"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gruß aus Waterloo" (Von MONIKA DAJC)

Ausgabe vom 26. Juni 2006

Innsbruck (OTS) - Lockerungsübungen als Lebenszeichen nach der Bawag-Schockstarre. Als mitreißende Nummer wird die gestern beendete ÖGB-Reformklausur kaum in die Geschichte eingehen. Nochmals wurde amtlich kundgemacht, dass bis Ende 2007 insgesamt 70 Millionen Euro eingespart werden müssen. Fix ist auch: Der ÖGB wird künftig um einiges bescheidener logieren. Raus aus der Hohenstaufengasse, die einst als mächtige Adresse gehandelt wurde. Aber das war einmal.

Schmerzhafte Landung in der Realität. Vorbei sein sollen deshalb auch die Zeiten kumulierter Gagen von ÖGB-Funktionären. Der einfache Bürger darf abermals staunen, was alles möglich ist. Mit bis zu 11.060 Euro werden Multis unter den Funktionären auch mit der Neuregelung nicht darben müssen. Nach den Horror-Geständnissen, was alles an Zusagen und Zahlungsverpflichtungen durchgewunken wurde, stellt sich freilich eine Frage mit unveränderter Dringlichkeit: In wie vielen Funktionen kann man seinen Aufgaben wirklich gerecht werden?

Hundstorfer und seine Mitstreiter umklammern den Kompass, der überzeugende Ausweg aus Waterloo zeichnet sich noch nicht ab. Bei der Organisationsreform tun sich Funktionäre, die sich bisher in der besten aller ÖGB-Welten wähnten, schwer. Neuorientierung mit Problemen. Ein Vorbild an Diskussionskultur hat man nämlich auch inmitten des Desasters noch nicht erlebt. Die Austrittswellen aus dem ÖGB waren schon vor dem Bawag-Skandal gewaltig. Die Skepsis der Basis hat mit Rasanz neue Tiefen erreicht. Von Skrupellosen und Ignoranten wurde das Wort Solidarität mit Füßen getreten. Die Betonung absoluter Redlichkeit wird für den Gewinn neuen Vertrauens nicht reichen. Es geht auch um ebenso fachkundige wie attraktive Antworten, die der Arbeitswelt des dritten Jahrtausends in ihrer Vielschichtigkeit gerecht werden.

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