Veranstaltung von 2. Präsidentin Prammer zum Thema "Gender Justice" Diskussion mit Expertinnen aus Uganda und Südafrika

Wien (PK) – Trotz des Menschenrechtsanspruchs auf Gleichberechtigung der Geschlechter und dessen internationaler Anerkennung als Entwicklungsziel haben Frauen bis heute nicht die gleichen Lebens- und Entwicklungschancen wie Männer. Diese Problematik stand heute Nachmittag im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Parlament zum Thema "Gender Justice: Theorie und Praxis in den Ländern der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit", zu der die Zweite Präsidentin des Nationalrats, Barbara Prammer, eingeladen hatte. Die zahlreich erschienen Gäste hörten Referate von Swanhild Montoya (Auslandsexpertin des Wiener Instituts für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit - vidc), von der Gender-Expertin Michaela Told und den beiden Anwältinnen Hilary Hendrina Julius (Südafrika) und
Mary Kamuli (Uganda). Die Diskussion wurde von der Gender
Referentin der Austria Development Agency (ADA), Brigitte
Holzner, moderiert.

In ihren Eröffnungsworten zeigte sich Barbara Prammer erfreut
über die Gelegenheit des Informations- und Erfahrungsaustausches auf dem Gebiet der Entwicklungszusammenarbeit, und zwar vor allem aus dem Blickpunkt der Gleichstellungs- und Frauenpolitik.
Prammer, die auch Präsidentin des Wiener Instituts für Entwicklungsfragen und Zusammenarbeit ist, wies darauf hin, dass
im vidc eine eigene Abteilung zur Erarbeitung von Grundlagen für die Programm- und Projektentwicklung in folgenden Bereichen eingerichtet wurde: Armutsbekämpfung im ländlichen Raum, Demokratisierung und Good Governance, Gender und Entwicklung
sowie "Public support for development cooperation". Die heutige Tagung biete die Gelegenheit, mehr über die rechtliche Situation und die Lebensbedingungen von Frauen in Entwicklungsländern zu erfahren, hob Prammer hervor.

Swanhild Montoya sah das Konzept der Gleichberechtigung der Frau
als Basis jeder demokratischen Gesellschaft. Sie berichtete über das Projekt "Genderbox", das in 15 Länderprofilen versucht, einen Überblick über die rechtliche Situation der Frau gegenüber dem Mann herauszuarbeiten. Im Rahmen des Genderbox-Projektes solle
eine "Gender-Handbibliothek" als institutionelles Nachschlagewerk erstellt werden, die praktische Grundlagen über frauen- und genderspezifische Rahmenbedingungen beinhaltet, erklärte sie.

Die Gender-Expertin und Betriebswirtin Michaela Told gab einen kurzen Überblick über die 15 Länderprofile, wobei sie auf die rechtlichen Rahmenbedingungen von Frauen und Männern und die bestehenden internationalen und nationalen Instrumente zur
Umsetzung der Gleichstellung sowie auf die Gewalt gegen Frauen
und auf die Präsenz der Frauen in der Politik einging. Unter anderem seien in Ruanda 48 % der Parlamentssitze von Frauen
belegt, im Vergleich dazu seien es in Nepal nur 2 %, erklärte
sie. Zwischen Theorie und Praxis bestehe ein großer Unterschied, Tradition und Kultur seien bestimmende Faktoren, Ähnlichkeiten
und Unterschiede fänden sich in allen 15 Ländern und die Zusammenarbeit mit Organisationen vor Ort halte sie für absolut notwendig, schloss sie ihre Ausführungen.

Die südafrikanische Anwältin Hilary Hendrina Julius, die als Rechtsberaterin für Landrechtsfragen im Rahmen des "Security of Farm Workers Project" tätig ist, ging insbesondere auf ihre Arbeitsschwerpunkte häusliche Gewalt, Frauenrechte, arbeitsrechtliche Gleichstellung und Landrechte ein. Einer
besonders starken Diskriminierung würden die Frauen von Landarbeitern unterliegen, da meist nur die Ehemänner einen
Vertrag mit den Landbesitzern haben und sie somit völlig rechtlos sind. Die Frauen seien zudem oft Opfer von häuslicher Gewalt und wüssten zu wenig über ihre Rechte und legalen Möglichkeiten. Weitere problematische Faktoren seien die mangelnde Vollstreckung der Gesetze, die Isolation der Frauen, die hohe Analphabetenrate, die Angst vor der Polizei und die Abhängigkeit von den männlichen Familienmitgliedern. Deshalb spielen Nicht-Regierungsorganisationen, wie zum Beispiel das "Security of Farm Worker´s Projekt" bei der Umsetzung von Gender-Justice eine bedeutende Rolle, resümierte Julius.

Mary Kamuli, Rechtsanwältin und juristische Expertin des Ndere Centre und Koordinatorin der "Uganda Development Theatre Association" (UDTA), berichtete über die Arbeit der UDTA, die Theater als Mittel zur Kommunikation von Themen wie Gender,
HIV/Aids und reproduktive Gesundheit einsetzt. Damit sollen vor allem Menschen ohne Schulbildung, die in ländlichen Regionen
leben, erreicht werden. Trotz der bildungspolitischen Maßnahmen können 32 % der 5 Millionen Einwohner immer noch nicht lesen und schreiben, zeigte Kamuli auf. Sie bedankte sich dafür, dass Österreich seit 1994 das Theaterprojekt, an dem mittlerweile über 60.000 Menschen teilgenommen haben, unterstützt.

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie – etwas zeitverzögert – auf der Website des Parlaments im
http://www.parlament.gv.at/pls/portal/url/PAGE/SK/FOTOALBUM/:
http://www.parlament.gv.at

(Schluss)

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