Bartenstein: Flexicurity-Strategie wird unter finnischer Präsidentschaft weiter entwickelt

Informelle EU-Ratstagung für Beschäftigung und Soziales in Helsinki - Sozialpartner und Betriebe in den Verbesserungsprozess stärker einbinden

Helsinki (OTS/BMWA) - "Gute Arbeitsbedingungen halten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer produktiv und vor allem auch Ältere länger im Berufsleben. Daher ist es besonders wichtig, auf staatlicher Ebene Rahmenbedingungen zu schaffen, etwa im Bereich Arbeitnehmerschutz oder bei der Qualifizierung. Der Erfolg hängt aber stark von der Umsetzung auf sozialpartnerschaftlicher und betrieblicher Ebene ab, hier ist eine enge Zusammenarbeit und die Einbindung alle Beteiligten gefordert", sagte Arbeitsminister Martin Bartenstein heute, Freitag, bei der informellen EU-Ratstagung für Beschäftigung und Soziales, die unter dem Motto "Mehr Produktivität durch Weiterentwicklung der Qualität des Arbeitslebens" in Helsinki stattfindet.

Produktivität sei ein wesentlicher Faktor für Beschäftigungswachstum, so Bartenstein. Er habe beim informellen Rat für Beschäftigung und Soziales in Villach zu Jahresbeginn das Ziel genannt, bis Ende 2006 die Zahl der Arbeitslosen in Europa unter 18 Millionen zu bringen. Dieses Ziel sei bereits jetzt erreicht. Das sei der Beleg, dass sich die Situation in Europa deutlich verbessert habe.

Das Thema Produktivität sei ein passender Anschluss an die unter österreichischer Präsidentschaft entwickelte politische Strategie Flexicurity - Flexibilität durch Sicherheit. Es sei bestens geeignet, um die Debatte über eine ausgewogene Balance von Flexibilität und Sicherheit weiter zu führen, denn die Produktivität werde durch einen Mix aus Sicherheit, Qualifikation, Mitbestimmung, Zufriedenheit und Motivation gefördert. Österreich habe dieses Konzept etwa bei der Abfertigung neu, die einerseits für Betriebe Sicherheit hinsichtlich der zu erwartenden Kosten schafft, andererseits die berufliche Mobilität der Arbeitnehmer erleichtert und so höhere Produktivität möglich macht, umgesetzt.

Es gebe eine ganze Reihe von Maßnahmen, um die Arbeitsproduktivität steigern zu können. Dazu gehöre ein effizienter IKT-Einsatz in den Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung, flexible Arbeitszeitregelungen und neben gesetzlichen Regelungen und Förderungen auch Maßnahmen zur Integration aller Altersgruppen sowie ethnischer Minderheiten in eine gemeinsame Arbeitswelt. Chancengleichheit für alle sei ein wichtiger Beitrag für das Sicherheitsbedürfnis der Arbeitnehmer und damit auch für die Produktivität, betonte Bartenstein.

Eine aktive Arbeitsmarktpolitik könne durch Qualifizierungs- und Beschäftigungsförderung zur Dynamik der Arbeitsmärkte beitragen -also Mobilität und Produktivität der Arbeitnehmer/innen erhöhen und den Menschen neben besserer Qualifikation auch eine Perspektive, Motivation und dadurch neue (Beschäftigungs-) Möglichkeiten geben.

Österreich setze zum Beispiel über 60% der Fördermittel des Arbeitsmarktservice für Qualifizierung ein: Jugendlichen werde mit dem Programm "Jobs4You(th)" die Möglichkeit eines zertifizierten Ausbildungsabschlusses und marktorientierter Qualifikation angeboten, Frauen die Chance auf Wiedereinstieg nach einer Babypause geboten und die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer/innen unter anderem durch innovative Projekte zur altersgerechten Gestaltung der Arbeitswelt gefördert. Gering Qualifizierte bekämen vom AMS die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss als Basisqualifikation für einen Jobeinstieg nachzuholen, und für Behinderte stünden die integrative Berufsausbildung, Eingliederungsbeihilfen, sozialökonomische Betriebe und gemeinnützige Beschäftigungsprojekte zur Verfügung.

Weitere Maßnahmen Österreichs zur Steigerung der Qualifikationen führte Bartenstein die Förderung des lebenslangen Lernens durch eine Reihe von Instrumenten an: So seien Weiterbildungskosten für Unternehmer/innen als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar, gebe es Weiterbildungsgeld in der Höhe des Kinderbetreuungsgeldes bei Inanspruchnahme einer Bildungskarenz (erhöht für über 45-Jährige) und die Förderung der Qualifizierung für Beschäftigte durch Europäischen Sozialfonds und AMS, indem zwei Drittel der Kursgebühren (Schwerpunkte: Frauen, über 45-Jährige) übernommen werden.

Und es sei außerdem wichtig, auch dem Niedriglohn- bzw. Niedrigproduktivitätsbereich am unteren Rand des Qualifikations- und Einkommensspektrums verstärkte Aufmerksamkeit zu schenken. Österreich habe daher mit Eingliederungsbeihilfen in Form von zeitlich befristeten Lohnkostenzuschüssen (für Langzeitarbeitslose, Ältere, Behinderte), das Kombilohnmodell im Niedriglohnbereich für junge und ältere Langzeitarbeitslose und die Vereinfachung der vorübergehenden Beschäftigung für Arbeitslose neue Beschäftigungsanreize für Menschen am Rande des Arbeitsmarktes geschaffen.

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