SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer im FORMAT-Sommergespräch

"Bin gegen Schwarz-Zeichnungen der Großen Koalition"

Wien (OTS) - In einem ausführlichen Interview mit dem am Freitag erscheinenden FORMAT nimmt SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer erstmals konkret zur Möglichkeit einer Großen Koalition mit der ÖVP nach der Wahl am 1. Oktober Stellung: "Große Koalitionen können sehr teuer werden, wie das Bruno Kreisky einmal gesagt hat. Unter anderem deshalb, weil sie mehr raum für Populisten aller Art schaffen, wie das im Falle Jörg Haider schon einmal der Fall war" Das sei aber kein prinzipielles Plädoyer gegen eine Große Koalition: "Große Koalitionen sind dann sinnvoll, wenn sie große Projekte vorhaben. Wie die letzte funktionierende den EU-Beitritt. … Ich bin nur gegen Schwarz-Weiß-Zeichnungen: Einmal heißt es, wir brauchen unbedingt eine große Koalition, um große Probleme lösen zu können. Und am nächsten Tag wird eine große Koalition als große Blockadekonstruktion verteufelt."

- Gusenbauer zur Lage seiner Partei: "Wir haben durch den BAWAG-Skandal und die ÖGB-Krise schwere Verluste erlitten, obwohl die SPÖ mit dem Niedergang dieser Bank nichts zu tun hatte. Aber: Die Bank gehört noch dem ÖGB, viele seiner Funktionäre sind auch Sozialdemokraten, deshalb haben Teile der Öffentlichkeit uns auch den BAWAG-Skandal zugeordnet."

  • Über Helmut Elsner: "Er war der Generaldirektor einer von drei Banken, mit denen die SPÖ normale Geschäftsverbindungen hatte. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn in diesem Zusammenhang getroffen habe, privat jedenfalls nie. Nachdem ich auch kein Golfspieler bin, sind mir auch seine dortigen Verhaltensweisen nur aus Erzählungen bekannt.
  • Zur Behauptung von Finanzminister Grasser, Flöttl wäre eine rote Zukunftshoffnung gewesen: "Das ist so wahr wie seine frühere Behauptung, er habe Flöttl nur bei einem Abendessen in New York getroffen… Ich selbst bin Flöttl nie begegnet."
  • Über Fritz Verzetnitsch: "Ich glaube nicht, dass Verzetnitsch die hochriskanten Geschäfte der BAWAG erfunden hat oder auch nur Freude daran hatte. Er ist ein grundsolider Mensch. Seine Handlungsweise ist mir im Zusammenhang mit der BAWAG nicht wirklich verständlich. Ich kann sie mir persönlich nur so erklären: Als der damalige ÖGB-Präsident mit einem möglichen Bankrott der BAWAG konfrontiert wurde, hat er lieber seitens des ÖGB eine Garantieerklärung abgegeben. Er ist ebenso wie Günther Weninger von Elsner Stück um Stück weiter in den Strudel hinabgezogen worden und hat dabei den Überblick völlig verloren."

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