WirtschaftsBlatt Kommentar vom 20.7.2006: Mit Handel und Bau geht's aufwärts - von Herbert Geyer

Endlich ein anderes Thema für den beginnenden Wahlkampf

Wien (OTS) - Die Frage, wie oft sich Finanzminister Karl-Heinz Grasser von welchen Bankiers zu welchen Events oder Urlauben einladen liess und wen er dabei getroffen hat, ist zwar in Hinblick auf Sauberkeit in der Politik auch interessant, trotzdem müssen wir froh sein, dass der beginnende Wahlkampf auch ein paar Themen bietet, die über solche Stilfragen hinausgehen.

Sowohl Einzelhandel als auch Bauwirtschaft (siehe Seiten 2/3) melden also steigende Nachfrage und vor allem steigende Beschäftigung. Insgesamt verdichtet sich der Eindruck, dass - fünf Jahre nach dem Rest Europas - auch in Österreich endlich der Umschwung am Arbeitsmarkt geschafft ist. Erstmals seit 2000 nimmt auch bei uns die Zahl der Arbeitslosen wieder ab, was - nicht nur für die Regierung, die ja im Wahlkampf positive Nachrichten braucht - eine erfreuliche Nachricht ist.

Dass der weitaus grösste Teil des offiziell registrierten Rückgangs der Arbeitslosigkeit auf eine Rekordzahl an Arbeitslosen zurückzuführen ist, die in Schulungen vor der offiziellen Statistik versteckt werden, sind wir ja schon gewohnt. Und dass immerhin 150 Arbeitslose im August und September aus der Statistik fallen, weil sie auf Kosten des Arbeitsmarktservice bei Billa und Interspar beschäftigt werden, wird nur die unabhängigen Einzelhändler aufregen, die mit ihren Steuern diese Subvention für ihre grossen Konkurrenten bezahlen.

Immerhin: Es geht aufwärts. Im ersten Halbjahr konnte der Einzelhandel seinen Umsatz gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres nominell um 1,2 Prozent steigern.

Dass es nicht mehr war, liegt wohl einerseits an den gestiegenen Öl-und damit Treibstoffpreisen, die die Budgets der Konsumenten belasten. Andererseits - und da liegt die eigentliche Wahlkampf-Relevanz des Themas - bleiben die verfügbaren Einkommen mit einem Plus von 2,0 Prozent deutlich hinter dem Wirtschaftswachstum zurück, das heuer mindestens 2,5 Prozent betragen soll. Gleichzeitig steigt die Sparquote weiter an. Beides drückt auf den privaten Konsum, und der ist mit gut 60 Prozent des BIP der eigentliche Motor des Wirtschaftswachstums. Was uns von den Parteien daher wesentlich mehr interessiert als der Grad ihrer (Nicht-)Beteiligung am Bawag-Skandal, wäre, was sie nach der Wahl planen, um die Konsumneigung zu steigern: etwa die steuerliche Entlastung der Masseneinkommen und den Verzicht auf weitere Belastungen wie die jüngste Pensionsreform.

Wir könnten uns am 1. Oktober danach richten.

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