"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ausweg in Nahost?" (Von MONIKA DAJC)

Ausgabe vom 19. Juli 2006

Innsbruck (OTS) - Die mehr oder weniger mächtigen Teilnehmer des G8-Gipfels haben gesprochen. Die EU-Staaten ebenso, und UNO-Chef Annan wirbt mit neuer Leidenschaft für eine starke Friedenstruppe. Am Tag sieben nach Kriegsbeginn deutet dennoch nichts auf einen gangbaren Ausweg hin, der in Nahost rasch die Waffen schweigen lässt.

Zu keinem anderen Konflikt hat die UNO bisher mehr Resolutionen verabschiedetet als zu jenem in Nahost mit all seinen Verästelungen. In keiner anderen Weltgegend musste die Weltorganisation aber so viele Rückschläge und Niederlagen hinnehmen. Fortschritte waren immer nur dann möglich, wenn sich Konfliktparteien oder einflussreiche Hintermänner in wesentlichen Fragen schon einig waren. Davon ist man derzeit weit entfernt.

Seit Jahrzehnten ist die Schwäche der Blauhelme im Libanon bekannt. Sie waren da, konnten aber nie die Bedeutung von Friedensgaranten erlangen. Vorbehalte gegen ihre Stärkung gab es in Israel. Immer wieder haperte es bei der Finanzierung. Mit den besten Kräften vor Ort präsent sein wollten auch nur wenige Staaten. In seinem letzten Amtsjahr sieht der UNO-Chef nun eine starke UNIFIL als die Lösung des Problems. Den nach einer weltpolitischen Rolle strebenden EU-Staaten, die sich eben mit großen Mühen zum Kongo-Einsatz durchgerungen haben, dient Annan den Hauptanteil an der Mission an. Aufkommendes Unbehagen darüber lässt sich erkennen, wenn Deutschlands Außenminister Steinmeier betont, die starke UNO-Truppe sei "nur eine Idee, noch kein konkreter Vorschlag".

Triste Perspektiven. Denn durch eine Mikrofonpanne beim G8-Gipfel durfte die Welt erfahren, was US-Präsident Bush zu tun gedenkt:
nichts. Und aus einer Reihe von Staaten, die sich gerne arabische Welt nennen, war im Laufe einer ganzen Kriegswoche noch keine einzige nennenswerte konstruktive Stimme zu vernehmen.

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