WirtschaftsBlatt Kommentar vom 26. 7. 2006: AUA vs. OMV: Willkommen in der Normalität - von Herbert Geyer

Noch vor ein paar Jahren wäre diese Klage unvorstellbar gewesen

Wien (OTS) - AUA klagt OMV - das ist auf jeden Fall eine gute
Story. Immerhin geraten einander da die beiden Platzhirschen von Schwechat in die Haare: Das gesamte am Wiener Flughafen abgegebene Kerosin stammt aus der Raffinerie der OMV. Und 70 Prozent davon landet in den Tanks der AUA.

Dass die AUA klagt, ist nicht weiter verwunderlich: Im heurigen ersten Halbjahr, für das Österreichs grösstes Luftfahrtunternehmen gestern seine Zahlen vorgelegt hat, stiegen die Spritkosten neuerlich um 72 Millionen Euro. Ohne diese Mehrkosten hätte die AUA zumindest operativ endlich wieder schwarze Zahlen geschrieben. So aber wies sie einen Betriebsverlust von 41 Millionen aus.

Ausserdem hat die AUA - zumindest aus ihrer Sicht - gute Argumente:
Obwohl die OMV sämtliches Kerosin liefert, das in Schwechat vertankt wird, muss die AUA einen Teil ihres Bedarfs bei BP und Shell zukaufen, die ihrerseits wieder von der OMV beliefert werden und als Zwischenhändler ihre Margen aufschlagen.

Ausserdem hat die AUA versucht, Kerosin aus anderen Raffinerien zu kaufen und auf eigene Rechnung nach Schwechat zu karren - vergeblich:
"Es besteht (…) der Verdacht, dass diese Raffinerien - aus welchem Grund auch immer - nicht mit der OMV in Konflikt geraten möchten", klagt die AUA. Jedenfalls sei auf diesem Weg kein Sprit zu bekommen gewesen.

Die AUA beziffert den Schaden, der ihr durch überteuertes Kerosin entstehe, mit 35 Millionen Euro pro Jahr.

Eigentlich selbstverständlich, dass die OMV "jede Vorwürfe in jeglichem Aspekt zurückweist", wie eine Konzernsprecherin betont. Kerosin sei eben momentan sehr nachgefragt und entsprechend teuer.

Wer Recht hat, das werden unabhängige europäische Instanzen zu klären haben. Wir sehen dieser Klärung mit Spannung entgegen.

Und mit einer gewissen Befriedigung. Denn immerhin zerrt da ein bis vor kurzem noch verstaatlichtes Unternehmen, in dem die Republik immer noch grösster Einzelaktionär ist, ein anderes vor den Kadi, das ebenfalls erst vor wenigen Jahren aus dem 100-prozentigen Staatsbesitz entlassen wurde und in dem die Republik auch noch bestimmenden Einfluss hat.

Was bis vor wenigen Jahren noch völlig absurd geklungen hätte (Verkehrs- klagt Wirtschaftsministerium), ist heute eine völlig normale Auseinandersetzung zwischen zwei börsenotierten Unternehmen. Willkommen in der Normalität!

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