Österreich: Zahl der Versuchstiere gesunken - aber Transparenz der Statistik lässt weiter zu wünschen übrig

Wien (OTS) - Der amtlichen Tierversuchsstatistik, die gestern Dienstag vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung über seine Homepage veröffentlicht wurde, ist zu entnehmen, dass im Jahr 2005 in Österreich 167.312 lebende Wirbeltiere für belastende, schmerzhafte Experimente eingesetzt wurden. Dies stellt gegenüber dem Vorjahr eine markante Verringerung von über 10 % dar und betrifft hauptsächlich Mäuse und Kaninchen und mit weitem Abstand auch Meerschweinchen, "Andere Nager", Hunde, Pferde, Meerkatzen und Katzen.

Gerda Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner (IBT) und des Verbandes der Österreichischen Tierschutzvereine (VÖT) nimmt dieses Ergebnis mit Erleichterung zur Kenntnis. "Endlich ist der Bann gebrochen", so Gerda Matias, denn seit dem Jahre 1999 haben die Tierversuche mit einer einzigen Ausnahme stetig zugenommen, zuletzt sogar um 9 %, obwohl das Tierversuchsgesetz laut § 1 schon seit 1989 unmissverständlich vorschreibt, dass "die Zahl der Tierversuche zu reduzieren" ist.

Statistik ist unvollständig

Gerda Matias weist darauf hin, dass die amtlich gemeldeten Zahlen über die in den Labors "verbrauchten" Tieren nicht der tatsächlichen Zahl der Tiere entspricht, die in den Labors ihr Leben lassen und fordert daher mehr Transparenz. Schließlich fehlen in der Statistik all jene Tiere, die für die umstrittenen Experimente eigens vorher getötet werden. Auch überschüssige Tiere, Versuche an Wirbellosen, an Embryonen und Föten fehlen völlig. Ebenso alle jene Versuche, die nach der Meinung des Experimentators für das Tier nicht belastend und schmerzhaft sind. Inwieweit geklonte und genmanipulierte Tiere in der amtlichen Statistik aufscheinen oder auch nicht - bleibt ungeklärt.

Trotz deutlicher Reduzierung gegenüber dem Vorjahr wurden auch im Jahr 2005 nach wie vor am häufigsten Mäuse (128.634) und Kaninchen (18.439) zu Tests herangezogen. Die Verwendung von sogenannten Nutztieren wie Schweinen, Rindern, Schafen und Ziegen hat sich verdoppelt. Eine Tendenz, die sich schon im Vorjahr abgezeichnet hat. Eine weitere Zunahme ist bei Ratten, Fischen, "Anderen Vögeln", Amphibien und Hamstern festzustellen. Neu ist der Einsatz von Reptilien und Wachteln für Experimente.

Verwendete Tiere nach dem Versuchzweck

Über zwei Drittel der Versuchstiere wurden für die Forschung, Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet - um 8 % weniger als im Vorjahr.

Im Bereich der Grundlagenforschung mussten 20 % der Versuchstiere sterben - um 5 % mehr, was Gerda Matias heftig kritisiert, da es hier um keine zweckdienliche und zielgerichtete Forschung geht. Sie beanstandet auch den Anstieg bei den toxikologischen und sonstigen Unbedenklichkeitsprüfungen (etwa Haut- und Augenreizung) um fast 4 %, da diese brutalen Tests für die Tiere extrem belastend sind. "Absolut unverständlich ist die Verdoppelung der verwendeten lebenden Versuchstiere für Experimente im Rahmen der Ausbildung, da es gerade in diesem Bereich ausreichend Alternativmethoden gibt", so Gerda Matias.
Zum Zweck der Krankheitsdiagnostik wurden weniger als 1 % der Tiere verwendet.

Verwendete Tiere nach der Herkunft

Nach wie vor stammen über drei Viertel aller Versuchstiere aus nicht registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen. Lediglich 28 % (aber immerhin um 8 % mehr als im Vorjahr) kommen aus einer österreichischen registrierten Zucht- oder Liefereinrichtung. Dies widerspricht völlig der Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung, nach der die Tiere vorrangig aus registrierten Einrichtungen kommen sollten.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: 0676/583 67 62 oder +43/1/713 08 23-10, Fax: +43/1/713 08 24
rathmanner@tierversuchsgegner.at
Homepage: www.tierversuchsgegner.at

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