Macht man das so? Maliks Stubenfliege über bedenkliche Klischees

Malik-OTS-Nachricht_9 über den nötigen Umgang mit komplexen Problemen und Systemen

St. Gallen (OTS) - Maliks Stubenfliege, von ihm gerne auch "freies Radikal" genannt, überfliegt heute in endlos weiten Strecken bedenkliche Klischees wie das des "Management-Gurus" und allzeit gefeierten Top-Managers, der zu jeder Sekunde brilliert. Sie entschuldigt sich schon an dieser Stelle dafür, dass ihr kleines Fliegengehirn einer redaktionsgerechten kurzen Copy&Paste-Message nicht fähig ist, sondern auf diesem Weg hemmungslos ihre Sorge hinaus lässt.

Peter Drucker, emigrierter Österreicher, den die Welt als größten Managementdenker aller Zeiten ehrt, von dem hierzulande nur wenige wissen, was er eigentlich geschrieben, ja dass es ihn überhaupt gegeben hat, Gott hab ihn selig, wollte aus Gründen, die er nur vornehm und leise nannte, in seinen alten Tagen nicht mehr nach Österreich. Er lehnte Ehrungen und Orden von hier dankend ab.
Zu denken hat das anscheinend nicht gegeben.

Hans Ulrich, Vater des Systemorientierten Managements, Leitfigur der Elite-Universität St.Gallen nahe am Bodensee, wichtigster Lehrer und Mentor von Fredmund Malik, erkannte in Management "die wichtigste Funktion der Gesellschaft", weshalb Maliks Stubenfliege ein außerordentlich affines Verhältnis zu ihm hat und sich zu vorliegender Nachricht veranlasst sieht.

Um Ulrichs gesellschaftlich orientierte, systemwissenschaftlich basierte Managementlehre nicht nur theoretisch, sondern in Form leibhaftiger Vertreter aller Ebenen und Bereiche in die St.Galler Forschungsarbeit zu integrieren, gründete er die ehemalige Stiftung Management Zentrum St.Gallen (MZSG): für die Ausbildung praktizierender Führungskräfte in Seminaren, damit sie für die Zukunft gerüstet sind.

Ulrich war es auch, der zusammen mit dem damaligen Stiftungsrat des MZSG, dem jüngst von einigen mit Häme kommentierten Fredmund Malik den undankbaren Job angeboten hat, das Management Zentrum St.Gallen zu führen. Der war verrückt genug, sich das anzutun, weil ihm die Management-Praxis als ehemaligem Arbeiter und Angestellten näher lag als jeder Elfenbeinturm.

Diese Stiftung, ja er war auch dazu verrückt genug, hat Malik aus Forschungsgründen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, um die Theorie dortiger Beratung und Schulung auch auf seine eigene Unternehmenspraxis und Verantwortung anwenden zu können, deren Erfolg sich an der Kundenzufriedenheit sowie in der Bilanz messen lässt und anhand deren Fehler sich Theorien im Popper'schen Sinne verbessern und evolutionär anpassen lassen.

Bemerkenswert an dieser Historie ist, dass die dort zu allererst erlangten Erkenntnisse die letzten sind, die die Gesellschaft durchdringen: die schwierigen, harten Nüsse, die unlösbaren Probleme durch die Natur von Komplexität, die man schlichtweg nicht ändern kann und die das Paradies auf Erden nur allzu oft verhindern.

All das, während hierzulande der Aufbau einer Elite-Uni aus politischen Gründen erst durch den Rückzug initiierender Spitzenforscher zu einer "grundsätzlich möglichen Chance" werden kann. Vorausgesetzt internationale Spitzenforscher, zu denen nicht wenige Auslandsösterreicher gehören, sind bereit, hier zu arbeiten und leben.

Das mit einem österreichischen Anton Zeilinger, der seine karge Freizeit populärwissenschaftlichen Büchern widmet, in denen er u.a. vorschlägt, davon ausgehen, "dass Information und Wirklichkeit nur die zwei verschiedenen Seiten ein und derselben Münze sind". Das wohl nicht, um zu zeigen, dass er ein guter Wissenschaftler ist, das haben ihm kompetente Institutionen längst bestätigt, sondern weil auch er einer ist, der der Gesellschaft lebenswichtige und Erfolg entscheidende Erkenntnisse unserer Zeit und Zukunft verständlich machen will und dafür über die Rübe bekommt, dass er Angst vor einer politikgesteuerten Wissenschaft bekommen hat.

