Bioethikkommission im Bundeskanzleramt zieht Zwischenbilanz

Wien (OTS) - Eine Zwischenbilanz über die Arbeit der im Bundeskanzleramt eingerichteten Bioethikkommission zogen heute in einer gemeinsamen Pressekonferenz Univ.Prof. DDr. Huber und Univ.Prof. Dr. Günther Pöltner. Die Bioethikkommission ist im Jahr 2001 von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ins Leben gerufen worden. Sie berät den Bundeskanzler aus ethischer Sicht in allen gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen und rechtlichen Fragen, die sich in Zusammenhang mit der Entwicklung der Wissenschaften auf dem Gebiet der Humanmedizin und Humanbiologie ergeben. Der Bundeskanzler bezeichnete die Bioethikkommission auch als "Vorwarnsystem für die Politik".

Im Rahmen der Pressekonferenz wurde auf die zahlreichen Aktivitäten der Kommission im vergangenen Halbjahr hingewiesen: So organisierte die Bioethikkommission und ihre Geschäftsstelle im Rahmen des österreichischen EU-Ratsvorsitzes eine Reihe von internationalen Veranstaltungen, u.a. das 7. Europäische Forum Nationaler Ethikkomitees, das Treffen der European Group on Ethics in Science and New Technologies (EGE) und die Konferenz "Patentierung biotechnologischer Erfindungen. Aktuelle Debatte und Perspektiven".

Den thematischen Schwerpunkt der Kommissionsarbeit bildeten zuletzt Fragen im Zusammenhang mit Biobanken für die medizinische Forschung. Dabei geht es um Sammlungen von Proben menschlicher Körpersubstanzen, die mit personenbezogenen Daten der Spenderinnen und Spender verknüpft sind bzw. verknüpft werden können. Der entsprechende Bericht wird im kommenden Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Im Zentrum der Erörterungen der Bioethikkommission standen u.a. datenschutzrechtliche Probleme und die Informationspflicht von Ärzten.

Probleme im Zusammenhang mit einer jüngst veröffentlichten Entscheidung des OGH zum Umfang der ärztlichen Aufklärungspflicht standen im Mittelpunkt der Journalistenfragen. Prof. DDr. Huber betonte, dass eine "totale prospektive Aufklärung" bei medizinischen Untersuchungen und Forschungen wohl Illusion wäre. Prof. Dr. Pöltner warnte vor einer Defensiv- und Zwei-Klassen-Medizin, die sich in letzter Konsequenz aus einer solchen Rechtsprechung ergeben könnten. Beide deuteten an, dass eine eingehendere Diskussion dieses Urteils und seiner Konsequenzen durch die Bioethikkommission möglich wäre.

Darüber hinaus skizzierte Prof. DDr. Huber weitere mögliche Themen der Bioethikkommission: So können Gewaltdarstellungen in Medien im Kindesalter Konsequenzen im Aggressionsverhalten erwachsener Personen haben. Erkenntnisse, dass Umwelteinflüsse die epigenetische Steuerung beeinflussen und daraus resultierende Änderungen des epigenetischen Codes vererbt werden können, ist ein weiterer Vorschlag für die kommende Arbeit. Auch könnten zukünftige Debatten der Bioethikkommission auf Grund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse noch einmal die Frage der PID miteinschließen.

Rückfragen & Kontakt:

Bundeskanzleramt/Geschäftsstelle der Bioethikkommission
MMag.Dr. Robert Gmeiner
Tel.: (01) 53115 / 4319
http://www.bundeskanzleramt.at/bioethik

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