ORF: Cap - Mit "Mück-TV" ins Quotentief

SPÖ begrüßt NR-Sondersitzung zu ORF - Unabhängigen Journalismus und pluralistische Information im ORF soll gestärkt werden

Wien (SK) - Der geschäftsführenden SPÖ-Klubobmann Josef Cap erneuerte im Vorfeld der morgigen Sondersitzung des Nationalrats zum ORF seine Kritik am "Mück-TV". Der TV-Chefredakteur Mück sei die "zentrale Stelle" über die die ÖVP Einfluss auf die TV-Information nehme. Und Cap warnt davor, dass die ÖVP, nachdem sie sich die Fernseh-Information "zugerichtet" habe, gleiches jetzt für den Hörfunk plant. Der SPÖ geht es vor allem um eine Stärkung der Unabhängigkeit der Journalisten und eine pluralistische Information, erklärte Cap am Freitag in einer Pressekonferenz. Und mit einem Ende der derzeitigen Hofberichterstattung im ORF würden auch die zuletzt dramatisch gesunkenen Quoten der ORF-Informationssendungen wieder steigen. ****

Cap erklärte, dass die zu Beginn von Schwarz-Blau beschlossene Änderung des ORF-Gesetzes von der SPÖ vehement abgelehnt wurde; vor allem die Konzentration des Informationsbereichs in einer Hand hielt und hält die SPÖ für negativ. Unter TV-Informationschefredakteur Werner Mück sei daraus eine "zentrale Stelle, die die Regierungswünsche umsetzt" geworden, kritisierte der geschäftsführende SPÖ-Klubobmann.

Die Informationssendungen im ORF, ZiB1, ZiB2, ZiB3, Report und Offen Gesagt, hätten ihre Eigenständigkeit verloren, alles geht über den Schreibtisch von Mück, "der den gesamten Informationsbereich des ORF dirigieren kann", so Cap. Diese Eingriffe in die Struktur der ORF-Information blieben freilich nicht ohne Folgen auf die Quoten und Marktanteile - alle Informationssendungen verlieren dramatisch an Boden.

Dazu Cap: "Ich bin kein Quotenfetischist", aber die Quote bilde auch die Akzeptanz seitens der Zuseher ab und Quoten seien nun mal auch die Basis für die Werbeeinnahmen. "In jedem Privatunternehmen wäre so ein Quoteneinbruch nicht zu akzeptieren", betonte Cap, der die Ursachen für diese "Seherverweigerung" ganz eindeutig am "Mück-TV" festmacht.

Den derzeitigen Zustand des ORF habe der ORF-Journalist Armin Wolf mit "Gleichgewicht des Schreckens, von dem nur mehr der Schrecken geblieben ist" beschrieben, erläuterte Cap, der betonte: "Die ÖVP übt massiven Druck auf den gesamten Informationsbereich des ORF aus, ihr Kooperationspartner ist dabei Werner Mück."

Diesen Vorwurf sieht Cap in den Angriffen des NÖ-Landeshauptmanns Pröll gegen die Information im ORF-Hörfunk bestätigt. Pröll wird in der "Kronen Zeitung" von Dienstag mit dem Satz zitiert: "Im Hörfunk hat sich ein Wildwuchs bei Nachrichten und Analysen ausgebreitet." Cap hält diese Aussage von Pröll für einen Skandal, denn gerade wenn journalistische Freiheit, Pluralismus und das Objektivitätsgebot erfüllt werden, spricht Pröll von einem "Wildwuchs".

Cap warnt davor, dass die ÖVP, nachdem sie sich den Informationsbereich des Fernsehens "zugerichtet" habe, jetzt als nächsten Schritt gleiches für den Hörfunk plant. "Jetzt kommt offensichtlich der Hörfunk dran", so Cap. "die ÖVP betrachtet den ORF als ihre Unterabteilung"; ungeklärt sei dabei nur, ob als Unterabteilung der Bundes-ÖVP oder der NÖ-ÖVP.

Nach den Vorstellungen der SPÖ geht es vor allem um eine pluralistische Information, wo insbesondere die journalistische Freiheit gestärkt wird. Cap räumte ein, dass auch die SPÖ in der Vergangenheit Fehler gemacht, aber daraus auch gelernt habe. Journalistische Freiheit und Unabhängigkeit gehöre zu den höchsten Gütern, und das müsse auch garantiert sein, betonte Cap. Und wenn die Zuseher den Eindruck gewinnen, dass es mit der Hofberichterstattung ein Ende hat, werden auch die Quoten wieder steigen, ist sich Cap sicher.

In dem Zusammenhang begrüßte Cap die Einsetzung der Untersuchungsgruppe durch den ORF-Stiftungsrat, die die Vorwürfe gegen den TV-Chefredakteur Mück prüfen wird. Auch die Sondersitzung der Grünen zum ORF, und dass dies vom ORF auch übertragen wird, wird von Cap ausdrücklich gutgeheißen. Wenn die Grünen morgen eine Novelle zum ORF-Gesetz beantragen, wonach die Generaldirektoren-Wahl im Stiftungsrat geheim abgehalten werden soll, würde das von der SPÖ unterstützt werden, erklärte Cap.

Obwohl er in dieser Frage zunächst skeptisch gewesen sei, trete er jetzt für eine geheime Wahl im ORF ein, betonte Cap. Der unmittelbare Anlass für seine Meinungsänderung war dabei ORF-Zentralbetriebsratsobmann Fiedler, "ein ÖVP-Mann", der die Tiroler Landesregierung aufgefordert hat, ihren Stiftungsrat auszutauschen, nachdem dieser sich eine vom ÖVP-Freundeskreis im Stiftungsrat abweichende Meinung erlaubt hatte. (Schluss) wf

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