Malik, der mit seinem Managementverständnis eigentlich Gewerkschaftsführer sein müsste, hat als erster die für das 21. Jahrhundert unverzichtbare, kybernetische Idee von Heinz von Foerster aufgegriffen: "Jeder(!) in einer Organisation muss - in seiner jeweiligen Expertenstellung - ein Manager sein." Malik lehrt u.a. seit Jahrzehnten, dass de facto nicht nur Chefs ihre Mitarbeiter managen, sondern Mitarbeiter auch ihre Chefs und Kollegen, dass daher alle genug von Management verstehen müssen! So missverstehen, wie es passiert, kann man ihn nur, wenn man aktuelle Prämissen mit veralteten entschlüsselt. Malik wird nach wie vor als "Guru" bezeichnet. Andere nennen ihn gar "Management-Papst", obwohl er das Gegenteil des katholischen Prinzips verfolgt, nach dem man die einfachen Gläubigen dumm sterben lässt, wie es in den letzten Jahren regelrecht zur Manier geworden ist.

Wer Maliks wissenschaftliche Schlüsselwerke kennt, weiß, dass man sich sehr genau überlegen muss, wo man ihn erfolgreich angreifen kann. Mir ist es gelungen. Er hat mir dafür nicht den Krieg, sondern die Freundschaft erklärt. Das schon, als wir noch gestritten haben, dass die Fetzen geflogen sind. Einziger Streitpunkt zwischen Malik und mir war das, was Heinz von Foerster die "Ein-Hirn-, Zwei-Hirn-, Vielhirn- und Allhirnprobleme" nennt: Probleme der Erkenntnis, der Kommunikation, der Gesellschaft und der Menschheit.

Malik hat den unausräumbaren Umstand, dass das menschliche Gehirn die Wirklichkeit nicht erkennen, sondern nur erfinden kann, nicht ausführlich genug in seine Erläuterungen integriert. Er hat es selbst provoziert, dass er häufig missverstanden wird. Warum? Weil Leser das Geschriebene nur anhand ihrer eigenen Lernvergangenheit entschlüsseln können und nicht anhand der eines Autoren. Heute sieht er das ein. Die Hirne anderer Leute wird er trotzdem nicht ändern können. Jeder kann sich nur um sein eigenes Hirn kümmern. Die Natur lässt anderes nicht zu.

Der gebürtige Österreicher Paul Watzlawick, der eng mit Heinz von Foerster und dessen Kybernetiker-Gruppe zusammengearbeitet hat, konnte das Problem des Hirns, der von ihm erfundenen Wirklichkeit und der Kommunikation einem breiten Publikum herausragend verdeutlichen. Was er schreibt, sind naturgegebene Tatsachen, von denen es aus gesundem Eigeninteresse allseits ratsam ist, sie in seine Lebenspraxis so selbst-verständlich zu integrieren wie den unvermeidlichen Umstand der Schwerkraft, der dafür sorgt, dass einem ein Ziegel auf den Kopf fallen kann. Meine Tochter hat es im Kindergarten mit wenigen Worten auf den Punkt gebracht: "Was man denkt und sagt, das ist man selber."

Malik gehört mit Drucker, Stafford Beer, dem Vater der Management-Kybernetik und Ulrich, die sich stets öffentlich zu seinem Denken bekannt haben, zu denen, die ihr Leben der Notwendigkeit gewidmet haben, Management als eindeutig definierte Disziplin wie jeden anderen Beruf zu erforschen und entwickeln. Aus vergleichbaren Bemühungen wurden z.B. aus den mittelalterlichen Badern die heutigen Mediziner. Deshalb "braucht ein Chirurg keinen externen Berater", wenn er am OP-Tisch steht.

Dort, wo OP-Tische herumstehen, das ist die Gegend aus der ich komme und die mich zu Management, zur Kybernetik, zu Maliks Schlüsselwerken und zu einer Zusammenarbeit mit ihm geführt und nie wieder davon abgelenkt hat. Ich habe nicht nur einmal miterlebt, dass Menschen durch Managementfehler getötet werden können, und zwar unabsichtlich! Von Ärzten und/oder Pflegenden, nicht selten von den Besten unter ihnen, die helfen wollten und die sich aus Verzweiflung umgebracht haben, weil ihnen das Gegenteil davon passiert ist!

