Neues Volksblatt: "Grün-Kalkül" (von Christan Buchar)

Ausgabe vom 20. Juli 2006

Linz (OTS) - Das Ablenkungsverhalten der SPÖ von der ÖGB/BAWAG-Affäre ist auf Grund der Betroffenheit durch involvierte Persönlichkeiten politisch verständlich. Nicht ganz so klar ist, warum die Grünen sich ebenfalls mit derartigem Schwung auf Finanzminister Karl-Heinz Grasser und seine Einladungs-Ungeschicklichkeiten werfen. Verständlich wären zwei Gründe, klassisch aus dem Wahlkampf. Erstens: Man hofft durch die Angriffe auf Grasser jenes kleine Segment der Selbstständigen, das als potenziell zwischen der ÖVP und den Grünen schwankend gesehen wird, auf die grüne Seite zu ziehen. Oder, zweitens: Man versucht der eigenen Kernklientel zu signalisieren, dass man nicht als potenzielles Beiboot der ÖVP in die Wahl zieht - und tut damit gleichzeitig in Hinblick auf diverse rot-grüne Gelüste der SPÖ einen netten Gefallen.
Das Milliardengrab, das im SP-Umfeld rund um BAWAG und ÖGB geschaufelt wurde, kann freilich kein politisch-taktisches Spielchen beschönigen. Es wird eine Sache für die Justiz. Der wohl größte Finanzskandal in der Geschichte der Republik hat seine Wurzeln nicht beim Finanzminister, sondern in tief-rotem Terrain.

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