"profil": Bawag-Affäre: Finanzministerium und OeNB wussten bereits 2001 von Milliardenkrediten an drei Stiftungen in Liechtenstein

OeNB-Bericht vom April 2001 dokumentiert minutiös Geldtransfers über 1,073 Mrd. Dollar zu Stiftungen Bensor, Treval und Biamo - Streit um Verantwortung zwischen OeNB und Bankenaufsicht

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazins "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hatten sowohl Bankenaufsicht als auch Nationalbank bereits 2001 detaillierte Kenntnis von den Milliardenkrediten der Bawag an drei Stiftungen in Liechtenstrein. Dies geht aus dem OeNB-Prüfbericht vom 27. April 2001 hervor. Bisher war davon ausgegangen worden, dass der Bericht lediglich Hinweise auf administrative Mängel und die Verletzung gesetzlicher Bestimmungen enthalte. Tatsächlich aber werden auch die Geschäftsbeziehungen zu Wolfgang Flöttl minutiös dokumentiert.

Laut "profil" waren damals vier Personen mit dem Bericht unmittelbar in Berührung gekommen: die frühere OeNB-Vizegouverneurin Gertrude Tumpel-Gugerell, OeNB-Direktor Andreas Ittner sowie die damaligen Bankenaufseher im Finanzministerium Alfred Lejsek und Alexander Gancz. Gancz, heute pensioniert, gegenüber "profil":
"Offenbar hat man dem Bericht nicht die Bedeutung beigemessen, die er in der Nachbetrachtung hat." Seiner Darstellung zufolge liegt die Verantwortung für die damaligen Versäumnisse bei der OeNB. "So weit ich mich erinnere, hatte sich die OeNB ausdrücklich verpflichtet, bei Auffälligkeiten sofort Alarm zu schlagen. Das ist hinsichtlich der Bawag nie geschehen."

Die OeNB dementiert das. Ein hochrangiger Vertreter gegenüber "profil": "Wir haben den Bericht im Finanzministerium abgeliefert. Es ist unbestritten, dass darin eine Reihe von Sachverhalten angeführt wurden, welche die Bankenaufsicht zum Handeln hätten bewegen müssen. Dass nichts geschehen ist, ist nicht die Schuld der Nationalbank."

Rückfragen & Kontakt:

"profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PRO0002