Solche Probleme verschwinden nicht einfach, nur weil sie gerade nicht in der Zeitung stehen. Die Suizidrate unter Ärzten und dem Pflegepersonal ist einschlägig bekannt und überdurchschnittlich hoch. Die Zahl medizinischer Behandlungsfehler und der Störfälle in Krankenhäusern steigt - aus Gründen der Komplexität, nicht weil unsere Ärzte und Schwestern so deppert, verantwortungslos und faul sind.

Wie man auch in Österreich spätestens seit dem "Lainz-Skandal" 1989 weiß, können Helfer in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auch absichtlich töten. Das schon länger international zu beobachtende Phänomen der "Patientenmorde" ist ein dramatisches Symptom für Systemfehler, die bei genauem Hinsehen Managementfehler sind. Man kann sie nur mithilfe solider systemwissenschaftlicher Grundlagen minimieren, aber niemals völlig ausschalten. Deshalb schätze ich Maliks Werke über alles. Sie bieten das Nötige dazu. Sie funktionieren auch in komplexesten Systemen, sofern man sie richtig interpretiert und anwendet.

Komplexe Systeme - schon jeder Mensch ist ein solches - lassen sich nicht nach klischeehaften Vorstellungen und veralteten Paradigmen managen. Deshalb können Ärzte auch nicht alle Patienten heilen. Deswegen werden Top-Manager allein nicht alle Probleme lösen können, die heutigen und zukünftigen schon gar nicht.

Je komplexer Systeme werden, desto unmöglicher wird es, sie wirksam zu behandeln und zu managen. Vor allem dann, wenn sie nicht so organisiert sind, wie die Natur das verlangt. Das gilt nicht nur für Krankenhäuser. Es gilt für jede Organisation, Institution, Unternehmung, Vereinigung oder Unternehmung. Es gilt für die Technik ebenso wie für die Theorie, für Tiere ebenso wie für Menschen.

Wir haben es hier nicht mit der "Gewalttätigkeit" von Führungskräften zu tun, sondern mit Naturgewalten, die u.a. auch für Tsunamis, Erdbeben und Hungerkatastrophen verantwortlich sind.

In Kliniken konnte man ab den Spätachtzigern des vergangenen Jahrhunderts zusehen, welche Probleme auf unsere Gesellschaft zukommen werden. Dort ist es bekanntlich die Aufgabe, die schwierigsten Probleme der Gesellschaft zu lösen: Krankheit, Verletzung, Sterben und Tod. Dort sollen aus unangenehmen Gefühlen angenehme gemacht werden. Dort müssen drum die komplexesten Mittel aufgefahren werden. Dort konzentrieren sich deshalb alle Extreme einer Gesellschaft. Dort haben wir heute weltweit die größten Finanzierungs- und Managementprobleme. An ihnen kann man ablesen, worauf wir uns auch in allen anderen Organisationen einer Informations- und Wissensgesellschaft einstellen müssen.

Burnout, Erschöpfungsdepressionen und Suizide sind das, woran sich das Gesundheitspersonal bereits gewöhnt hat, weil es von der Gesellschaft, der es helfen soll, mit diesen Problemen allein gelassen wird! Herrschaften, das wird sich nicht ausgehen! Auch bei Führungskräften in anderen Wirkungsbereichen lassen sich diese Symptome mittlerweile unübersehbar feststellen. Das Magazin "Profil" berichtete kürzlich darüber. Ich selbst hatte nicht nur einmal bis an den Rand mit völliger Erschöpfung, ja schwerer Krankheit dadurch zu kämpfen und ich möchte nicht, dass andere das durchmachen müssen! Diese Erschöpfung kommt daher, dass gegen eine Natur gearbeitet und gemanagt wird, die immer größer und stärker sein wird als jeder einzelne von uns und oft auch als alle zusammen.

Komplexe Systeme kann man nicht so managen, wie man sich das vielfach vorstellt. Sie managen sich selbst. Aber man kann sich mit ihrer Natur arrangieren. Mit welcher, beschreibt die Kybernetik. Malik war bescheiden und klug genug, sich als Kybernetiker Jahrzehnte zu "verstecken", den herkömmlichen Consultant und Educator abzugeben, die Sprache seines Publikums zu lernen und sprechen, um einigermaßen zu verstehen und verstanden zu werden, damit er seine Arbeit überhaupt machen konnte.

