Gorbach/U-Bahn: Stadt Wien bei Notfallsplänen seit 1 1/2 Jahren säumig

Mangelhafte Evakuierungspläne und lückenhafter Brandschutz verhindern Einsatz der klimatisierten U-Bahnen

Wien, 2006-07-13 (OTS) - "Evakuierungspläne und Brandschutzmaßnahmen in öffentlichen Transportmitteln sind seit der Kaprun-Katastrophe zu Recht noch mehr in den Mittelpunkt von Genehmigungsverfahren gerückt. Bei der Einführung der neuen Wiener U-Bahn-Garnituren gibt es allerdings genau in diesem Bereich eklatante Mängel, auf die das Verkehrsarbeitsinspektorat die zuständige Magistratsabteilung im Zuge des Genehmigungsverfahrens schon seit 1 1/2 Jahren immer wieder - leider ohne Erfolg -aufmerksam gemacht hat. Jetzt verhindern diese mangelhaften Evakuierungspläne und der lückenhafte Brandschutz den Einsatz der klimatisierten U-Bahnen. Denn zweifelsohne ist und bleibt die Sicherheit der Passagiere oberstes Gebot und darf unter keinen Umständen untergraben werden. Sobald die zuständige Wiener Behörde ihre Sicherheitsdefizite behoben hat, kann die Genehmigung binnen Minuten erfolgen und die Wienerinnen und Wiener dürfen dann endlich die klimatisierten U-Bahn-Garnituren benützen", erklärte Verkehrsminister Hubert Gorbach heute.

Es sei nachlässig und verantwortungslos, dass es bei 1300 Passagieren Evakuierungskonzepte nur für bereits in den Stationen haltende Züge gäbe, nicht allerdings für Evakuierungsmaßnahmen in die unzähligen, kilometerlangen und dunklen Tunnelröhren. Weiters verweise das Brandschutzgutachten als Voraussetzung für die Genehmigung auf Brandschutzklappen, deren tatsächliche Existenz allerdings im Bescheid mit keiner Silbe erwähnt werde - und das, obwohl es durch die eingebauten Klimaanlagen zu einer zusätzlichen Wärmeentwicklung und damit zu einer Gefahrenquelle komme. Auch würden Messungen von Lärm, Erschütterung und Vibrationen, die für den Schutz jener Arbeitnehmer unerlässlich wären, die an und in den Zügen arbeiten, gänzlich fehlen, führte der Verkehrsminister aus. "Die Sicherheitsstandards der alten Silberpfeile sind aus den 60er Jahren. Da sich seit damals in diesem Bereich unglaublich viel getan hat -zum Wohle und zur Sicherheit der Passagiere - ist es nur logisch und richtig, dass die neuen U-Bahn-Garnituren auch den aktuellen Maßstäben entsprechen, die im Ernstfall Menschenleben retten. Die Kaprun-Katastrophe sollte für die zuständigen Stellen Mahnung genug sein", stellte Gorbach weiter fest.

Die Wiener Linien und die zuständige Behörde der Stadt Wien wüssten seit langer Zeit von den zu beachtenden Standards, trotz vieler Hinweise des Verkehrsarbeitsinspektorates habe man aber -offensichtlich unter Ausnutzung der herrschenden Hitzeperiode - jetzt versucht, einen fehlerhaften Bescheid, der vor Sicherheitsmängeln nur so strotze, durchzudrücken. Gorbach: "Das ist kurzsichtige Effekthascherei zulasten der Sicherheit der Bevölkerung. Die Erfahrungen des Prototyps haben ja gezeigt, was man im Genehmigungsverfahren für den Serieneinsatz berücksichtigen muss. Warum man diese Erkenntnisse nicht im aktuellen Bescheid verarbeitet hat, ist mir schleierhaft - Sparsamkeit am falschen Platz oder ein oberflächlicher Prestigeerfolg in Vorwahlzeiten werden es ja wohl hoffentlich nicht gewesen sein."

Die Auflistung der unbedingt zu behebenden Sicherheitsdefizite sei jedenfalls schnellstmöglich (binnen 3 Tagen nach Einlangen des Bescheids) dem erstinstanzlichen Magistrat rücküberwiesen worden, an dem es nun liege, die Mängel zu beheben. "Außerdem habe ich die Verantwortlichen der Wiener Linien, der zuständigen MA 64 und des Verkehrsarbeitsinspektorates heute zu einem Runden Tisch ins Verkehrsministerium geladen, um die Klärung der offenen Sicherheitsfragen zu beschleunigen. Ich hoffe, dass die Beseitigung der Mankos in der Folge so rasch wie möglich geschieht. Damit wäre dann nicht nur die Sicherheit der Passagiere gewährleistet, sondern auch ein ansprechender Fahrkomfort. Denn wir alle stöhnen unter der Hitze", schloss Verkehrsminister Gorbach.

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