"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Farbenspiele" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 10.07.2006

Wien (OTS) - Offiziell hat der Wahlkampf noch gar nicht begonnen. Die Ausgangslage ist aber klar: Die SPÖ muss sehen, dass sie ihre verärgerten Sympathisanten überhaupt von der Couch in die Wahlzellen bringt.
Die ÖVP fürchtet ihre guten Umfragen. Wozu wählen gehen, wenn wir ohnehin schon gewonnen haben, denken sich viele Parteigänger. Deshalb warnen die VP-Granden lautstark vor rot-grün und loben stattdessen ihr orangefarbenes Anhängsel.
Das ist logisch: Geht sich eine ÖVP-BZÖ-Koalition aus, kommt das dem Traum von einer schwarzen Alleinregierung schon extrem nahe. Schwarz-grün dagegen aus VP-Bundessicht: Pfui Teufel!
Peinlich allerdings, dass eine solche Koalition in Oberösterreich ganz gut funktioniert. Der dortige VP-Landeshauptmann Josef Pühringer musste uns deshalb am Wochenende im ORF mühsam den Unterschied zwischen Landes- und Bundespolitik erklären.
Für die "Sacharbeit" im Land ist eine schwarz-grüne Koalition gut. Für die "Gesellschaftspolitik", die angeblich vorrangige Aufgabe der Bundesregierung ist, wäre sie aber weniger geeignet.
Hoffentlich hat Kanzler Schüssel das gehört. Sonst kommt er womöglich auf die Idee, im Wahlkampf die erfolgreiche Sacharbeit der Bundesregierung zu loben und um ein Mandat für deren Fortsetzung zu bitten.
Wir werden noch viele Farbenspiele erleben, ehe der Wahltag da ist. Wie immer gilt aber: Abgerechnet wird, wenn die Stimmen gezählt sind. Bis dahin sollte man Koalitions- und sonstige Politikeraussagen nicht auf die Goldwaage legen.

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