"Je tiefer das Problem, das ignoriert wird", so Heinz von Foerster nicht ganz ohne Resignation, "umso größer die Chance auf Erfolg." Gemeint hat der damit den vordergründigen, den schnellen, den Applaus der breiten Masse. Er wird nach dem Stil verstaubter Erkenntnisse immer öfter ausbleiben, mehr noch, sich ins Gegenteil verwandeln. Malik ist nicht auf Applaus aus, wenn er ihm auch wie jedem anderen Menschen gut tut. Kein Kybernetiker ist auf Applaus aus, weil für ihn nur eine einzige relevante Anerkennung gibt: funktionierende, komplexe Systeme. Das gilt auch für mich. Jeder, der sich bemüßigt fühlt, mich anzugreifen, soll das gerne tun, ich bin das gewohnt, es prallt an mir ab. Aber ich lerne gerne aus Fehlern.

Dostojewski lässt seinen Großinquisitor sinngemäß sagen, die Menschen fürchten die Freiheit, sie beugen sich lieber einer Macht, die ihr die Verantwortung abnimmt. Jesus hätte den fundamentalen Fehler gemacht, den Verführungen des Teufels zu widerstehen. Die Menschen wären glücklich geworden, wäre er auf seine Händel eingegangen. Denn sie bräuchten das Wunder, das Geheimnis und die Autorität. Sollte man sich also wundern, dass nicht Fakten, sondern Projektionen kommentiert werden? C.G. Jung hat es beantwortet:
"Denken ist schwer, drum urteilen die meisten..." Heinz von Foerster hätte gesagt: "Wir können nur sehen, was wir glauben..."

Dass alle wichtigen Einrichtungen in unserer Gesellschaft weitgehend verlässlich funktionieren, ist nicht selbstverständlich, sondern ein Wunder, das oft unterschätzt wird. Fehler, Krisen und Katastrophen sind nicht nur natürlich, sie sind oft unvermeidlich. Ärzte wehren sich längst gegen das Klischee der Götter in Weiß, weil die Komplexität des medizinischen Alltags Dimensionen angenommen hat, die sich weder mit ideologischen Grundlagen, noch mit persönlichen Ansichten wirksam gestalten lassen. Auch Manager müssen anfangen, sich gegen die veralteten Vorstellungen von Führungskräften zu wehren. Sie werden sonst überfordert, sie brennen sonst aus.

Es wird in der Zukunft nicht mehr nur von "Führung" die Rede sein und auch nicht nur von "Zusammenarbeit". "Führen" kann man in einer komplexen, informierten Welt nicht mehr. Zusammenarbeiten kann man irgendwie, wie gut, ist kein verlässlicher Maßstab. Wir werden verdammt dringend und genau über "Zusammenhelfen" reden müssen, denn Helfen kann man nur so, dass es hilft. Komplexe Systeme wollen von Natur aus, dass das, was ein einzelnes Element tut, auch die Umstände für alle anderen Elemente eines Systems besser macht, weil immer alles zusammenwirkt. Deshalb ist es so wichtig geworden, dass jeder mitdenkt und mithilft.

Das sollte man gerade in diesem Wahlkampf bedenken und dabei nicht nach Amerika schielen, sondern sich daran erinnern, dass Österreich ein zwar kleines, aber komplexes, weil multikulturelles und kreatives Land ist, das Köpfe hervorgebracht hat, die die Welt verändert haben und das auch in Zukunft das Potential dazu hat, wenn man es nicht mit gefährlicher Ignoranz erstickt.

Die Wirklichkeit neigt dazu, so zu werden, wie man über sie denkt und spricht. Wir alle sollten zusammen helfen und diesen Umstand sehr, sehr ernst nehmen, damit es für alle besser wird und ganz besonders in diesem Sommer, der hoffentlich den intelligentesten aller Wahlkämpfe hervorbringt...

Hinweise zur Malik-OTS-Nachrichten-Aktion:

Alle Malik-OTS-Nachrichten und Hintergründe im OTS-Austria-Logbuch:
www.malik-mzsg.ch/ots_logbuch
Unternehmen: www.malik-mzsg.ch
Kybernetik: www.managementkybernetik.com

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