Plass/Grüne Wirtschaft zu 60 Jahre WK: Halbherziges Faceliftig nicht ausreichend - WKÖ noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen

Wesentliche Zukunftsfragen bei Kammerreform ausgeblendet

Wien (OTS) - "Vollkommen veraltete Fachverbände aufzulösen ist ein notwendiger, aber kein ausreichender Schritt im 21. Jahrhundert, wo das Wirschaftskammer-Präsidium offenbar noch nicht angekommen ist. Dieses halbherzige Facelifting löst nur einen kleinen Teil der Probleme", kommentiert Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, den heutigen Beschluss der Reformkriterien im Erweiterten Präsidium der WKÖ. Demnach sollen jene Fachverbände aufgelöst werden, die bundesweit weniger als 1.500 Mitglieder vertreten und jährlich weniger als 400.000 Euro Grundumlagen einnehmen. "Wir werden darauf achten, dass diese Zahlen wirklich ernst genommen und nicht gleich wieder von der kammerinternen Lobby aufgeweicht werden", betont Plass.

Für die Grünen UnternehmerInnen beantwortet die Wirtschaftskammer die wesentlichen Zukunftsfragen damit jedoch nicht. Durch diese Reform gibt es weder eine dringend notwendige Demokratisierung der Kammer noch eine Marktorientierung und Europäisierung ihrer Apparates:
"Während die Wirtschaftspolitik heute hauptsächlich auf europäischer Ebene stattfindet, beschäftigt sich die Kammer damit, in einem aufwändigen Verfahren die Bäckerinnung mit der Konditorinnung zusammenzulegen. Für eine Neuordnung der Strukturen im Sinne moderner, marktorientierter Branchencluster mit Blick nach Brüssel, fehlt der Mut", so Plass.

Auch die Unzufriedenheit eines großen Teils der Mitglieder mit der Wirtschaftskammer ist unverändert hoch: "54 Prozent der Kammermitglieder sind Ein-Personen-Unternehmen ohne MitarbeiterInnen und fühlen sich von einer klassischen ArbeitgeberInnen-Vertretung nicht vertreten", meint Plass. Wie der ÖGB hat die WK den grundlegenden Wandel der Arbeitswelt verschlafen und nimmt die spezifischen Bedürfnisse der Ein-Personen-Unternehmen praktisch nicht zur Kenntnis. Gerade bei der wichtigen Frage der sozialen Absicherung der Selbstständigen ist in den letzten Jahren alles liegen geblieben:
"Die regelmäßig publizierten Wunschlisten des Wirtschaftsbundes an die Bundesregierung sind eine Bilanz des eigenen Scheiterns", so Plass.

Optimistisch zeigt sich Plass bezüglich der morgigen Sitzung des Wirtschaftsparlaments: Zwei Grüne Anträge für eine bessere Krankenzusatzversicherung durch die Gewerbliche Sozialversicherung und eine Neugestaltung des Internet-Portals der Wirtschaftskammer erhalten voraussichtlich die Zustimmung aller Fraktionen. Grüne Anfragen bezüglich der Nationalbank-Beteiligung der WKÖ, der besseren Interessenvertretung für Neue Selbstständige und der permanenten Verfilzung von Wirtschaftsbund und Wirtschaftskammer stehen ebenfalls auf der morgigen Tagesordnung.

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Rückfragehinweis: Volker Plass, Tel. 0676 / 303 22 60

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