Gewerkschaft HTV: Fluglotsen schlagen Alarm

Personalmangel und unzählige Überstunden - Situation unerträglich

Wien (HTV/ÖGB) - "Die Situation ist einfach unerträglich. Viele von uns sind überlastet und ausgebrannt. Ein Zustand der gerade in unserem Beruf fatal sein könnte - vor allem für die Flugpassagiere", schlägt der Vorsitzende der Fachgruppe Flugsicherungsbetrieb in der Gewerkschaft Handel, Transport, Verkehr (HTV), Norbert Payr, Alarm. Und der Arbeitgeber, die im Eigentum der Republik Österreich befindliche Austro Control, glänzt durch Untätigkeit.++++

Innerhalb eines Jahres hat sich der Flugverkehr im Raum Schwechat um 11,8 Prozent gesteigert. Die durchschnittliche Zunahme in den vergangenen Jahren betrug acht Prozent. Doch der Personalstand bei den Fluglotsen blieb gleich. Payr: "Der Dienstbetrieb kann überhaupt nur noch mit Überstunden aufrecht erhalten werden. Das ist europaweit einzigartig."

Was die einzelnen Fluglotsen an Überstunden leisten müssen ist unerträglich. Laut Kollektivvertrag beträgt die monatliche Normalarbeitszeit 145 Stunden. Die Diensteinteilung erfolgt automatisch mit 180 Monatsstunden. Was nichts anderes heißt, dass jeder Fluglotse zu 35 Überstunden "verpflichtet" ist. Dazu kommen bis zu 45 so genannte Ad hoc-Überstunden. Payr: "Das ist in unserem Beruf unverantwortlich. In Spitzenzeiten landen und starten in Wien-Schwechat 80 Flugzeuge pro Stunde. Das erfordert extremste Konzentration."

Am Flughafen Wien werden täglich rund 975 Flugbewegungen gezählt. Dafür sind pro Schicht elf Fluglotsen zuständig. Erfordert der Normalbetrieb schon höchste Konzentration, so kommt es durch die starke Steigerung des Flugverkehrs immer öfter zu kritischen Situation, die vor allem von Fluglotsen im zusammenwirken mit den PilotInnen gemeistert werden müssen. Dafür ist ein so genanntes Contingency Training - vergleichbar mit dem Simulatortraining für PilotInnen - vorgeschrieben. Payr: "Dieses Training findet aufgrund der Personalsituation nicht mehr für alle MitarbeiterInnen statt." Payr fordert die Austro Control auf, schnellsten Abhilfe zu schaffen und kündigt an: "Andernfalls müssen wir aus Gründen der Flugsicherheit Überstunden verweigern."(ff)

ÖGB, 28. Juni
2006 Nr. 453

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