Armut: Über 10.000 stillen Hunger auf Kunst und Kultur

Wien (OTS) - Der Kulturpass öffnet seit drei Jahren Theater, Film, Tanz und Musik auch für die, die sich`s nicht leisten können. In österreichweit über 100 Kultureinrichtungen, für über 10.000 Menschen.

"Durch diese Aktion ist mein Atem nicht verloren gegangen", erzählt Sabine D., eine der über 10.000 KulturpassinaberInnen. Und Frau Maria H.:"Ich weiß absolut nicht mehr, wie ich meine Zahlungen tätigen soll, ohne dass ich und mein elf-jähriger Sohn demnächst im absoluten sozialen Abgrund verschwinden. Danke vielmals für den Kulturpass, ich könnte mir das nie leisten."

Die vom Wiener Schauspielhaus und der Armutskonferenz initierte Aktion "Hunger auf Kunst und Kultur" öffnet seit drei Jahren Theater, Film, Tanz und Musik auch für diejenigen, die es sich nicht leisten können. Menschen, die Sozialhilfe oder Mindestpension beziehen, Arbeitslose und Flüchtlinge.

In mittlerweile über 100 Kultureinrichtungen in Wien, Salzburg und Steiermark ist der Kulturpass Eintrittskarte: Vom Volksthater bis zum Porgy&Bess, von der Volksoper bis zum cinemagic Kinderkino, von Karajan-Zentrum bis zur Kunsthalle und dem Tanzquartier, vom Salzburger Kunstverein bis zum Rockhouse, vom Sternenkino bis zu den Tanzimpulsen, von der Styriarte bis zur Diagonale, von der Grazer Oper bis zum Landesmuseum Joanneum.

"Es gibt keinen Grund, warum Menschen das kulturelle Angebot vorenthalten werden sollte, nur weil ihnen die finanziellen Mittel dazu fehlen", hält Martin Schenk, Sprecher der Armutskonferenz, die Bedeutung der Aktion fest. "Immer mehr rutschen in die Sozialhilfe oder müssen in Jobs arbeiten, von denen sie nicht leben können. In Österreich sind es 460.000 Menschen, die an den Rändern mitten unter uns leben". Deshalb sei "Hunger auf Kunst und Kultur" auch so etwas wie "Hilfe unter Protest", so Schenk.

"Denn in einem der reichsten Länder der Welt ist die Vermeidung von Armut alleine eine Frage der politischen Prioritäten", so der Diakonie-Sozialexperte.

"Kunst und Kultur gehören zu den Überlebensmitteln", begründet Airan Berg, Direktor des Wiener Schauspielhauses, die Initiative. Der Kulturpass ist ein Angebot, das Grundbedürfnis <nach mehr als Brot allein> zu erfüllen."

Finanziert wird die Aktion durch Spenden von BesucherInnen, Institutionen oder Firmen. Mit dem gesammelten Geld werden Eintrittskarten finanziert, die gegen Vorlage des Kulturpasses unentgeltlich eingelöst werden können.Die Vergabe des Kulturpasses wird über das Netzwerk der Armutskonferenz organisiert und sichergestellt.

Die Aktion schlägt auch anderswo Wellen. In Zürich wurde "Hunger auf Kunst und Kultur" 2004 aufgegriffen. 2006 wurde der Initiative der SozialMarie-Preis der Unruhe Stiftung verliehen.

Mehr zum Kulturpass und wo er erhältlich ist unter:
http://www.armut.at/armutskonferenz_aktivgegenarmut.htm#Hunger

Rückfragen & Kontakt:

DIE ARMUTSKONFERENZ
Österreichisches Netzwerk gegen Armut und soziale Ausgrenzung:
www.armutskonferenz.at
Martin Schenk / Sozialexperte Diakonie Österreich
Tel: 01/ 409 80 01-12 oder mobil 0664/ 544 55 54
Koordinationsbüro Armutskonferenz
Tel: 01/ 402 69 44

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