Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Der Clash der Kulturen

Als Samuel Huntington den weltweiten Zusammenstoß der Kulturen prophezeite, wurde er von progressiven Geistern reflexartig verlacht. Heute hingegen kann man nur noch fragen, ob dieser Krieg nicht längst in Gange ist. Immer stärker diktiert der Angriff radikal-islamischer Gruppen den Globus. Der Widerstand der durch Korruption korrumpierten gemäßigten Moslems wird immer schwächer. Ebenso der des zutiefst uneinigen Westens.

Im Irak ist nun endgültig ein sunnitisch-schiitischer Bürgerkrieg entbrannt; gezielt und organisiert massakrieren sich die beiden Gruppen, während sich die US-Truppen meist nur noch in ihren Festungen verschanzen, um nicht durch einen Abzug ihre Niederlage offen eingestehen zu müssen.

Im indisch-pakistanischen Zwist - letztlich auch ein reiner Religionskrieg - verlängerten Islamisten ihre Liste blutiger Massenmord-Inszenierungen.

Im Libanon schließlich schafften es in der selben Woche auf iranisches Kommando gehorchende Islamisten, einen kleinen Staat, der eigentlich keinen direkten Konflikt mit Israel mehr hat, wieder zum Kriegsschauplatz zu machen.

Erstaunlich ist jedoch, wie viele Europäer das längst deutlich erkennbare Grundmuster all dieses Terrors zu verdrängen suchen:
- Wer sich etwa nur aus den Berichten des ORF informiert, hält die USA für den Hauptschuldigen an den Übeln dieser Welt (was - bei allen Fehlern Amerikas in einer letztlich verzweifelten Situation -schlicht lächerlich ist; denn der 11. September lag vor der Irak-Invasion).

- Manche Christen wollen in ihrem Drang zu ständiger Selbstanklage statt eines Clashes der Kulturen nur die Folgen der Armut in der Dritten Welt sehen (wobei sie aber nicht erklären können, warum die viel ärmeren Afrikaner nicht ebenfalls die Welt mit Krieg und Massenterror überziehen).

- Andere wieder freuen sich, dass man nach 60 Jahren endlich wieder den Juden die Schuld an allem zuschieben kann, ohne als Antisemit zu gelten (wobei Untaten wie die Besetzung des Westjordanlandes natürlich nicht ignoriert werden dürfen).
Aus der richtigen Diagnose der globalen Entwicklung folgt zugegebenermaßen noch nicht das therapeutische Universalrezept. Falsche Diagnosen führen aber mit Garantie nicht zur Heilung.

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