Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Sommerbilanz: Matura schlecht, Salzburg gut

Es sind nicht die besten deutschen Studenten, die als Numerus-Clausus-Flüchtlinge nach Österreich kommen, um einen Medizin-Studienplatz zu ergattern. Denn die mit den besten Noten dürfen ja daheim studieren. Doch diese Flüchtlinge sind immer noch gut genug, um die österreichische Konkurrenz bei den Aufnahmetests geradezu zu demütigen.

Das ist ein absolutes Alarmsignal. Das beweist erneut den ständigen Niveauverlust der österreichischen Matura. Immer mehr Direktoren und Lehrer schmuggeln immer mehr Schüler bis zur Matura, weil man doch den armen Kindern nicht die Zukunft verbauen dürfe, weil Sozialkompetenz wichtiger sei als Wissen und Können, weil Schulen ihre "Erfolgs"-Bilanz verbessern wollen. Die Folgen haben die Universitäten und später die Patienten (sowie andere Opfer schlecht ausgebildeter Akademiker) auszubaden. In den Höheren Schulen herrscht Handlungsbedarf - aber in eine ganz andere Richtung als die der Gesamtschul-Träumer. Österreich braucht Eliten, braucht Leistung, braucht Auslese.

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Achtmal überbucht sind die Gustostückerln der Salzburger Festspiele. Dreitausend Euro werden für ein Ticket zum Mega-Hype einer Hochzeit von Frau Netrebko mit Herrn Mozart - zweier Beute-Österreicher - verlangt. Die Inszenierung ist perfekt, nicht nur auf der Bühne.

Umso rätselhafter, weshalb der Steuerzahler noch immer ein Viertel der Festspielkosten zahlen muss. Es wäre so einfach, die Profite des Zwischenhandels ins Kunstbudget umzuleiten: Längst sind Versteigerungen übers Internet erfunden, mit denen wirklich der Kultur und nicht den Hotelportieren der höchstmögliche Umsatz zukommen würde.

Antworte bitte niemand auf diesen Vorschlag mit: "Das ist doch unsozial". Denn Arme sind in Salzburg nur auf der Bühne des "Jedermann" zu sehen. Und wenn man sozial sein will, könnte man ja auch zehn Prozent der Tickets unter Studenten verlosen (die diese dann aber wahrscheinlich mit Gewinn weiterverkaufen werden). Das System wird wohl aus einem einzigen Grund nicht geändert, weil viele Entscheidungsträger selbst in der ersten Reihe des subventionierten Kulturbetriebs sitzen.

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