegen durch zunehmende Realitätsflucht. Als zusätzliche Schwierigkeit zeigt Maria Pruckner auf, dass es nur die wenigsten selbst erkennen können, wenn sie in der Komplexitätsfalle stecken. Als Ausnahme nennt sie vor allem Menschen mit viel Wissen und (Selbst-)Erfahrung über die menschliche Wahrnehmung, das menschliche Nervensystem, Gehirn und Bewusstsein.

Viele von der Komplexitätsfalle Betroffene würden viel zu viel Zeit und Kosten in falsche Lösungsstrategien investieren, meint die Autorin. Insbesondere der krankmachende Stress in der Komplexitätsfalle könne durch Entspannung auch im besten Wellness-Programm nicht ausreichend abgebaut werden. Als entscheidende Hilfe und nachhaltige Lösung nennt sie das Aufnehmen und Verarbeiten relevanter Information! Das sorge nicht nur für das nötige Erkennen der wirksamen Situationslogik und sinnvollen Problemlösung. Das Gehirn belohne dies zudem mit der Ausschüttung von so genannten Glückshormonen. Pruckner bringt damit das begehrte Wohlbefinden und Charisma in einen deutlichen Zusammenhang mit Informationsaufnahme, Lernen und geistiger Aktivität.

Maria Pruckner hat ihre bisherigen Erkenntnisse erst veröffentlicht, nachdem sie die Komplexitätsfalle gezielt aus- und auflösen konnte. Ähnlich wie der berühmte Biologe und Kybernetiker John Lilly, hat sie dazu mehrere lebensbedrohliche Selbstversuche gemacht, aber auch mit freiwilligen Probanden gearbeitet. Auch ich habe mich für ihre Studien als Proband zur Verfügung gestellt, um genau zu verstehen, wovon sie spricht. Ihre Empfehlungen gab sie erst an die Öffentlichkeit weiter, als sie die wirksamsten Lösungen in den schwierigsten Fällen oft genug erfolgreich angewendet hatte. Ich kann ihr Buch darüber nur jedem, der auch im Informationszeitalter und in der Wissensgesellschaft Erfolg haben möchte, ans Herz legen.

Medien und Journalisten spielen bei Pruckner die wichtigste gesellschaftliche Rolle. In ihrem Buch erklärt sie die Eigendynamik der Komplexitätsfalle humorvoll anhand eines spannenden, fiktiven Krimis. Geschrieben ist er wie die mediale Berichterstattung über die Verfolgung des vermutlichen Täters, der die Komplexitätsfalle auslegt und über seine Gerichtsverhandlung. Viele sehen ihn schon hinter Gittern, aber die Entscheidung des höchsten Gerichts fällt ganz anders aus...

Fredmund Malik, am 31.7.2006

Buchhinweis:
Maria Pruckner, Die Komplexitätsfalle - Wie sich Komplexität auf den Menschen auswirkt: vom Informationsmangel bis zum Zusammenbruch, Books on Demand, Norderstedt, September 2005, ISBN3-8334-3153-9, Preis: Euro 16.80, mehr unter www.amazon.de
http://www.ots.at/redirect.php?amazon

Hinweise zur Malik-OTS-Nachrichten-Aktion:

Die Malik-OTS-Aktion ist eine Initiative von Fredmund Malik und Maria Pruckner. Sie dient der öffentlichen und kostenlosen Aufklärung über den richtigen Umgang mit komplexen Problemen und Systemen. Die Nachrichten richten sich dabei nicht nur an Redaktionen, sondern insbesondere auch an interessierte OTS-Mail-Empfänger. Im Rahmen dieser Aktion können Feedbacks an folgende E-Mailadresse gerichtet werden: austria@malik-mzsg.ch Sie werden gelesen und in die Überlegungen zur Malik-OTS-Nachrichtenaktion integriert. Es wird um Verständnis gebeten, dass sie aus konzeptionellen Gründen nicht im Einzelnen beantwortet bzw. bearbeitet werden können. Mehr Information über die Aktion unter www.malik-mzsg.ch/ots_logbuch/faq
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