Biomasse-Boom

Ausweitung der Biomasseproduktion ein Gebot der Stunde

Wien (OTS) - "Die Entwicklung der Nachfrage nach Biomasse verläuft überaus positiv", erklärt Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen Biomasse-Verbandes, heute bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Situation am Biomasse-Markt. "Das bietet die Chance, dass die Land- und Forstwirtschaft ihre vorhandenen Potenziale voll nutzt. Denn die Potenziale sowohl der Forst- wie auch der Landwirtschaft sind enorm. Das gilt für Österreich, für Europa und weltweit." Kopetz präsentiert dazu wichtige Parameter der zukünftigen Biomasse-Rohstoffversorgung:

Ausweitung der Produktion aus der Forstwirtschaft

Zuwachs: 31,3 Mio. Festmeter
Nutzung: 18,8 Mio. Festmeter, das sind rund 60 %

Eine Ausweitung der Nutzung um 4 bis 5 Mio. Festmeter in den nächsten Jahren ist daher dringend erforderlich. Der Einschlag ist zu erhöhen, und zwar schon in den nächsten Wochen und Monaten.

Um das Anbot zu erhöhen, müssen auch die Preise steigen, damit Holzsegmente, die bisher nicht kostendeckend genutzt werden konnten, aber im Sinne der Waldpflege entnommen werden sollten, auch tatsächlich geschlägert werden.

Ausweitung der Produktion an fester Biomasse für Wärme und Strom aus der Landwirtschaft

Mittelfristig werden mindestens 2 bis 3 Mio. Festmeter Holzersatz aus der Landwirtschaft benötigt. Dazu müssen neue Kulturen eingeführt werden: Kurzumtriebswälder wie Weide oder Pappel. Vorbilder sind dabei Schweden und Italien. Darüber hinaus ist Miscanthus (Elefantengras) als Basis für die Pelletserzeugung oder Hackguterzeugung gezielt anzubauen.

Anbau- und Demonstrationsprogramme sollen durch das Landwirtschaftsministerium koordiniert werden. Ab dem Frühjahr 2007 sollen jedenfalls mehrere 100 ha, wenn möglich einige 1.000 ha angebaut werden. Mittelfristiges Ziel: 100.000 ha

Klare Grundsätze zur weiteren Entwicklung der Biomasse

  • Prioritäten für Verfahren mit hohen Wirkungsgraden
  • Priorität für Verfahren mit hohen Endenergieerträgen je Hektar
  • Wettbewerbsfähige und kostengünstige Verfahren

Die höchsten Wirkungsgrade werden bei der Verbrennung von Biomasse zu Wärme in modernen Biomasse-Anlagen erzielt; sie liegen bei 80 bis 90 %. Diese hohen Wirkungsgrade sprechen für die Wärmeversorgung als erste Priorität. Die geringsten Wirkungsgrade werden bei der Verstromung von Biomasse ohne Wärmenutzung erreicht. Sie legen nur bei 25 bis 30 %. Solche Anlagen sollten daher nicht errichtet werden.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Endenergie-Ertrag je Hektar. Dieser schwankt je nach Pflanzenart und Umwandlungstechnologie zwischen 1.000 Liter bis 7.000 Liter Öläquivalent/ha. Angesichts der begrenzten Flächenreserven in Österreich schlägt der Österreichische Biomasse-Verband vor, jene Kulturen und Verfahren zu forcieren, die einen besonders hohen Endenergie-Ertrag je Hektar ermöglichen. Dazu zählen Mais, Zuckerrüben, aber auch Miscanthus und Kurzumtriebswälder. Bei der Auswahl spielen die regionalen Produktionsbedingungen eine wichtige Rolle, so kann in Trockengebieten auch Energiegetreide eine wichtige Rolle übernehmen.

Es liegt auch auf der Hand, dass Verfahren, die die Ganzpflanzennutzung ermöglichen, wie die Biogas-Technik oder die Ganzpflanzen-Verbrennung, höhere Energieerträge je Hektar liefern als Verfahren, die nur einen Teil der Pflanze, wie zum Beispiel die Stärke, zur Ethanolerzeugung nutzen.

Hinsichtlich der Kosten liegt die Wärmeerzeugung voran, da die Primärenergie zur Wärmenutzung in Form von Biomasse um 2 bis 3 c/kWh erzeugt werden kann.

Entwicklung der Nachfrage nach fester Biomasse für Wärme und Strom

Seit dem Jahre 2006 zeigt sich am Markt eine dynamische Nachfrageentwicklung. In den Jahren von 2000 bis 2005 stieg die Nachfrage nach fester Biomasse jährlich um einige 100.000 Festmeter. Dieser Bedarfszuwachs wurde durch die steigende Produktion problemlos gedeckt.

In den letzten 12 Monaten hat sich der Markt gedreht, die Nachfrage steigt sehr rasch - daher liegt der Schwerpunkt in nächster Zeit in der Vergrößerung des Anbotes.

Im Vergleich zum Jahre 2004 werden 2006 zusätzlich etwa 1,4 Mio. Festmeter für die neuen Kraft-Wärme-Koppelungs-Anlagen (KWK-Anlagen) und 1,5 Mio. Festmeter für neue Biomassefeuerungsanlagen, in Summe also 2,9 Mio. Festmeter gebraucht. Dieser Mehrbedarf wird 2007 auf über 5 Mio. Festmeter steigen.

Der Nachfrageboom hat zwei Gründe: Der Bau von neuen großen KWK-Anlagen durch das Ökostromgesetz 2002 sowie die Preisanstiege von Öl und Gas um fast 100 % in zwei Jahren.

Daher spricht sich der Österreichische Biomasse-Verband gegen neue große Verstromungsanlagen auf Basis fester Biomasse aus.

Europäische Aspekte und der Pelletsmarkt

Die EU forciert Biomasse - das ist sehr positiv, allerdings wird zu viel Gewicht auf die Strom- und zu wenig Gewicht auf die Wärmeproduktion gelegt. Mittlerweile werden Kohlekraftwerke in Belgien und Holland auf Pellets umgestellt. Das führt zu Preisanstiegen bei Pellets. Pellets sind europaweit genug verfügbar, allerdings zu deutlich höheren Preisen als bisher.

Daher der Vorschlag: Die Pelletsproduktion in Österreich ist wesentlich auszudehnen, um in den weiter rasch steigenden Bedarf nach Pellets in Österreich auch in Zukunft aus dem Inland decken zu können.

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