Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Bleiben oder nicht bleiben

Wien (OTS) - Die restriktive Gesetzeslage hat gewirkt. Der Zustrom von Ausländern ist geringer geworden - das ist genau das, was eine große Mehrheit der Österreicher will.

Die restriktive Gesetzeslage hat gewirkt. Die Zahl der humanitären Problemfälle ist größer geworden. Das wollen viele Österreicher nicht.

Am liebsten hätten sie beides: Eine geringe Zuwanderung, aber auch keine Härtefälle. Die traurige Wahrheit: Das ist unmöglich. Angesichts des gewaltigen Wohlstandsgefälles zwischen der EU und Milliarden weniger glücklichen Erdbewohner wird es auf Dauer einen gewaltigen Sog Richtung Europa geben, wie es auch immer stürmische Luftverschiebungen von Hoch- zum Tiefdruckgebieten gibt. So deprimierend das klingt: Sofern Europa seine Grenzen nicht für jeden Migrationswilligen komplett öffnet, wird es immer Härtefälle geben.

Auch das nun häufig beklagte Problem, dass Ehen mit Migranten zerrissen werden, bleibt unlösbar, wenn man nicht auf diesem Weg ein Allgemeinticket zur Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen ausstellen will. Denn niemand kann von außen eine Scheinehe oder eine zumindest von einem Partner nur taktisch gemeinte Ehe von einer wirklichen Liebesbeziehung unterscheiden.

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Völlig unverständlich ist die Kritik der Grünen und der Gewerkschaft, dass es neuerdings statt Zuwanderung viel mehr Saisonniers gibt. Also Menschen, die nur für einen definierten Zeitraum kommen dürfen, um in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie zu arbeiten.

Dies ist ein Modell, das allen hilft: Der Saisonnier verdient rasch viel Geld für seine Existenz daheim; der Arbeitgeber hat Mitarbeiter genau dann, wenn er sie braucht; und die Gesellschaft wird nicht durch eine weitere, stärkere Ghetto-Bildung nebst allen sozialen Konsequenzen belastet: Familiennachzug, Arbeitslosigkeit der zweiten Generation, Nicht-Integration, Sonderbedarf in Schulen.

In meinen Studentenzeiten waren übrigens Saisonnier-Jobs in der Gegenrichtung populär. Niemand fühlte sich diskriminiert, weil er nur befristet ins Ausland durfte. Als besonders toll galt, wer als hochbezahlter Leichenwäscher nach Schweden ging. Aber das freilich nicht jedermanns Sache . . .

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