Rieder/Wehsely: Wirtschaft kann von MigrantInnen profitieren

Ökonomische Ausbildung, Sprachkenntnisse und landesspezifisches Know-how sind entscheidend

Wien (OTS) - Eine aktuelle Studie der MA 27 (EU-Strategie und Wirtschaftsentwicklung) macht deutlich, dass die Wiener Unternehmen insbesondere bei ihrer Orientierung nach Osten und Südosten von MigrantInnen profitieren können. MitarbeiterInnen mit entsprechenden sprachlichen Kenntnissen, interkultureller Kompetenz und einer guten kaufmännischen Ausbildung sind für wirtschaftlichen Erfolg in diesem Bereich unabdingbar. "Gut qualifizierte Personen, insbesondere mit einer fundierten ökonomischen Ausbildung, werden in der Wirtschaft gebraucht. Wenn sie Migrationshintergrund haben, zusätzlich zu Deutsch und Englisch eine Sprache aus Mittel- oder Osteuropa sprechen und genau über das jeweilige Land Bescheid wissen, dann fällt die Jobsuche nicht allzu schwer", so die Wiener Integrationsstadträtin Mag.a Sonja Wehsely.****

Laut lokalem Melderegister lebten im März 2006 in Wien 312.910 Menschen mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft. Bei einer Gesamtbevölkerung von 1.666.796 Menschen bedeutet dies einen Anteil von 18,8 Prozent. 77.434 Menschen kommen aus Serbien und Montenegro, 40.172 aus der Türkei, 22.462 aus Polen, 17.658 aus Bosnien und Herzegowina und 16.966 aus Kroatien. Bedeutend weniger WienerInnen kommen aus Rumänien (7.817), Mazedonien (7.405), der Slowakei (6.578), Ungarn (5.450), Bulgarien (4.429), der Tschechischen Republik (2.411) und Slowenien (939). Rund 30 Prozent der Wiener Bevölkerung sind in erster, zweiter oder dritter Generation zugewandert.

Die StaatsbürgerInnen der Staaten des ehemaligen Jugoslawien und der Türkei nehmen den größten Anteil an den ausländischen Beschäftigungsverhältnissen ein. Im Jahresdurchschnitt 2005 gab es in Wien rund 756.500 aufrechte Beschäftigungsverhältnisse. Etwa 11 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse entfielen auf StaatsbürgerInnen der ost- und südosteuropäischen Staaten, weitere 4 Prozent auf andere AusländerInnen. Durch die Vertrautheit dieser ArbeitnehmerInnen mit der Sprache, der Kultur, der Mentalität und -teilweise - den relevanten AkteurInnen im jeweiligen Partnerstaat können Unternehmen Vorteile erzielen.

Mittel-, ost- und südosteuropäische Länder sind wichtige Partner für die Wiener Wirtschaft

"Der jüngste OECD-Bericht über Österreich stellt fest, dass Österreichs Wirtschaft weiterhin von ihrer starken Position auf den schnell wachsenden Märkten Süd-Osteuropas profitiert. Das in Wien beheimatete, gut ausgebildete und sprachkundige Fachpersonal aus diesen Ländern stellt dabei einen entscheidenden Standortvorteil dar. Mit diesen Humanressourcen kann Wien in der internationalen Städtekonkurrenz mit seiner 'Ostkompetenz' punkten", erklärte Finanz-und Wirtschaftstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder.

"In Wien leben rund 200.000 Personen im erwerbsfähigen Alter, die einen Migrationshintergrund aus den Ost- und Südosteuropäischen Ländern haben. Etwa ein Viertel davon verfügt auch über die entsprechenden fachlichen Qualifikationen, um jene Jobs zu erfüllen, die von den Wiener Unternehmen für den Auftritt auf den neuen Märkten benötigt werden. Gelingt es, dieses Potenzial wirkungsvoll zu nutzen, dann profitieren nicht nur die MigrantInnen, sondern auch die Wiener Wirtschaft. Denn die Internationalisierung der Wiener Betriebe ist einer der wichtigsten Faktoren für den künftigen Erfolg der Wiener Wirtschaft. Je mehr Wiener Unternehmen ihre Waren und Dienstleistungen auf den ost- und südosteuropäischen Märkten erfolgreich anbieten, umso stärker steigen auch Wachstum und Beschäftigung insgesamt", so Rieder weiter.

Geschätzte 10 Prozent der Exporterlöse der österreichischen Sachgütererzeugung entfallen auf die Bundeshauptstadt Wien. Besonders wichtig sind hier die Warengruppen Maschinenbauerzeugnisse, elektrotechnische Geräte sowie Produkte der chemischen Industrie, des Fahrzeugbaus und der Nahrungsmittelerzeugung. Im Dienstleistungsbereich dürfte der Anteil der Stadt Wien sogar bei rund 50 Prozent liegen. Die wichtigsten Handelspartner der Wiener Betriebe sind Unternehmen in Ungarn, der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Slowenien, Polen, Rumänien, Kroatien und der Türkei.

Kompetenzen nützen, Hemmnisse abbauen

Die Wiener Wirtschaft sieht Entwicklungspotenziale vorwiegend in gut ausgebildetem kaufmännischen Personal - mit guten Deutschkenntnissen und Kenntnissen in Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Polnisch, Rumänisch, Slowakisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch. Eingeschränkt werden die Einsatzmöglichkeiten vor allem durch Hemmnisse wie Sprachkenntnisse, Alter oder Verlauf des Berufseinstieges.

Wien setzt auf Chancengleichheit und aktive Arbeitsmarktpolitik

Die Stadt Wien setzt bei der Schaffung von Chancengleichheit schon jetzt Maßstäbe: Ein wichtiges Beispiel ist etwa das Projekt InterCulturExpress, bei dem die Stadt Wien als strategischer Partner auftritt. InterCulturExpress betont die Förderung mitgebrachter Kompetenzen, das Erkennen von Mehrsprachigkeit und Migrationshintergrund als Potenzial und die Vermeidung von beruflicher Dequalifikation.

Aber auch die aktive Arbeitsmarktpolitik Wiens trägt zur Nutzung des Potenzials an Arbeitskräften mit Migrationshintergrund bei. Die Maßnahmen des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) sind insgesamt darauf ausgerichtet, die berufliche Qualifikation von Wiener ArbeitnehmerInnen zu heben und damit ihre beruflichen Entwicklungschancen zu steigern. Gerade MigrantInnen sind für den waff eine wichtige Zielgruppe. Im Jahr 2005 machten MigrantInnen insgesamt 18,4 Prozent der BeratungskundInnen aus.

Das Quotenregime schadet dem Wirtschaftsstandort

Scharfe Kritik übte Integrationsstadträtin Wehsely an den Regelungen des Quotenregimes. Zum Ende des ersten Halbjahres 2006 waren von den für das ganze Jahr vorgesehenen insgesamt 490 Quotenplätzen für unselbstständige Schlüsselkräfte bereits 303 abgebucht, 257 in Reihung. "Das bedeutet, dass bereits jetzt voraussichtlich 70 AntragstellerInnen nicht mehr im Jahr 2006 bewilligt werden können. Das schadet dem Wirtschaftsstandort Wien. Ein besonders prekärer Nebenaspekt ist, dass auch SpitzensportlerInnen - etwa im Fußball - von dieser Regelung betroffen sind. Hier dürfte der Bundesregierung ein echter Betriebsunfall passiert sein, gibt sie sich doch sonst mit Worten, im Falle der unsozialen Saisonierregelung auch mit Taten, doch eher wirtschaftsfreundlich", schloss Wehsely. (Schluss) me

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