• 28.06.2006, 11:46:13
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ORF: Cap - Mit "Mück-TV" ins Quotentief

SPÖ begrüßt NR-Sondersitzung zu ORF - Unabhängigen Journalismus und pluralistische Information im ORF soll gestärkt werden

Wien (SK) - Der geschäftsführenden SPÖ-Klubobmann Josef Cap
erneuerte im Vorfeld der morgigen Sondersitzung des Nationalrats zum
ORF seine Kritik am "Mück-TV". Der TV-Chefredakteur Mück sei die
"zentrale Stelle" über die die ÖVP Einfluss auf die TV-Information
nehme. Und Cap warnt davor, dass die ÖVP, nachdem sie sich die
Fernseh-Information "zugerichtet" habe, gleiches jetzt für den
Hörfunk plant. Der SPÖ geht es vor allem um eine Stärkung der
Unabhängigkeit der Journalisten und eine pluralistische Information,
erklärte Cap am Freitag in einer Pressekonferenz. Und mit einem Ende
der derzeitigen Hofberichterstattung im ORF würden auch die zuletzt
dramatisch gesunkenen Quoten der ORF-Informationssendungen wieder
steigen. ****

Cap erklärte, dass die zu Beginn von Schwarz-Blau beschlossene
Änderung des ORF-Gesetzes von der SPÖ vehement abgelehnt wurde; vor
allem die Konzentration des Informationsbereichs in einer Hand hielt
und hält die SPÖ für negativ. Unter TV-Informationschefredakteur
Werner Mück sei daraus eine "zentrale Stelle, die die
Regierungswünsche umsetzt" geworden, kritisierte der
geschäftsführende SPÖ-Klubobmann.

Die Informationssendungen im ORF, ZiB1, ZiB2, ZiB3, Report und
Offen Gesagt, hätten ihre Eigenständigkeit verloren, alles geht über
den Schreibtisch von Mück, "der den gesamten Informationsbereich des
ORF dirigieren kann", so Cap. Diese Eingriffe in die Struktur der
ORF-Information blieben freilich nicht ohne Folgen auf die Quoten und
Marktanteile - alle Informationssendungen verlieren dramatisch an
Boden.

Dazu Cap: "Ich bin kein Quotenfetischist", aber die Quote bilde
auch die Akzeptanz seitens der Zuseher ab und Quoten seien nun mal
auch die Basis für die Werbeeinnahmen. "In jedem Privatunternehmen
wäre so ein Quoteneinbruch nicht zu akzeptieren", betonte Cap, der
die Ursachen für diese "Seherverweigerung" ganz eindeutig am
"Mück-TV" festmacht.

Den derzeitigen Zustand des ORF habe der ORF-Journalist Armin Wolf
mit "Gleichgewicht des Schreckens, von dem nur mehr der Schrecken
geblieben ist" beschrieben, erläuterte Cap, der betonte: "Die ÖVP übt
massiven Druck auf den gesamten Informationsbereich des ORF aus, ihr
Kooperationspartner ist dabei Werner Mück."

Diesen Vorwurf sieht Cap in den Angriffen des NÖ-Landeshauptmanns
Pröll gegen die Information im ORF-Hörfunk bestätigt. Pröll wird in
der "Kronen Zeitung" von Dienstag mit dem Satz zitiert: "Im Hörfunk
hat sich ein Wildwuchs bei Nachrichten und Analysen ausgebreitet."
Cap hält diese Aussage von Pröll für einen Skandal, denn gerade wenn
journalistische Freiheit, Pluralismus und das Objektivitätsgebot
erfüllt werden, spricht Pröll von einem "Wildwuchs".

Cap warnt davor, dass die ÖVP, nachdem sie sich den
Informationsbereich des Fernsehens "zugerichtet" habe, jetzt als
nächsten Schritt gleiches für den Hörfunk plant. "Jetzt kommt
offensichtlich der Hörfunk dran", so Cap. "die ÖVP betrachtet den ORF
als ihre Unterabteilung"; ungeklärt sei dabei nur, ob als
Unterabteilung der Bundes-ÖVP oder der NÖ-ÖVP.

Nach den Vorstellungen der SPÖ geht es vor allem um eine
pluralistische Information, wo insbesondere die journalistische
Freiheit gestärkt wird. Cap räumte ein, dass auch die SPÖ in der
Vergangenheit Fehler gemacht, aber daraus auch gelernt habe.
Journalistische Freiheit und Unabhängigkeit gehöre zu den höchsten
Gütern, und das müsse auch garantiert sein, betonte Cap. Und wenn die
Zuseher den Eindruck gewinnen, dass es mit der Hofberichterstattung
ein Ende hat, werden auch die Quoten wieder steigen, ist sich Cap
sicher.

In dem Zusammenhang begrüßte Cap die Einsetzung der
Untersuchungsgruppe durch den ORF-Stiftungsrat, die die Vorwürfe
gegen den TV-Chefredakteur Mück prüfen wird. Auch die Sondersitzung
der Grünen zum ORF, und dass dies vom ORF auch übertragen wird, wird
von Cap ausdrücklich gutgeheißen. Wenn die Grünen morgen eine Novelle
zum ORF-Gesetz beantragen, wonach die Generaldirektoren-Wahl im
Stiftungsrat geheim abgehalten werden soll, würde das von der SPÖ
unterstützt werden, erklärte Cap.

Obwohl er in dieser Frage zunächst skeptisch gewesen sei, trete er
jetzt für eine geheime Wahl im ORF ein, betonte Cap. Der unmittelbare
Anlass für seine Meinungsänderung war dabei
ORF-Zentralbetriebsratsobmann Fiedler, "ein ÖVP-Mann", der die
Tiroler Landesregierung aufgefordert hat, ihren Stiftungsrat
auszutauschen, nachdem dieser sich eine vom ÖVP-Freundeskreis im
Stiftungsrat abweichende Meinung erlaubt hatte. (Schluss) wf

Rückfragehinweis:
Pressedienst der SPÖ
Tel.: 01/53427-275
http://www.spoe.at

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