Einzelhandelsumsätze - Lemler: "Konjunkturfrühling hält an; Warten auf den Konjunktursommer"

Handel kann von steigender Konsumfreude profitieren: 1,2 % Umsatzplus nominell im ersten Halbjahr, Zuwächse in allen Regionen; 1,7 % mehr Beschäftigte; 3,5 % mehr Lehrlinge

Wien (PWK485) - Die Einzelhändlerinnen und -händler in Österreich konnten in der ersten Hälfte dieses Jahres im Durchschnitt ein nominelles Umsatzplus von 1,2 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres erzielen. Real bedeutet dies für den Einzelhandel Erlössteigerungen von 0,7 Prozent. "Damit hält der Konjunkturaufschwung im Einzelhandel an und setzt sich fort", zeigte sich Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), bei der Präsentation der Detailergebnisse der Konjunkturbeobachtung für den heimischen Einzelhandel im ersten Halbjahr 2006, heute, Mittwoch, erfreut. Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf den Daten von mehr als 4.500 Geschäften. In absoluten Zahlen betrug der Einzelhandelsumsatz im ersten Halbjahr 2006 rund 20,7 Milliarden Euro.

"Die Ausgabenbereitschaft und die Konsumfreude der Konsumenten verbessern sich sukzessive. Die Wachstumsrate liegt nominell zwar nur geringfügig über dem Wert des zweiten Halbjahres 2005, allerdings hat sich die positive Entwicklung verfestigt", führte Peter Voithofer, stellvertretender Direktor der KMU FORSCHUNG AUSTRIA", die die Untersuchung durchführt, aus. Voithofer weiter zur Umsatz-Situation:
"Die Umsätze lagen im Durchschnitt in allen Regionen über dem Niveau des Vorjahres. Die Umsatzzuwächse fielen im Süden mit nominell +1,6 Prozent und Westen ( +1,5 %) höher aus als in den östlichen Bundesländern (+0,6 Prozent). Die Umsatzsteigerungen entfielen auf Geschäfte aller Größenklassen; dabei zeigt sich: "Die Dynamik steigt mit der Geschäftsgröße."

Das Branchenranking führt der Spielwareneinzelhandel: Er rangiert mit einem nominellen Umsatzplus von 6,6 Prozent an erster Stelle an erster Stelle, man konnte der von einem guten Ostergeschäft profitieren. Auf den Plätzen folgen der Uhren- und Schmuck-, Lederwaren- und der Sportartikelhandel. Ausschließlich im Papier- und Buchhandel kam es im Durchschnitt zu Umsatzrückgängen gegenüber der Vorjahresperiode. Auch real war die Umsatzentwicklung im Spielwarenhandel mit einem Plus von knapp 8 Prozent am besten. Im Radio-, Elektro-, EDV- und Fotoeinzelhandel sowie im Lederwaren- und Sportartikeleinzelhandel stieg das Absatzvolumen zwischen 6 und knapp 7 Prozent. Die höchsten mengenmäßigen Umsatzrückgänge musste hingegen der Einzelhandel mit Eisenwaren, Bau- und Heimwerkerbedarf hinnehmen. "Insgesamt zeigt sich, dass gerade hinsichtlich Gütern des Mittel- und Langfristbedarfs eine verstärkte Nachfrage zu verzeichnen ist", führt Handelsforscher Voithofer aus.

Ein Blick auf die Zahlen bestätigt den heimischen Einzelhandel als "Beschäftigungsmotor". Die bessere Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr 2006 spiegelt sich auch in einem Zuwachs an Beschäftigung wider", unterstreicht Bundesspartenobmann Lemler. Im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2006 waren im Einzelhandel rund 244.000 Arbeitnehmer beschäftigt, das sind um 1,7 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Nicht inkludiert ist da die Zahl der geringfügig Beschäftigten: Sie machen rund 10 Prozent der Beschäftigten insgesamt im Einzelhandel aus; ihre Zahl, lag im Durchschnitt der ersten sechs Monate 2006 in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Damit hat die Entwicklungsdynamik der Anzahl der unselbstständig Beschäftigten seit dem ersten Halbjahr 2004 kontinuierlich zugenommen. Positiv ist auch die Entwicklung bei den Lehrlingen: Konkret hat die Anzahl der Lehrverhältnisse im Einzelhandel im Jahr 2005 um 3,5 Prozent zugenommen.

Einmal mehr hat sich der Einzelhandel als Preisstabilisator erwiesen - "nicht zuletzt", so Voithofer, "auf Grund des starken Wettbewerbs der verschiedenen Anbieter." Im ersten Halbjahr ergibt sich im Durchschnitt eine Preissteigerung im Einzelhandel von rund 0,5 Prozent; sie blieb damit deutlich unter der Inflationsrate.

Als "Wermutstropfen" bezeichnen Lemler wie Voithofer die Kundenfrequenz; die diesbezügliche negative Entwicklung hat sich zwar abgeschwächt, verläuft aber längst nicht zufrieden stellend.

Noch nicht spiegelt sich die feststellbare verbesserte Lage im ersten Halbjahr in der Stimmungslage der Unternehmerinnen und Unternehmer wider: Befragt nach den Zukunftaussichten, erwarten gemäß Erhebung der KMU FORSCHUNG AUSTRIA 65 Prozent der Einzelhändler keine Änderung der wirtschaftlichen Lage in den nächsten drei Monaten; im Vorjahr lag dieser Wert bei 75 Prozent). Der Anteil der Unternehmen, der eine mit einer Verbesserung rechnet, ist von 11 auf 14 Prozent ebenso gestiegen wie jener, der eine Verschlechterung befürchtet (von 14 auf 21 Prozent). Damit sind die Wirtschaftstreibenden weniger zuversichtlich als im Vorjahr; die Erwartungshaltung für die nähere Zukunft ist somit vergleichsweise vorsichtig. Und das aber, "obwohl das Potenzial für eine weitere Dynamik im Einzelhandel im Sinne einer Verbesserung der Umsatzentwicklung somit vorhanden wäre", so Lemler und Voithofer: 2006 dürfe der reale Anstieg der Konsumnachfrage fast 2 Prozent betragen; das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte sollte ebenfalls um 2 Prozent steigen. Die Sparquote dürfte heuer geringfügig höher sein als im Vorjahr. Und die Nachfrage nach dauerhaften Konsumgütern bleibt weiterhin deutlich höher als nach nicht dauerhaften Konsumgütern. (JR)

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